Web-Opfer Die Google-Jagd auf Libby Hoeler

Von Ansbert Kneip

2. Teil: Schnüffeln in Deutschland: Fans spüren den Vorleben der Big-Brother-Darsteller hinterher. Interessant sind Peinlichkeiten - und die finden sich zuhauf. Weiter...


Privat ist, was man per Google mit Mühe sucht

Wahrscheinlich hat jeder, der eine Suchmaschine bedienen kann, schon mal seinen eigenen Namen eingegeben. "Vanity Google" nennen das die Amerikaner: Eitelkeitssuche. Irgendeine Information findet sich praktisch immer. Wer im Schachklub spielt, findet Ergebnislisten. Es gibt Fotos von Klassentreffen, eine Hausarbeit an der Uni wird zitiert, Beiträge aus Diskussionsforen archiviert. Wo der eigene Name auftaucht, kann man nicht mehr beeinflussen.

Big Brother-Kandidatin Khadra: Surfer wissen mehr
DPA

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Normalerweise ist das auch kein Problem - was aber, wenn man keine Infos preisgeben will?

In Deutschland beschäftigen sich Hobby-Detektive beispielsweise im Moment mit den Big-Brother-Kandidaten. Das sind Menschen, die in die Öffentlichkeit drängen, allerdings nur mit ihren Vornamen und der Präsenz im Fernseh-Container. Ihr Vorleben ist privat, ihr voller Name wird nicht genannt. Geheim bleibt es aber nicht.

Im inoffiziellen Big-Brother-Forum stellte jemand die harmlose Frage "Wie heißen die Kandidaten eigentlich mit Nachnamen?" Und ähnlich wie bei der Libby-Hoeler-Recherche fand sich sofort ein mächtiger Suchtrupp zusammen. Und wie bei Libby berauschen sich die Google-Fans an ihren Fundstücken.

Nach ein paar Tagen haben sie tatsächlich fast alle Nachnamen gefunden sowie noch etliche Informationen mehr: Khadra, die Deutsch-Somalierin, hat sich bei einer Webagentur als potenzielles Modell beworben, Sava wollte mal Mr. Coca Cola Light werden, andere Kandidaten stehen im Netz mit Adresse, Telefonnummer, Schullaufbahn, Klassenfoto oder Arbeitgeber.

Ulf, der jüngst aus dem Haus gewählte Glatzkopf, ist schon mal als Nacktdarsteller aufgefallen: Vor seinem Auftritt bei BB nahm er an einem so genannten Pornocasting teil, allerdings mit wenig Erfolg. Was er im Big-Brother-Haus als seine "Königspython" bezeichnete, war beim Pornoversuch eher eine Blindschleiche. Gleichwohl gibt es den Kurzauftritt im Netz zu sehen. Ziemlich peinlich.

Libbys Film ist eindeutig schmeichelhafter. Einziger Trost: Ulfs Video wird schnell wieder vergessen sein. Auch für seine persönlichen Daten dürfte sich bald niemand mehr interessieren. Ob die Libby-Verfolger dagegen so schnell Ruhe geben, ist zweifelhaft. Denn bei ihr fehlt noch etwas. Etwas, das die Netzgemeinde wohl nie bekommen wird, und das ein Forumsbesucher so formuliert: "Ich will endlich ihre Version der Story hören".

  • 1. Teil: Die Google-Jagd auf Libby Hoeler
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