Warner Music: Musikriese steigert Streaming-Umsatz

Einmal eine gute Nachricht für die Musikindustrie: Bei der Warner Music Group wachsen die Einnahmen aus dem Digitalgeschäft kräftig. Ein Viertel der Einnahmen kommt von Abodiensten wie Spotify.

Cloud-Dienste: Musik aus der Datenwolke Fotos
AFP

Hamburg - Die Warner Music Group profitiert vom Internet: Das Digitalgeschäft mit Musikaufnahmen wächst stärker als andere Erlösquellen. Warner ist eines der größten Musik-Labels der Welt, insofern sind die Zahlen ein Indikator für die gesamte Branche.

Laut dem Quartalsbericht der Firma profitierte WMG im zweiten Quartal 2012 (April, Mai, Juni) stieg der Digitalumsatz der Firma mit Musikaufnahmen kräftig: 191 Millionen Dollar hatte WMG im selben Zeitraum 2011 eingenommen, 2012 waren es 215 Millionen Dollar - ein Zuwachs um 13 Prozent.

Dieses Wachstum führt WMG auf gestiegen Auszahlungen von Download-Shops wie iTunes und von Streaming-Diensten wie Spotify zurück. Bei Angeboten wie Spotify oder Simfy zahlen Kunden einem festen Preis und können auf das gesamte Repertoire zugreifen, solange das Abo läuft. Streaming-Dienste sind für WMG zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden: 54 Millionen Dollar, also ein Viertel des gesamten Digitalumsatzes im Geschäft mit Musikaufnahmen, kamen bei WMG im zweiten Quartal 2012 von Streaming-Anbietern. Warner zählt dazu auch Einnahmen von Webvideodiensten wie YouTube und Internetradios wie Pandora.

Den großen Labels Sony, Warner und Universal sollen etwa 15 Prozent der Anteile von Spotify gehören. Künstler, die bei kleinen Labels unter Vertrag sind oder ohne Labels arbeiten, haben den Verdacht, dass Spotify den Großen im Geschäft höhere Beträge je Musikabruf auszahlt. Die Cellistin Zoë Keating kritisierte Ende Juni Intransparenz bei Spotify: "Spotify zahlt nicht denselben Betrag je Stream an Indie-Rechteinhaber und Major-Labels. Majors sind Spotify-Miteigentümer und ihre Verträge sind geheim. Mir ist das wichtig, vielen offenbar nicht."

Auf Fragen von SPIEGEL ONLINE zur Höhe der Ausschüttungen hat Spotify nicht geantwortet.

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Streamingdienste im Überblick
Angebot Spotify Simfy Napster Deezer Rdio Juke
Titel im Katalog 16 Mio. 16 Mio. 15 Mio. 13 Mio. 15 Mio. 15 Mio.
Browser nein ja ja ja ja ja
Player Desktop Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry Windows / MacOS nein Windows / MacOS nein
Player Mobil iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android, Blackberry iOS, Android iOS, Android, Blackberry iOS, Android, Blackberry, WP 7 iOS, Android
Offline-
Modus (Desktop)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja ja (9,99 Euro im Monat, 1 Rechner) nein ja
Offline-
Modus (mobil)
ja (9,99 Euro) ja (9,99 Euro) ja (9,95 Euro) ja (9,99 Euro im Monat, 1 Gerät) ja (9,99 Euro im Monat) ja
Eigene Daten (Desktop) ja ja nein ja ja nein
Eigene Daten (mobil) ja (9,99 Euro im Monat) nein nein ja ja (9,99 Euro im Monat) nein
App-
Plattform
ja nein nein nein nein nein
Künstler-
Radio
ja ja ja ja ja nein
Bitrate 160 Kbit/s Dektop, 320 Kbit/s (99 % 9,99 Euro) 192 - 320 Kbit/s 128 Kbit/s (Streaming Dekstop), 192 Kbit/s AAC offline bis zu 320 Kbit/s bis zu 320 Kbit/s keine Information
Gratis werbe-
finanziert (sechs Monate unbegrenzt auf dem Desktop, welt-
weit begrenzt auf 10 Stunden nach sechs Monaten)
werbe-
finanziert (20 Stunden Streaming auf Desktop / per Browser, 5 Stunden nach zwei Monaten)
Testversion 7 Tage 30 Sekunden zum Reinhören / Testversion 15 Tage Premium Testversion 7 Tage Unlimited nein
Bezahl-Angebot 1 4,99 Euro (unbe-
grenztes Streaming Desktop)
4,99 (unbe-
grenztes Streaming auf Desktop / per Browser)
7,95 (Streaming Desktop) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) -
Bezahl-Angebot 2 9,99 Euro / Monat 9,99 Euro / Monat 9,95 (Desktop und Mobil) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 9,99
Stand: 10.8.2012

