Webcams In Cambridge geht die Kaffeemaschine aus

Sie gilt als älteste Webcam der Welt, und ihr Bild zeigt eine Kaffeemaschine an der Universität Cambridge. Ende des Jahres soll die Kamera im "Trojan Room" nun vom Netz gehen.

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Die Übersichtsseite der Webcam vor dem "Trojan Room"

Die Übersichtsseite der Webcam vor dem "Trojan Room"

Cambridge - Angeblich hatten Quentin Stafford-Fraser und seine Kollegen aus dem "Coffee club" am Computer Science Department der Universität Cambridge keine Lust, ständig zur Kaffeemaschine zu laufen, nur um festzustellen, dass die braune Brühe noch nicht fertig oder schon wieder alle ist. Sie bastelten, so will es die Web-Legende, 1991 in nur einem Tag eine Kamera, die ihre Daten - in diesem Fall also das Bild der Kaffeekanne - über einen Computer an mehrere Rechner eines Netzwerks weitergab und so eine Kaffee-Kontrolle aus der Ferne erlaubte. In schwarzweiß, aber bei Kaffee genügt das schließlich.

Seit 1993 sind die Bilder aus dem Flur vor dem "Trojan Room" auch im Web zu sehen und wurden schnell zur virtuellen Pilgerstätte. Doch das könnte bald vorbei sein. "Wir ziehen Ende des Jahres in ein neues Gebäude" bestätigt der derzeitige Webcam-Hüter Daniel Gordon gegenüber SPIEGEL ONLINE einen Bericht der britischen Zeitung "The Guardian". Das bedeutet wohl das Ende der ältesten Webcam der Welt. Denn Gordon scheint über den Umzug nicht allzu traurig. "Wir brauchen uns dann nicht mehr mit der Wartung des alten, fehleranfälligen Systems herumzuschlagen." Vielleicht werde man auch in dem neuen Gebäude eine Webcam aufstellen, dann aber eine neue, fügt er hinzu.

Ohne Schnörkel wird der aktuelle Füllstand angezeigt. Noch.

Ohne Schnörkel wird der aktuelle Füllstand angezeigt. Noch.

"Ein paar Mails in den vergangenen Tagen" habe man erhalten, sagt Gordon, die den Erhalt der Webcam fordern. Doch in den nächsten Tagen und Wochen dürfte da wohl noch einiges mehr zu erwarten sein. Wie groß das öffentliche Interesse am Schicksal des britischen Webcam-Veteranen ist, davon weiß Erfinder Quentin Stafford-Fraser bereits jetzt ein Lied zu singen. "Ich kann mich kaum noch vor Interviewanfragen retten", sagt er.

Ob die geballte Macht der Öffentlichkeit die Verantwortlichen im Cambridge noch umstimmen kann, muss sich zeigen. Die Luft wird dünn für die Mutter aller Webcams - da tröstet es auch nicht, dass sie mittlerweile weltweit zehntausende Nachfolger gefunden hat.



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