Webbrowser Apple stellt Safari 4 vor

Schneller, kompatibler und vor allem schöner: In seiner vierten Version soll Apples Webbrowser Safari vieles besser, manches fixer und alles bunter machen als die Konkurrenz. Einen wichtigen Test konnte das Surfprogramm schon jetzt für sich entscheiden.

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Geschwindigkeit ist nicht alles. Für Safari aber ist Geschwindigkeit wichtig. Zumindest der Pressemitteilung zufolge, die Apple am Dienstag verschickte, um die Veröffentlichung einer Vorabversion des neuen Apple-Browsers bekanntzugeben. Denn Safari soll schneller geworden sein als sein Vorgänger. Und zwar nicht einfach nur viel schneller, sondern viermal schneller. Oder ganz genau: 4,2-mal schneller, zumindest wenn es darum geht, Javascript auszuführen.

Und weil es viel mehr Spaß macht die Konkurrenz platt zu machen als eigene Produkte zu überflügeln, belässt es Apple nicht dabei, hausinterne Vorteile herauszustellen. Dank einer neuen Javascript Engine mit dem explosiven Namen Nitro soll Safari 4 Microsofts Internet Explorer um das 30-fache überflügeln, dreimal schneller sein als Firefox 3. Und natürlich sollen auch ganz normale Webseiten viel schneller angezeigt werden als beim Wettbewerb - was zu überprüfen wäre.

Dabei ist es schon ungewöhnlich, dass Apple überhaupt eine Vorabversion publik macht, also eine Schnupperversion, bei der durchaus noch manches schiefgehen kann, aber nicht muss. Seit heute steht die zum Herunterladen bereit, inklusive Deinstallationsprogramm, falls man die Fast-Fertig-Software doch lieber wieder von der Platte putzen möchte.

Langsam wird's schön

Aber Safari 4 auszuprobieren, macht erst einmal Spaß. Ganz offensichtlich haben sich die Entwickler redlich Mühe gegeben, die optische Anmutung des Browsers aufzupeppen. Dazu wurde zum Beispiel die Coverflow-Funktion aus iTunes in den Browser übertragen. Statt durch endlose Listen mit Internetadressen kann man dank Coverflow jetzt durch verkleinert dargestellte Voransichten von Webseiten blättern, wenn man in seinen Bookmarks oder der Verlaufsliste nach einer bestimmten Seite sucht. Und damit man bei langen Listen schneller ans Ziel kommt, lässt sich die Verlaufsliste, inklusive der Inhalte der besichtigten Seiten, nach Begriffen durchsuchen. Offenbar legt Apple hier einen Index sämtlicher besuchter Seiten an.

Eine als Top Sites bezeichnete 3D-Ansicht häufig besuchter Webseiten erinnert an iChat, Apples Video- und Textchat-Software. Auch hier werden die Seiten samt Vorschaubild dargestellt. Das sieht schick aus, kostet aber auch Zeit und Bandbreite. Bis alle Vorschaubilder geladen sind, können schon ein paar Minuten ins Land gehen. Aber so ist das eben: Wer Schönheit will, muss Geduld mitbringen.

Alles auf englisch

Ausgesprochen nützlich ist es, dass die Tabs, zu Deutsch Reiter, von denen mehrere hintereinanderliegende Seiten im Browserfenster symbolisiert werden, jetzt nicht mehr unten, sondern oben auf dem Browserfenster liegen. Das ist so logisch, dass man sich wundert weshalb das nicht schon lange so ist. Vorgemacht hat es übrigens der Googlebrowser Chrome.

Hübsch ist auch, dass Safari jetzt nicht nur versucht, bei der Adresseingabe die gesuchte Adresse selbst zu komplettieren, sondern denselben Trick auch im Suchfeld anwendet. Dabei werden zudem Google-Vorschläge für das passende Suchwort angezeigt.

Dies alles aber, so wie der gesamte Browser, derzeit nur in englischer Sprache. Trotzdem findet Safari mit seiner pseudointelligenten Suchfunktion zielsicher auch deutsche Google-Einträge. Die Eingabe von "Spiegel" führt somit halbautomatisch zur Webseite von SPIEGEL ONLINE.

Kompatibler als alle anderen

In Zukunft möglicherweise wichtiger als all der bunte Tand und die schicken Verzierungen und Detailverbesserungen ist aber, dass in Safari 4 bereits die Webstandards HTML 5 und CSS 3 integriert sind. Die sind zum einen wichtig, um Online-Anwendungen auch offline nutzen zu können. So können Programme, die im Browser laufen, ihre Daten auf die Festplatte des Computers ablegen, wenn die Internetverbindung abbricht. Und auch die Optik wird durch diese Standards verbessert, sobald sie von Webmastern verwendet werden. CSS 3 etwa ermöglicht neue Grafikeffekte wie Spiegelungen auf Webseiten.

Vor allem aber ist Apple mächtig stolz darauf, dass Safari 4, nach Ansicht des Herstellers, als erster Browser überhaupt den berühmt-berüchtigten Acid3-Test bestanden habe. Dieser Test soll kontrollieren, wie gut ein Browser mit dynamischen Webseiten umgehen kann, wie strikt er sich an Standards hält. Der Test steht beispielsweise Microsofts Internet Explorer 8 noch bevor. Auch der will sich strenger als je zuvor an Standards halten und dürfte in wenigen Tagen veröffentlicht werden.

Dass sich Apple ohnehin stärker an Standards orientieren will zeigt allerdings auch eine ganz andere Entwicklung in Safari 4. Auf Windows-PCs sieht der Browser jetzt tatsächlich wie ein Windows-Programm aus und nicht mehr wie eine Mac-Software, die auf dem Weg zur Installation falsch abgebogen ist.



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