Webvideopreis 2013: WG-Party mit Pauken und Trompeten

Ein ganzer Chor samt Orchester drängen sich in eine WG-Wohnung: Die Musiker geben das Weihnachtsoratorium zum Besten, mit Noten in der einen und Bier in der anderen Hand - ohne vorherige Probe. Jetzt ist das Video der Konzertparty für den Webvideopreis nominiert.

Großes Getümmel herrscht in einer Leipziger Altbauwohnung, die Leute stehen in Zimmern, Flur und Türrahmen, ein bisschen Gemurmel ist noch zu hören. Dann zischt jemand "Psssst", und die ersten Paukenschläge ertönen. Querflöten, Trompeten und Geigen setzen ein, ein ganzes Orchester spielt auf, und schließlich wird die vermeintliche Partygesellschaft zum Chor: "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage" singen sie; das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.

Sie spielen und singen das Werk in wenig festlicher Atmosphäre: mitten im Gewimmel, in T-Shirt und Kapuzenpullis, irgendwo zwischendrin stehen Notenständer und Instrumentalisten, Pauken und Zuhörer. Etwas erhöht dirigiert jemand mit aufgekrempelten Ärmeln, er ist jung, wie alle Musiker im Raum, die Sache wirkt wie eine schräge Studentenparty. Ist es auch, in gewisser Weise.

Es ist die Abschiedsfeier für Felix Pätzold, der in Leipzig Musik studiert hat und dann eine Anstellung am Theater in Flensburg bekommen hat. "Wir haben manchmal aus Spaß und ohne Proben Konzertpartys in unserer WG veranstaltet, also einfach Musiker eingeladen, Noten hingestellt und Bier gekauft", schreibt er. Händels Messias etwa sei dann gespielt worden oder Mozarts Requiem. Da sein Abschied in den Dezember fiel, gab es diesmal eben Bachs Weihnachtsoratorium.

Dafür, dass die Gruppe das Werk nie vorher zusammen geprobt hat, klingt das Ganze ziemlich gut. Zwischendurch wird getuschelt und gelacht, es werden Flaschen geöffnet und Noten herumgereicht. Im Nebenzimmer lümmeln ein paar Zuhörer auf dem Sofa, andere stehen zwischen den Sängern, machen Fotos und staunen. 50 Minuten dauern das Konzert und das Video, das Pätzolds Kommilitone Hang Su mit einem Smartphone gemacht hat. "Ich wäre mit einer Veröffentlichung auf YouTube übrigens gar nicht einverstanden gewesen, das war eher ein Missverständnis", schreibt Pätzold. "Aber es hat sich herausgestellt, dass das Video großen Anklang findet, also haben wir es dringelassen."

Jetzt ist der fast einstündige Amateurfilm für den Deutschen Webvideopreis nominiert. Ob es preiswürdig ist, können jetzt die Zuschauer entscheiden, indem sie das Video auf der Seite des Webvideopreises bei Twitter, Facebook oder Google+ teilen oder in ihrem Blog verlinken.

Deutscher Webvideopreis 2013
  • European Web Video Academy
    Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. Bis zum 28. April konnten Publikum und Jury über die Nominierungen abstimmen. In diesem Jahr wurden in 13 Kategorien Dutzende Netzfilme nominiert. Aus allen nominierten Einreichungen können bis zum 23. Mai die Finalisten bestimmt werden. Dabei zählen außer geteilten Links auf Twitter und Facebook auch Verlinkungen in Blogs. Die Gewinner der Abstimmung werden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 25. Mai 2013 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Fantastisch
oannes 21.05.2013
Ich bin begeistert!!! Wär ich gern dabei gewesen...
2. Bach in der Wg
pontifactor 06.08.2013
ich bin 90 jahre alt - habe so manche höhen und tiefen erlebt, aber so lange es noch solche menschen gibt, ist mir um das abendland nicht bange. Nicht nur ich, auch Bach hätte seine helle freude daran gehabt!
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