Web-Ruhm Rumhängen, rumliegen, tot aussehen

Chuck Lamb ist kein Star. Trotzdem wird in diesen Tagen rund um den Globus über ihn berichtet, denn Chuck Lamb stellt sich tot. Sogar ziemlich häufig, und zwar, um sich seinen Traum zu erfüllen: einmal als Leiche im Film aufzutauchen.


Sie werden anrufen. Früher oder später rufen sie ihn an. Wenn er die Wahl hätte, dann wäre es Jerry Bruckheimers Büro, das ihn als Leiche für "CSI Miami" anheuern würden. Das ist sein Traum, seit vielen Jahren: Wenn schon nicht Schauspieler, dann doch wenigstens einmal Leiche sein in Film oder Fernsehen.

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Dead Body Guy: Liegend zum Ruhm

Chuck Lamb hat den Traum vom Kintopp-Ruhm seit Kindestagen geträumt, sagt er. Stattdessen wurde er EDV-Knecht, arbeitet für eine IT-Firma, wurde sechsfacher Vater und irgendwann 47 Jahre alt. Wenig Haare hat er, sieht nach eigener Einschätzung "alles andere als gut aus" und schätzt auch das eigene Talent zur Schauspielerei so hoch nicht ein: Ein "neuer Sean Connery" werde er wohl kaum, schrieb er auf seiner Webseite.

Seine Webseite. "Dead Body Guy" heißt die, und der Name ist Programm. In immer neuen Varianten stellt er sich selbst dort als toten Körper dar, denn so kompetent ist er allemal in Sachen Schauspielerei: "Sie können meine Frau fragen, niemand kann so gut herumliegen wie ich."

Eine Leiche bei "CSI" bekäme er da doch locker hin, glaubt Lamb - und versucht sich diesem Traum zu nähern, indem er so laut er kann dafür trommelt. Per Webseite, und ziemlich gekonnt. Die skurrilen "Leichenfotos" fanden schon mehrere Millionen Menschen rund um den Globus niedlich. Die Adresse seiner Webseite wandert nun von Büro zu Büro, Zeitungen, Radiosender und TV-Stationen berichten über diesen seltsamen Möchtegern-Schaulieger.

Irgendwann, hofft Chuck Lamb, landet die Adresse auf dem Schreibtisch eines Entscheiders bei "CSI Miami". Irgendwann, so sein Kalkül, wird es für einen TV- oder Film-Produzenten zum prestigeträchtigen Gag, ausgerechnet die berühmteste Web-Leiche der Welt als Leiche zu besetzen.

Einen ersten Schritt hat er vielleicht schon geschafft. Obwohl bisher niemand auch nur eine Minute Film mit ihm drehte, wird Chuck Lamb auf dem Los Angeles Film Festival im Juni ein erster Preis verliehen: Den "Award für Eigenwerbung" haben die Organisatoren nur für ihn ausgelobt. Und gebucht ist er ebenfalls schon: Beim Defilee der Stars soll er als Leiche auf dem Roten Teppich liegen. Für einen kommenden TV-Leichendarsteller ist das ein fulminanter Senkrechtstart. Bei CNN statt "CSI".



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