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New Yorker Projekt Mit Kassettenrekordern die NSA imitieren

"We are always listening": Kassettenrekorder mit der Aufschrift "Eigentum der NSA" Zur Großansicht

"We are always listening": Kassettenrekorder mit der Aufschrift "Eigentum der NSA"

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Eine Gruppe anonymer Anti-NSA-Aktivisten macht mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Dauerüberwachung durch Geheimdienste aufmerksam. Mit heimlich angebrachten Kassettenrekordern zeichneten sie in Restaurants persönliche Gespräche auf und stellten die Aufnahmen online.

In dem Bemühen, sich über die Überwacher lustig zu machen, geben sich die Akteure auf ihrer Webseite als Unterstützer des Geheimdienstes aus. Unter einem manipulierten NSA-Logo behaupten sie, die Behörden im "Krieg gegen den Terror" unterstützen zu wollen. Um das zu erreichen, hätten sie kleine Kassettenrekorder in öffentlichen Räumen platziert. Immer in der scherzhaft vorgetragenen Hoffnung, so verdächtige Gespräche aufzuzeichnen.

Tatsächlich beklebten die Akteure offenbar ein Dutzend Geräte mit der Aufschrift "Eigentum der NSA", brachten sie unter den Tischen verschiedener Restaurants in New York an und schalteten die Aufnahmefunktion ein.

Klatsch und Tratsch von völlig Fremden

Eine Auswahl aus diesen Aufnahmen, meist harmlose Allerweltsgespräche zwischen ganz gewöhnlichen Menschen, haben die Aktivisten auf die Audio-Website Soundcloud hochgeladen. Man kann sie aber auch direkt auf der Aktivisten-Website anhören.

Die Inhalte reichen vom Bewerbungsgespräch über eine Unterhaltung mit dem Personal Trainer bis zum Tratsch über Nachbarn. Sorgfältig wird bei jedem Beispiel die Terrorwarnstufe vermerkt. Mal wird zur Vorsicht gemahnt, wenn "Ausländer und Künstler" zu hören sind, meist jedoch Entwarnung gegeben.

Dass die Aktivisten trotz aller Bemühungen um Anonymität die Öffentlichkeit suchen, macht ihre Eigen-PR deutlich. Einen Tag, bevor ihre Website online ging, informierten sie das Tech-Magazin "Wired" per E-Mail über die Aktion.

Dass es ihnen um mehr als nur um einen Scherz geht, zeigen die Aktivisten auch, indem sie mit der Frage "Angry?" - "wütend?" - auf den Internetauftritt der Amerikanischen Bürgerrechtsunion ACLU verweisen. Dort wird man aufgefordert, sich per Online-Petition am Protest gegen die Verlängerung des Patriot Acts zu beteiligen.

Vorsicht vor der Lampe

2015 war das Thema Überwachung schon einmal Anlass für ein ähnliches Kunstprojekt. Damals bauten zwei Künstler aus einer LED-Lampe, einem Blumentopf und einem Raspberry-Pi-Kleincomputer ein Überwachungsgerät, das wie eine Schreibtischlampe aussah.

Diese stellten sie in einem Schlafzimmer, einer Empfangshalle und einer Bücherei auf, um dort jeweils Gespräche aufzuzeichnen. Mit ihrem Projekt wollten die Künstler bewusst machen, dass buchstäblich jeder Alltagsgegenstand Teil der Überwachungsstruktur werden kann.

meu

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perfekt!57 22.05.2015
perfekt!57 22.05.2015

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Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.


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