Webtipp Der Browser als Photoshop-Ersatz

Malen, Zeichnen, Bearbeiten: Das kleine US-Unternehmen Aviary bietet die wichtigsten Bildbearbeitungsprogramme kostenlos online an. Der kommerzielle Erfolg scheint bisher auszubleiben. Die Gratis-Tools sind einfach zu gut, als dass Kunden für kostenpflichtige Pro-Versionen zahlen wollen.

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An Online-Bildbearbeitungsprogrammen herrscht kein Mangel. Sogar Branchenprimus Adobe hat eine Web-Version seines Pixelschiebers Photoshop online gestellt. Doch was das US-Start-Up Aviary ins Netz gebracht hat, ist anders. Zum einen, weil die Amerikaner sich viel vorgenommen haben, zum anderen, weil sie versuchen, die Möglichkeiten des Internets möglichst gut auszunutzen. Vor allem aber, weil sie ihre Tools direkt in einen der beliebtesten Webbrowser integrieren.

Wenn Aviary einmal komplett ist, soll es insgesamt 14 unterschiedliche Werkzeuge beinhalten, quasi die ganze Adobe-Produktpalette abdecken. Außerdem soll das Angebot durch einen Online-Marktplatz für Bilder ergänzt werden. Vor allem aber soll innerhalb des Aviary-Portals eine Bildbearbeitungs-Community entstehen, in der sich die Teilnehmer über Tipps und Tricks austauschen, einander Hilfestellung geben und natürlich ihre besten Bilder präsentieren.

Noch ist es aber nicht ganz so weit. Immerhin fünf Programme sind bei Aviary derzeit nutzbar.

Falcon, ein Programm mit dem sich Bilder beschriften und mit allerlei Markierungen und Texten versehen lassen. Bestens geeignet, um den Betrachter auf bestimmte Details hinzuweisen oder Erklärungen in das Bild zu integrieren. Noch ist dieser Falke zwar an Funktionen arm, arbeiten lässt sich damit aber trotzdem prima. Vor allem aber arbeitet Falcon mit Talon zusammen.

Talon integriert die Aviary-Tools in den Firefox-Browser. Nach der Installation der kleinen Erweiterung für den Mozilla-Browser erscheint neben dessen Adressleiste ein neues Symbol, mit dem man Screenshots von Web-Seiten machen und an Falcon weiterreichen kann. Außerdem klinkt sich Talon in die Menüleiste von Firefox ein. So kann man ohne die Aviary-Web-Seite aufzurufen die verschiedenen Bildbearbeitungsprogramme im Browser starten.

Phoenix, das eigentliche Bildbearbeitungsprogramm und Highlight des Angebots. Mit Phoenix kann man Pixelbilder fast wie in Photoshop manipulieren. Wie das Profi-Programm nutzt Phoenix sogenannte Layers, um mehrere Bilder und Bearbeitungsebenen unabhängig voneinander bearbeiten zu können. Phoenix versteht sich gut darauf, Bildbereiche zu maskieren oder Pfade zu erstellen. Immerhin 13 Effektfilter sind enthalten, die recht gute Ergebnisse liefern, mit Photoshops Fähigkeiten aber bei weitem nicht mithalten können.

Raven ist ein Vektorgrafik-Editor. Bilder werden hiermit nicht gemalt, sondern gezeichnet. Der Vorteil dieser Technik: Vektorgrafiken können beliebig in der Größe verändert werden, ohne dass sie pixelig werden.

Peacock wird von Aviary als "Visueller Editor" bezeichnet. Ein ernsthaftes Werkzeug ist das kaum, dafür umso mehr ein kreative Spielwiese. Ähnlich wie bei manchen Software-Klanggeneratoren kann man hier verschiedene Module zusammenstecken, quasi miteinander verkabeln. Bildelemente, Effekte und Mustergeneratoren kann man so zu ausgesprochen komplexen Bearbeitungsabläufen zusammenstellen, die durchaus nicht immer sinnvolle, meistens aber zumindest interessante Ergebnisse erzeugen.

Toucan ist sicher das unauffälligste Tool in der Reihe, kann dennoch nützliche Dienste leisten. Toucan hilft dabei, persönliche Farbpaletten zusammenzustellen. Seine Stärke liegt darin, Farben zu kombinieren, die eine natürlich Beziehung zueinander haben. So kann man, auch wenn man mit Farbtheorie nichts am Hut hat, eigene Bilder, Logos und Schriftzüge so gestalten, dass zumindest deren Farbzusammenstellung harmonisch wirkt.

Und harmonisch sollte sein, was man mit den Aviary-Tools zusammenbastelt. Denn alles, was man beim Speichern nicht ausdrücklich auf den eigenen Rechner, sondern auf dem kostenlosen Webspace des Unternehmens ablädt, können alle anderen User sehen und benutzen. Entscheidet man sich für mehr Privatsphäre, muss man mit anderen Einschränkungen leben.

So ist die Auswahl an Bildformaten, in denen man seine Werke speichern kann, arg begrenzt. Pixel-Bilder lassen sich in den Formaten JPG, Gif, Tiff und PNG auf dem Rechner sichern, Vektorgrafiken lassen sich als Bitmap oder als SVG-Datei exportieren. Der größte Nachteil dabei: Hat man ein Bild aus mehreren Ebenen aufgebaut, gehen diese beim Sichern in einem der externen Formate verloren, alles wird auf eine Ebene heruntergerechnet, spätere Änderungen sind nicht möglich.

Wer das umgehen will, muss das Portemonnaie zücken. 24,99 Dollar pro Jahr kostet eine "Pro"-Mitgliedschaft bei Aviary. Dafür darf man seine Dateien geschützt vor fremden Blicken abspeichern, eigene Kreationen mit digitalen Wasserzeichen schützen und einiges mehr.

Dieser Preis scheint ein Sonderangebot zu sein und deutet an, dass es um den kommerziellen Erfolg des Projekts nicht sonderlich gut bestellt ist: In der Aviary-FAQ wird noch ein Monatspreis von 9,99 Dollar genannt.



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