Web-Lexikon Deutscher Wiki-Scanner entblößt Selbstdarsteller

Jetzt kann man auch in der deutschen Wikipedia-Version nachspüren, wer Einträge anonym geschönt hat. SPIEGEL ONLINE hat schon Manipulationen entdeckt – jetzt sind Hobby-Rechercheure gefragt, anrüchige Änderungen publik zu machen.

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In Australien liefert das Programm Wiki-Scanner sogar schon Munition für den Wahlkampf: "Ich stelle fest, dass der Ministerpräsident öffentlich Bedienstete benutzt, um Wikipedia-Einträge umzuschreiben", sagte der Oppositionsführer Kevin Rudd dem australischen Fernsehsender "Channel 7". Zuvor hatten australische Zeitungen berichtet, aus dem Computernetz des Premierminister-Büros seien regierungskritische Einträge in der englischsprachigen Wikipedia schön geschrieben worden.

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Aufgedeckt haben das Rechercheure mit dem Programm Wiki-Scanner. Seit elf Tagen kann mit der Software des US-Studenten Virgil Griffith jedermann Schönschreibern in der englischsprachigen Wikipedia nachspüren. Im englischsprachigen ist das Wiki-Schnüffeln Netz schon zum Nerd-Sport geworden - das Online-Magazin "Wired" sammelt bereits Einsendungen der schlimmsten Wikipedia-Änderungen und lässt seine Leser über deren Anrüchigkeit abstimmen.

Seit Freitagmorgen kann das auch in Deutschland losgehen: Die deutschsprachige Version des Programms ist online. Der deutsche Wiki-Scanner hat knapp acht Millionen anonyme Veränderungen analysiert. Sie Änderungen stammen aus den Computernetzen von mehr als 50.000 Organisationen, Behörden und Unternehmen.

Legitime Ergänzungen, keine Skandale, etliche Kuriositäten

Dass aus einem Unternehmensnetz Wikipedia-Artikel umgeschrieben werden, ist per se noch nicht anrüchig. Recherchen von SPIEGEL ONLINE förderten zumeist harmlose Rechtschreibkorrekturen und sachliche Ergänzungen, Berichtigungen und Verbesserungen aus den Computernetzen von Bundestag, Bundeswehr, Parteien und zahlreichen Unternehmen zutage.

Eine eigene Wikipedia-Seite, auf der deutsche Hobby-Rechercheure merkwürdige Veränderungen eintragen sollen gibt es bereits. Bislang sind dort allerdings nur wenige amüsante Änderungen eingetragen. Doch mit der deutschen Version des Wiki-Scanners kommt man auf Anhieb einigen interessanten Manipulationen durch Firmen auf die Schliche.

Stichprobenartig hat SPIEGEL ONLINE einige Firmen überprüft und kam dabei einigen sehr aufschlussreichen Manipulationen auf die Schliche - sehen Sie selbst:



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