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Web-Suche: Google macht Werbung zu News

Auf der News-Seite von Google erscheinen nach Suchanfragen jetzt nicht mehr nur Links zu redaktionell bearbeiteten Nachrichten, sondern auch Mitteilungen von Unternehmen. Für Kritiker ist das eine Vermischung von Nachrichten und Werbung.

Google-News: Verzerrung durch einseitig im Firmensinne formulierte Nachrichten Zur Großansicht

Google-News: Verzerrung durch einseitig im Firmensinne formulierte Nachrichten

Es ist nur eine kleine Regeländerung, die in der Öffentlichkeit bislang wenig Beachtung fand. Sie ist jedoch keineswegs unbedeutend, denn sie hat große Auswirkungen, welchem Einfluss künftig jene Nutzer ausgesetzt sind, die ihre Surftouren durchs Internet größtenteils von den Suchergebnissen von Google steuern lassen.

Der Suchmaschinen-Betreiber ermöglicht Unternehmen seit einiger Zeit, Links zu ihren Veröffentlichungen ganz oben auf der Liste der News-Suchergebnisse erscheinen zu lassen. Das Nachsehen hätten nicht nur die Anbieter redaktionell ausgewählter Nachrichten, wenden Kritiker ein. Auch bei den Nutzern könnte der Eindruck entstehen, es handele sich um unabhängig recherchierte Nachrichten, statt einseitiger im Firmensinne formulierter Information.

Wie eine Google-Sprecherin mitteilte, existiert das Angebot bereits seit September des vergangenen Jahres. Zuvor waren nur Links zu Nachrichten, die von Zeitungs- oder Fernseh- und Radioredaktionen erstellt worden waren, bei Google-News zu finden gewesen. Die Kritik an der neuen Regelung weist sie zurück. "Das Ziel der Suche ist, möglichst treffende Antworten auf die Anfragen der User zu geben, und das in möglichst kurzer Zeit", erklärte sie. Das könne ein Artikel einer großen Nachrichtenredaktion sein, oder der eines kleinen Nischenanbieters. Und ebenso könne es eben die Pressemitteilung eines Unternehmens sein. Sie betonte, dass Google kein Geld von den Unternehmen erhalte.

Zu den Unternehmen, die den Google-Service in Anspruch nehmen, gehört der französisch-holländische SIM-Karten-Hersteller Gemalto, der im Februar wegen eines Angriffs von Hackern aus Großbritannien und den USA in die Schlagzeilen geraten war. Die Google-Suche nach "Gemalto" förderte allerdings als erstes die Mitteilung des Unternehmens zutage, in der Gemalto die Auswirkungen des Hackerangriffs als völlig harmlos darstellte.

Ein zweites Beispiel für die Verzerrung des Nachrichtenangebots ist die Vorstellung der Apple-Watch. In der Liste von Google-News stand zu diesem Thema ein Link zu einer Webseite ganz oben, die nichts anderes brachte als Werbung für die neue Uhr.

mik/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Wow!
FerrisBueller 14.03.2015
Eine Firma, die Geld mit dem Verkauf von Werbung verdient, schaltet auf seiner News-Seite Werbung. Ich bin schockiert. oO
2. Naja
Dengar 14.03.2015
Ich verwende Google ohnehin nicht, von daher bin ich nicht betroffen. Aber mal ehrlich: Wer sich auf Online-Portalen der Medien, speziell in der Rubrik "Politik" rumtreibt, der kann schon seit längerem erkennen, dass die Redakteure dort "Nachrichten" auch immer häufiger durch "Meinungen" substituieren. Auch ganz ohne Kennzeichnung.
3. Also gut!
A.Hello 14.03.2015
Dann ist unser kleines Googlechen inzwischen vielleicht doch ein wenig 'evil' geworden. Auch wenn es immer selber sagt: "Don't be evil!". Schade nur, dass Googlechen das selbst leider immer noch nicht merkt und denkt, dass Old Europe es immer nur ärgern möchte. Ein Missverständnis! Das liegt einfach nur daran, dass Googlechen sich weigert auf mehr zurückzuschauen als auf die 500-jährige Kulturgeschichte seines Heimatlandes.
4. Tröpfchen-Infektion
mielforte 14.03.2015
Irgendwann Standard werden wir uns auch daran gewöhnen. Klassischer Journalismus ist vom Aussterben bedroht und die Totenglocken läuten schon unüberhörbar. Toll ist, dass es kein Aufbegehren gibt. Wie das Schaf dem Schlächter folgen alle dem Stream.
5.
Stäffelesrutscher 14.03.2015
»Google macht Werbung zu News« Das ist wie bei deutschen »Leitmedien«, die Werbung der INSM oder der Bertelsmann-Stiftung als Nachrichten tarnen.
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