Webguerilla Anonymous Scientology-Hacker will sich schuldig bekennen

Ein 18-Jähriger US-Amerikaner wird sich der Staatsanwaltschaft zufolge schuldig bekennen, im Januar 2008 Scientology-Web-Seiten lahmgelegt zu haben. Dem Hacker drohen bis zu zehn Jahre Haft.


Im Januar hatte sich die unter dem Namen "Project Chanology" entstandene internationale Spaßguerilla gebildet, die sich unter anderem Scientology zum Feind und Ziel auserkoren hat. Der 18-Jährige Dimitrij G. gab der Staatsanwaltschaft von Los Angeles zufolge nun zu, damals eine sogenannte DDoS-Attacke gegen Scientology-Web-Seiten ausgeführt zu haben. Die Scientology-Server waren daraufhin eine zeitlang nicht oder nur schwer erreichbar gewesen. G. sagte aus, er habe sich damals als Mitglied der auch unter dem Namen Anonymous firmierenden losen Truppe betrachtet.

Anonymous-Video bei Youtube: Hacker vor Gericht

Anonymous-Video bei Youtube: Hacker vor Gericht

Anonym sind die Mitglieder der am ehesten als Bewegung zu bezeichnenden Gruppe tatsächlich: Ihre Aktionen werden über Web-Seiten und Foren koordiniert, alle Mittel des sozialen Internets werden genutzt, um etwa Demonstrationen zu organisieren. Die meisten der Beteiligten kennen einander nicht persönlich. Die Gruppe entwickelte sich ursprünglich aus dem Web-Board 4Chan.org heraus, das als Quelle vieler bizarrer Web-Scherze und sogenannter Internet-Meme gilt. Die nicht namentlich registrierten Teilnehmer des Forums für Bildertausch und Diskussion heißen auf den Forenseiten standardmäßig "Anonymous".

An einer konzertierten, globalen Anonymous-Aktion im Februar sollen weltweit etwa 9000 Menschen teilgenommen haben. Sie versammelten sich, oft maskiert, vor Scientology-Zentralen überall in der Welt und protestierten gegen die Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet. Später veröffentlichte jemand auf Youtube eine Botschaft, in der betont wurde, man plane keinerlei physische Aggression gegen Scientology oder die Mitglieder der Organisation. Inzwischen ist laut heise.de die Teilnehmerzahl bei den monatlich wiederkehrenden Protesten jedoch stark zurückgegangen.

Den Beginn der Protestwelle markierte die Veröffentlichung einer Videobotschaft auf Youtube, in der "Anonymous" Scientology den Krieg erklärte. Begleitet wurde die Botschaft von Denial-of-Service-Attacken gegen Scientology-Server - für die Dimitrij G. nun die Verantwortung übernahm.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wird er sich "in den kommenden Wochen" schuldig bekennen. Scientology gab nach der Mitteilung der Staatsanwaltschaft ihrerseits eine triumphierende Pressemitteilung heraus. DDoS-Attacken können in den USA mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

cis/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.