lis

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1.
franko_potente 10.08.2012
Was? die Musikindustrie verdient Geld online? Ich denke, da wird nur geklaut?
2. Omg!
seduro34 10.08.2012
Dann kann man ja jetzt die geplanten Benefizveranstaltungen für die Musikindustrie absagen und stattdessen sie für die Filmindustrie planen.
3.
mr.brand 12.08.2012
Tja, im Internet geben sich halt Syndikate und Kleinkriminelle die Klinke in die Hand un ziehen sich das Geld aus der Tasche. Der Dumme ist am Ende der Musiker/Künstler, welcher versucht die Musik aus Leidenschaft an der Musik zu machen. Der verdient am Wenigsten - 0,00162 Euro --->1000 Streams = 1,62 Euro , 100.000 Streams = 162,-- Euro. Ich finde das nicht so viel...wohl gemerkt, die Majorlabel bekommen mehr pro Click - man sollte jedoch nicht davon ausgehen, dass das dann auch fair an die vertraglich Gebundenen weitergegeben wird. Es ist halt gehoppst wie gesprungen...
4.
niska 12.08.2012
Zitat von seduro34Dann kann man ja jetzt die geplanten Benefizveranstaltungen für die Musikindustrie absagen und stattdessen sie für die Filmindustrie planen.
Die sich mit Kino und DVD eine goldene Nase verdient? Auch die macht nur auf unglaubhaftes Präventivjammern zur Gewinnmaximierung.
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  • Freitag, 10.08.2012 – 11:22 Uhr
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Glossar der Musikindustrie
Independent / Major
Als unabhängige Label gelten alle Plattenfirmen, die nicht zu den vier großen international tätigen Unternehmen Sony Music, Emi, Warner Music und Universal Music gehören. Die großen vier (Majors) machen 70 bis 80 Prozent des Musikumsatzes weltweit - der Rest entfällt auf die kleinen Independent-Labels. Zum Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) gehören in Deutschland 1200 Firmen, der internationale Indie-Verband Merlin hat nach eigenen Angaben um die 12.000 Mitglieder.
Label
Welche Arbeit die Plattenfirma für den Künstler erledigt, ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich. Ein Extrafall ist der sogenannte Bandübernahmevertrag: Da gibt ein Künstler eine fertige Produktion ab, das Label organisiert nur noch Hersteller und Promo, wickelt die Abrechung ab. Ein Label kann aber auch die Produktion finanzieren und organisieren. Je mehr das Label erledigt, umso höher ist in der Regel dessen Anteil an den Einnahmen. Wenn das Label die Aufnahme bei einem anderen, vielleicht professionelleren Produzenten finanziert hätte, würde es mit dem Künstler einen sogenannten Künstlervertrag und mit dem Produzenten einen Produzentenvertrag abschließen. Bei fast allen Verträgen trägt letztendlich das Label das Warenrisiko: Wenn weniger Platten gekauft werden als produziert wurden, bleibt das Label auf den angefallenen Kosten für Herstellung und Werbung sitzen.
Musikverlag
Während die Label Vervielfältigungs- und manchmal auch Leistungsschutzrechte wahrnehmen, werten Musikverlage die Urhebernutzungsrechte der Musiker an ihren Kompositionen und Texten aus. Sie kümmern sich um die Gema-Abrechnung, auch der Live-Auftritte, und manche Verlage bemühen sich, die von ihnen betreuten Stücke Radiostationen und Werbeagenturen anzupreisen, in Spielfilmen zu platzieren, und überwachen, dass die Werke nicht von anderen ohne Genehmigung bearbeitet werden. All das kann ein Musiker auch selbst machen - ein Verlag nimmt ihm gegen Beteiligung die Arbeit ab. Manche Verlage beschäftigen eigene Mitarbeiter, die sich um die Verwertung in Radio und Werbung bemühen, um zusätzliche Einnahmen für Künstler und Verlag zu erzielen. Inzwischen bauen viele Label eigene Verlage auf, um mehr Rechte auszuwerten.
Booking
Die Booking-Agentur organisiert die Live-Auftritte eines Künstlers. Großen Stars zahlen solche Agenturen oft vorab ein hohes Garantiehonorar aus, das sie dann refinanzieren müssen. Die meisten Booking-Agenturen arbeiten aber auf Provisionsbasis - ein Anteil von 20 Prozent an den Einnahmen der Künstler ist gängig.
360-Grad-Vertrag
Das Schlagwort bezeichnet die Strategie von Labels, mit Künstlern nicht mehr allein beim Tonträger-Vertrieb zusammenzuarbeiten, sondern auch bei der Auswertung von Urhebernutzungsrechten (als Musikverlag), beim Livegeschäft (als Booker) und beim Merchandising.
Gema
Die Gema nimmt Gebühren für alle Verwertungen von Musik ein, die das Urheberrecht an den Stücken betreffen. Wer CDs mit vom Gema-Vertragspartner geschriebener Musik herstellt, die Songs digital verkauft, in Werbespots nutzt, live spielt oder im Netz als Download, Stream oder im Webradio vertreibt, zahlt dafür Gebühren. Die Gema schüttet die Einnahmen - nachdem die Verwaltung bezahlt ist - an Komponisten, Autoren oder ihre Musikverlage aus.
GVL
GVL steht für Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Ein Leistungsschutzrecht bezieht sich immer auf die bestimmte Aufnahme eines Stücks. Wer daran Leistungsschutzrechte hält, hängt von den Produktionsverträgen ab. Im Prinzip hat jeder ein Leistungsschutzrecht an einem Stück, der Musik einspielt oder einsingt. So können auch Produzenten Leistungsschutzrechte an einer Aufnahme haben oder Labels, wenn sie die Produktion abgewickelt haben. Wenn ein Musiker im Studio seine Stück selbst einspielt, erwirbt er auch Leistungsschutzrechte an dieser Aufnahme, genauso wie bezahlte Studiomusiker. Der Verkauf der Musik im Laden oder Download-Shop ist die Erstverwertung dieser Rechte - dafür kriegen die Musiker in der Regel einen Vorschuss und einen Teil der Einnahmen. Wenn die von ihnen eingespielte oder produzierte Musik aber im Radio, Fernsehen oder Kaufhaus läuft, bei Veranstaltungen abgespielt wird, müssen die Sender und Veranstalter für diese Zweitverwertung der Rechte an die GVL zahlen. Diese Zusatzeinnahmen schüttet die GVL an die Mitglieder aus.