Webgemeinschaft Plazes Firmenchef entblößt sich im Mitmachnetz

Die Mitglieder des Web-2.0-Dienstes Plazes zeigen der ganzen Welt auf einer interaktiven Karte, wo sie sich gerade befinden. Jetzt wurde dem Plazes-Chef die eigene Software zum Verhängnis: Er müsse nach Berlin, sagte er seinen Kollegen. Diese fanden ihn über Plazes in Kopenhagen.


Sag mir, wo du surfst, und ich sage dir, wo du bist: So funktioniert "Plazes", eine deutscher Web-2.0-Dienst. Mitglieder loggen sich irgendwo im globalen Dorf an irgendeinem Wi-Fi-Hotspot ins Netz ein, die Software zeigt auf einer Karte ihre aktuellen Aufenthaltsorte. "Geo-soziales Navigieren" nennt sich das Konzept.

Gnadenlos ehrlich: Geo-Netzwerk Plazes

Gnadenlos ehrlich: Geo-Netzwerk Plazes

Wer lieber nicht gefunden werden möchte, zum Beispiel, weil er vorgibt an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht ist, sollte Plazes meiden wie ein Vampir das Zazikifass. Bis zum vorigen Freitag wäre man davon ausgegangen, dass Felix Petersen, der Chef und Gründer von Plazes, das weiß. Offenbar nicht.

Eigentlich soll auf der Next Web Conference in Amsterdam eine Rede halten. Am Vortag, dem vorigen Donnerstag meldet er sich kurzfristig ab: Er müsse dringend nach Berlin - seine neun Monate alte Tochter sei schwer krank geworden. Die Veranstalter finden, das klinge ziemlich ernst und wünschen Petersen viel Glück und alles Gute.

Am Freitag dann erhaltten die Veranstalter eine Nachricht und mehrere FlickR-Fotos. Petersen ist demnach doch nicht nach Berlin gefahren. Er hält sich derzeit in Kopenhagen auf und besucht dort die Reboot-Konferenz. Die Veranstalter glauben, das sei ein Scherz und prüfen Petersens Plazes-Profil. Dies enthält folgende Einträge in chronologischer Reihenfolge:

Reboot, Kopenhagen: "Trinke ein Glas Wein."

Reboot, Kopenhagen: "Trinke ein Bier."

Reboot, Kopenhagen: "Dinner."

Boris Veldhuijzen van Zanten, einer der Veranstalter der Next Web Conference, findet das befremdlich, kann Petersen jedoch nicht erreichen. Am Sonntag wird ihm die Geschichte dann zu bunt: Er macht seinem Ärger Luft, schreibt unter dem Titel "Foot in Mouth" einen bitterbösen Blog-Post über Petersen. "Geschmacklos" sei es, die Gesundheit der eigenen Familie zu missbrauchen, um sich vor Verpflichtungen zu drücken, entrüstete sich van Zanten.

Daraufhin meldet sich Petersen endlich per Mail und bezieht zu den Vorfällen Stellung. Seiner Tochter sei es Donnerstagabend bereits wieder gut gegangen. Da er die Next Web Conference schon abgesagt hatte, sei er einfach auf der Reboot-Konferenz geblieben. Sich erneut bei van Zanten zu melden, habe er nicht für nötig gehalten.

Van Zanten entschuldigt sich inzwischen via Blog bei Petersen. Er habe einfach zu emotional reagiert, schreibt er. Den ätzenden Blogpost vom Sonntag ziert inzwischen die Strikethrough-Schrift.

ssu



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