Webbrowser-Marktanteile Firefox überholt Internet Explorer - regional

Microsofts Internetdominanz ist gebrochen, die Open-Source-Software Firefox ist ab sofort der meistgenutzte Webbrowser - in Deutschland. Im Rest der Welt sieht das zum Teil ganz anders aus. Doch wirklich verlässliche Zahlen darüber, wer wo welchen Browser nutzt, gibt es nicht.

Fittkau & Maaß

Bei der Mozilla Foundation dürften die Korken knallen: Der aktuellen W3B-Umfrage des Hamburger Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß zufolge hat Mozillas Webbrowser Firefox jetzt erstmals Microsofts Internet Explorer in der Nutzergunst überrundet und ist jetzt - zumindest in Deutschland - der meistbenutze Browser. Fittkau & Maaß feiert das Ergebnis als Ende der zehnjährigen Marktdominanz der Microsoft-Software.

Der Umfrage zufolge haben alle Firefox-Versionen zusammengenommen einen Marktanteil von 45,6 Prozent, während sämtliche Varianten des Internet Explorers mit insgesamt 44,4 Prozent knapp dahinter liegen. Alle anderen Alternativen, also etwa Opera, Safari und Konqueror, kommen nur auf magere 9,5 Prozent. Netscape, einst unangefochtener Marktführer, verschwindet mit 0,6 Prozent in der Bedeutungslosigkeit.

Aus den Nutzungsstatistiken von SPIEGEL ONLINE ist diese Entwicklung schon seit langem abzulesen. Im Monatsdurchschnitt nutzten im November rund 49 Prozent der Leser einen Firefox-Browser. Den Internet Explorer in seinen verschiedenen Varianten verwendeten im gleichen Zeitraum nur 37 Prozent der Leser. An Wochenenden, wenn die Internetnutzer nicht an ihren Bürorechnern sitzen, sondern von Zuhause aus Surfen, verschiebt sich das Verhältnis traditionell noch einmal zugunsten von Firefox. Am letzten Novemberwochenende etwa riefen knapp 55 Prozent der Leser SPIEGEL ONLINE mit Firefox auf, während der Internet Explorer nur auf knapp 27 Prozent kam.

Doch solche Zahlen sind ein europäisches, vor allem aber ein deutsches Phänomen. Offenbar ist man hierzulande eher bereit, sich eine Alternative zu jenem Browser, der mit dem Betriebssystem installiert wurde, auf den Rechner zu holen.

Alle nur Opferlämmer?

Beim US-Statistikdienstleister Net Applications sehen die Zahlen dementsprechend anders aus. Net Applications auf den US-Markt bezogene Zahlen sehen den Internet Explorer mit 64 Prozent Marktanteil immer noch weit vor Firefox, der dem Unternehmen zufolge nur auf 25 Prozent kommt. Noch viel drastischer sehen Zahlen des Statistikdienstleisters Onestat aus, der dem Internet Explorer zumindest im März 2009 noch einen Marktanteil von weltweit fast 80 Prozent zuschrieb. Aktuelle Zahlen hat die Firma allerdings noch nicht vorgelegt.

Allen Browser-Statistiken - egal ob lokal oder global - gemein ist allerdings, dass sie Microsofts aktuelle Version 8 des Internet Explorers anteilsmäßig bestenfalls gleichauf mit deren Uralt-Vorgänger, dem Internet Explorer 6, sehen. Dasselbe Bild zeichnen auch die Statistiken von SPIEGEL ONLINE. Ganz offensichtlich also verharren viele Windows-User stoisch bei der mit ihrem Betriebsystem gelieferten Internet-Software. Und das auch dann, wenn die bekannt dafür ist, vergleichsweise leicht von außen manipulierbar zu sein.

Diese Bequemlichkeit - oder Gleichgültigkeit - ist das Rohmaterial, aus dem Botnets gestrickt werden. Denn für den Aufbau solcher Zombie-Netzwerke werden vorzugsweise Sicherheitslücken in alten Browsern genutzt, um Schadsoftware auf PC einzuschleusen. Wer seine Software nicht aktualisiert, bietet kriminellen Manipulateuren quasi eine Steighilfe an.

Und so kann man aus den aktuellen Browserzahlen zumindest die Hoffnung ableiten, dass wer sich bewusst einen Alternativ-Browser installiert, demnach auch eher willens ist, seine Software mit Updates zu versorgen, die deren Sicherheit verbessern. Wer dagegen nicht einmal automatische Updates nutzt - der Internet Explorer 8 wird von Microsoft auch über die Windows-Update-Funktion angeboten - ist für Schadsoftware nur ein Opferlamm.

mak

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