Warnung an Soldaten Sicherheitsrisiko Lokalisierungsdienste

Auf Handys basierende Lokalisierungsdienste sind für die einen eine hippe Spielerei, für die anderen die ultimative Marketing-Möglichkeit. Nicht zuletzt aber sind sie potentiell lebensgefährlich: Die US-Luftwaffe warnt nun ihre Soldaten vor der Gefahr, per Handy Angriffe auf sich zu lenken.


Washington/Hamburg - Die US-Luftwaffe hat ihre Soldaten noch einmal zu einem vorsichtigen Umgang mit so genannten Online-Lokalisierungsdiensten ermahnt. Einige dieser neuen Features könnten dem Feind verraten, wo genau sich US-Truppen in Kampfzonen befänden. Ein verantwortungsloser Umgang mit diesen Angeboten durch Luftwaffenangehörige könne verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit haben, heißt es in einer internen Anweisung vom Anfang des Monats.

Gemeint sind Angebote von Facebook, Foursquare, Gowalla oder Loopt, die den genauen Standort einer Person verraten und diesen zum Teil auch auf einer Karte markieren. Gedacht sind sie vor allem dazu, dass Freunde sich leichter treffen können. Bei einigen Programmen muss diese Funktion manuell deaktiviert oder so eingestellt werden, dass nicht jeder, sondern nur die wirklichen Freunde den Standort sehen.

Handy-Ortung: Ein Traum für Stalker, Triebtäter und Terroristen

Hinter vielen dieser Dienste steckt letztlich ein Marketing-Interesse: Die Betreiber hoffen, Marketing und Handel damit locken zu können, gezielte, ortsgebundene Werbeangebote an Personen, die man zu diesem Zeitpunkt nachweislich direkt und vor Ort erreichen kann, machen zu können. Je offener ein Nutzer mit seinen Positionsdaten umgeht, desto besser ist das aus dieser Perspektive. Eine Klientel von Terroristen bis hin zu Triebtätern könnte das durchaus ähnlich sehen: Von der Sicherheit her gedacht sind die meisten Anwendungen des Social Web ein Minenfeld.

Ein echtes Problem sind Handy-Lokalisierungsdienste bereits seit langem in Bezug auf das sogenannte Stalking, die andauernde Verfolgung und Belästigung von Personen - weit über 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Oft sind es ehemalige Partner oder verschmähte "Verehrer", die auf diese Weise aktiv werden. Doch Handy-Ortungsdienste setzen noch voraus, dass der Stalker zumindest einmal Zugang zum Handy der Zielperson hatte, um das Einverständnis mit der Mobilsignal-Verfolgung zu bestätigen.

Bei über verschiedene Plattformen vernetzten, über Social Networks gebündelten Diensten ist das unkomplizierter: Man braucht nur Zugang zum Kreis der Freunde - und der umfasst oft Tausende von Personen, von denen der Social-Net-Nutzer nicht viel mehr kennt als die Web-Präsens. Auffindbar machen sich Social-Medien-Nutzer mitunter versehentlich, meist aber freiwillig.

pat/APD



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.