3-D-Drucker Lizenz zum Waffendrucken

Cody Wilson darf ganz legal Waffen herstellen und vertreiben: Der Jurastudent arbeitet mit seiner Firma an Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker, die Anleitungen stellt er ins Netz. Nun hat er eine offizielle Lizenz erhalten.

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Hamburg - Ab jetzt ist alles ganz legal: Das Waffenprojekt Defense Distributed, das Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker fertigen und verbreiten will, ist seit dem Wochenende ein in den USA staatlich lizenzierter Waffenhersteller. Im Blog und Facebook-Profil veröffentlichte die Firma das Foto einer Federal Firearms License (FFL).

"Schaut mal, wer eine Lizenz zur Herstellung von Schusswaffen hat?", schreibt Waffendrucker Cody Wilson dazu. Eine Überprüfung der Lizenznummer auf Gültigkeit war SPIEGEL ONLINE nicht möglich, da Defense Distributed nur einen Teil der Nummer veröffentlichte.

Die Lizenz vom Typ 7 erlaubt dem Konzessionsinhaber die Herstellung und den Verkauf von Schusswaffen und Munition, allerdings nur bedingt auch von schwereren Waffen und Sprengsätzen. Bewerber für eine solche Lizenz müssen einen Hintergrundcheck und mehrere Gespräche mit der Lizenzierungsstelle "Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives" beim US-Justizministerium über sich ergehen lassen.

Legal Waffen drucken

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Wiki Weapons: Waffenteile aus dem Drucker
Der Vorgang ist allerdings, zumindest den Erklärschreiben der Lizenzierungsstelle nach zu urteilen, weder besonders tiefgründig noch auf Ablehnung getrimmt: Theoretisch kann jeder eine Lizenz zum Waffenherstellen bekommen, sofern er bislang nicht gegen Gesetze verstoßen hat und einen Geschäftsplan schreiben kann. Die Überprüfung von Defense Distributed dauerte ein halbes Jahr, ausgesprochen lange. Normalerweise, so heißt es auf der Website der Behörde, benötige man pro Bewerbung mindestens 60 Tage. Allerdings ist eine Lizenz zum Waffenherstellen in den USA keine Seltenheit; die veröffentliche Tabelle mit allen Lizenzen bricht bei über 65.000 Lizenznehmern ab.

Das Tech-Blog "Ars Technica" fragte beim Defense-Distributed-Gründer Cody Wilson nach, was er nun mit der Lizenz vorhabe. Der sagte nur: "Wichtig ist daran, dass ich nun legal [Waffen] herstellen kann. Ich kann Teile verkaufen, mit Schusswaffen handeln und sie transportieren." Als nächstes wolle er sich um eine weitere Lizenz kümmern, die es ihm erlaube, auch schwerere Waffen herzustellen und zu vertreiben, etwa vollautomatische Gewehre.

Denn das ist das Ziel von Defense Distributed: Die Herstellung eines solchen Gewehrs anhand eines frei im Web verfügbaren Konstruktionsplans und mittels eines 3-D-Druckers. Das erste Projekt der Firma ist ein sogenannter Lower Receiver für ein Sturmgewehr: der Teil eines AR-15, in den das Magazin von unten eingeschoben wird und aus dem der Abzugshebel herausragt. Mit einem AR-15 schossen sowohl der Vielfachmörder von Colorado als auch der 20-Jährige, der in der Kleinstadt Newtown 20 Kinder und sieben Erwachsene erschoss.

Anleitungen auf Pirate Bay

Viele andere Teile einer Schusswaffe ließen sich mit einem 3-D-Drucker nicht herstellen - der Kunststoff würde Druck und Hitze nicht standhalten. Doch der Lower Receiver ist ein besonderer Teil eines Gewehrs: Auf ihm steht die Seriennummer, gewissermaßen das Nummernschild der Waffe.

Wilson und seinen Kollegen geht es um mehr als die Herstellung von Waffen. Für sie ist das Waffendrucken eine Sache des Prinzips - sie glauben, dass der Staat die Waffen aus dem 3-D-Drucker nicht verbieten darf. Wilson studiert an der University of Texas Jura. In seiner Freizeit versucht er gemeinsam mit Gleichgesinnten, Waffen zu bauen, genauer gesagt: Waffenteile mit einem 3-D-Drucker selbst herzustellen. Die Anleitungen stellen sie ins Netz, sie lassen sich zum Beispiel über die Filesharing-Plattform Pirate Bay herunterladen.

Die nun erworbene Lizenz dürfte allerdings noch kein Durchbruch für die Do-it-yourself-Waffenszene sein: Bevor die Bastler Waffenteile oder gar Waffen verkaufen, müssen sie Auflagen für Produkt- und Produktionssicherheit erfüllen - und die sind wesentlich schwieriger einzuhalten.

fko



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
BoMoUAE 18.03.2013
1. Waffen drucken
Waffen aus dem 3D-Drucker schoen und gut. Ein erster Schritt zur massenhaften Verbreitung. Den wahren Durchbruch wird die Technik jedoch erst erzielen, wenn man sich seinen eigenen Sexpartner drucken kann....
Aidy 18.03.2013
2. WaffenTEILE ...
Lauf und Verschluß können aufgrund der hohen Belastungen nicht gedruckt werden, und ein Lower Receiver alleine ist ungefähr so gefährlich wie ein Backstein, der tut auch weh wenn er einem gegen den Kopf geschlagen wird ...
RainerM 18.03.2013
3. Alles möglich...
...im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
tart 18.03.2013
4. keule
lol...wahrscheinlich ist es am effektivsten damit ne keule zu drucken.... dieser 3d druck hype ist so lächerlich. eigent sich ma. für kaffetassen und spielzeug oder orginelle geschenke...
paxamericana 18.03.2013
5.
Zitat von sysopYouTube Cody Wilson darf nun ganz legal Waffen herstellen und vertreiben: Der Jurastudent arbeitet mit seiner Firma an Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker, die Anleitungen stellen sie ins Netz. Nun hat er eine offizielle Lizenz erhalten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/waffenteile-aus-dem-3-d-drucker-lizenz-zum-waffendrucken-a-889427.html
Leider hat der Redakteur versäumt mitzuteilen, warum das so ein grosses Ding ist einen Lower Receiver (zu Deutsch: Gehäuse/Griffstück) selbst herzustellen. Die Erklärung ist einfach: in den USA braucht man nur für den Lower Receiver einen Background Check. Alle anderen Teile wie Lauf und Verschluss (Bolt/Bolt Carrier) sind komplett frei verkäuflich. In Deutschland fallen aber letztere Teile auch unter das Waffengesetz, insofern würde das ganze hierzulande gar nichts bringen. Einzigartig ist das aber nicht. Man kann z.B. "80% lower" kaufen. Das sind Lower Receiver die nur zu 80% vorgearbeitet sind und daher frei verkäuflich. Der Kunde muss dann noch ein paar Löcher bohren und Öffnungen fräsen/feilen. Da diese aus Aluminium sind halten sie dann auch ein bisschen länger.
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