Webvideopreis Antanzen gegen das indische Tanzverbot

Mit engen Hosen und schwingenden Hüften protestiert Fabian Sixtus Körner gegen ein Tanzverbot. Im indischen Bangalore gibt es nicht nur eine strenge Sperrstunde, sondern auch ein grundsätzliches Verbot rhythmischer Bewegung in Clubs und Bars. Körner drehte einen (Tanz-)Film gegen das "absurde Gesetz".

YouTube / designjourneyman

Fabian Sixtus Körner ist viel unterwegs. Im Moment soll er sich Gerüchten zufolge in Kolumbien aufhalten, aber vor nicht allzu langer Zeit war er auch in Malaysia, in China - und in Indien, wo dieses Video namens "The Bollywood Superstar" entstand. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Art Kurzdokumentation, ein Musikclip oder ein überlanger Werbespot. Tatsächlich aber handelt es sich um ein Dokument des Widerstands.

Körner: "Das Projekt entstand im Zuge eines Protests gegen ein verrücktes Gesetz, das vor ein paar Jahren in der südindischen Stadt Bangalore verabschiedet wurde. Einst mit florierendem Nachtleben gesegnet, wurde der Regierung das nächtliche Treiben mit lauter Musik, ansteigendem Drogenkonsum und vermehrten Übergriffen gegen Frauen zu viel des Guten und so entschied sie sich dazu, ein Gesetz zu entwerfen, das alle diese Fliegen mit einer Klappe erschlagen würde. Es entstand die Verbannung des Tanzens."

Für die Clubszene und das Nachtleben von Bangalore habe all das natürlich verheerende Auswirkungen gehabt, sagt Körner, und so habe er sich entschieden, mit dem Video, in dem er selbst ständig tanzend zu sehen ist, gegen das absurde Verbot zu protestieren.

Der Clip zeigt ihn, wie er ein Plakat für einen fiktiven Film entwirft, es in einer kleinen indischen Druckerei in neuer, ziemlich lauter Form vervielfältigt herstellen lässt und die Plakate schließlich an eine Wand klebt. Dabei ist Körner ständig in - rhythmischer - Bewegung. Verbotswidrig, gewissermaßen.

Körner reist seit zwei Jahren um die Welt, nach eigenen Angaben ist er "studierter Innenarchitekt, Fotograf und Grafikdesigner". In den Ländern, die er durchstreift, bietet er seine Dienste an, war schon Juror eines Modelwettbewerbs in Malaysia, Gartenarchitekt in Südindien, Dokumentarfilmer auf Kuba und Musikproduzent in Australien. Dazwischen dreht er solche Clips wie den "Bollywood Superstar".

Beim Deutschen Webvideopreis ist der Film in der Kategorie OMG (Oh My God) nominiert. In dieser Kategorie laufen kurze kuriose Werke, die für Verblüffungsmomente sorgen sollen.

Deutscher Webvideopreis
  • Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. In diesem Jahr wurden in neun Kategorien Dutzende Netz-Filme nominiert, aus allen nominierten Einreichungen konnte jeder Interessierte vom 1. März bis 29. März online die Publikumspreisträger 2012 wählen. Die Gewinner der Abstimmung wurden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 31. März 2012 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises.

cis

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insgesamt 10 Beiträge
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HuHa 15.03.2012
1. Ein echter Held
Zitat von sysopYouTube / designjourneymanMit engen Hosen und schwingenden Hüften protestiert Fabian Sixtus gegen ein Tanzverbot. Im indischen Bangalore gibt es nicht nur eine strenge Sperrstunde, sondern auch ein grundsätzliches Verbot rhythmischer Bewegung in Clubs und Bars. Sixtus drehte einen (Tanz-)Film gegen das "absurde Gesetz". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,821582,00.html
Wow, was für ein Held! Äh... Oder haben es die demokratisch gewählten Vertreter (ja, Indien IST im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in dieser Region eine Demokratie - die größte der Welt sogar mit ca. 1 Mrd. Einwohnern) beschlossen, um einen Mißstand zu beheben, der ihnen nicht gefallen hat? Wie arrogant muß man eigentlich sein, einem anderen Volk in einem völlig anderen Kulturkreis vorschreiben zu wollen, ob so ein Gesetz gut oder verachtungswürdig ist? Ich könnte ja verstehen, wenn er eine Dokumentation gedreht hätte, wie die einheimische Bevölkerung gegen dieses Gesetz protestiert. Aber tut sie das denn? Oder ist es nur seine eigene Selbstverliebtheit und gefühlte kulturelle Überlegenheit, die er hier in Szene setzt? Es ist billig, überheblich und kein bißchen mutig. was er hier tut. Man muß solchen Pseudo-Aktivisten und Pseudo-Künstlern wirklich nicht auch noch eine Plattform geben.
gofl 15.03.2012
2.
Zitat von HuHaWow, was für ein Held! Äh... Oder haben es die demokratisch gewählten Vertreter (ja, Indien IST im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in dieser Region eine Demokratie - die größte der Welt sogar mit ca. 1 Mrd. Einwohnern) beschlossen, um einen Mißstand zu beheben, der ihnen nicht gefallen hat? Wie arrogant muß man eigentlich sein, einem anderen Volk in einem völlig anderen Kulturkreis vorschreiben zu wollen, ob so ein Gesetz gut oder verachtungswürdig ist? Ich könnte ja verstehen, wenn er eine Dokumentation gedreht hätte, wie die einheimische Bevölkerung gegen dieses Gesetz protestiert. Aber tut sie das denn? Oder ist es nur seine eigene Selbstverliebtheit und gefühlte kulturelle Überlegenheit, die er hier in Szene setzt? Es ist billig, überheblich und kein bißchen mutig. was er hier tut. Man muß solchen Pseudo-Aktivisten und Pseudo-Künstlern wirklich nicht auch noch eine Plattform geben.
Waren sie schon mal in Indien? Anscheinend nicht! Dann wüssten sie, dass dieses Land von Korruption nur so durchsiebt ist und von einer "Demokratie" wie in Deutschland weit entfernt ist. Ich war ein halbes Jahr in Bangalore und dieses Gesetz ist Willkür, wie so vieles andere in diesem Land. Dieses Verbot hat nichts mit dem Kulturkreis zu tun, sondern entstand durch angebliche Protitution und Vergewaltigung in Zusammenhang mit Alkoholkonsum und "Tanzen". Sollte nicht über so ein Verbot demokratisch abgestimmt werden? Moment... da war doch was... ... Indien hat ganz andere Problem, die es in den Griff bekommen sollte...
FabianSixtusKörner 15.03.2012
3. Save Bangalore Nightlife
Zitat von HuHaWow, was für ein Held! Äh... Oder haben es die demokratisch gewählten Vertreter (ja, Indien IST im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in dieser Region eine Demokratie - die größte der Welt sogar mit ca. 1 Mrd. Einwohnern) beschlossen, um einen Mißstand zu beheben, der ihnen nicht gefallen hat? Wie arrogant muß man eigentlich sein, einem anderen Volk in einem völlig anderen Kulturkreis vorschreiben zu wollen, ob so ein Gesetz gut oder verachtungswürdig ist? Ich könnte ja verstehen, wenn er eine Dokumentation gedreht hätte, wie die einheimische Bevölkerung gegen dieses Gesetz protestiert. Aber tut sie das denn? Oder ist es nur seine eigene Selbstverliebtheit und gefühlte kulturelle Überlegenheit, die er hier in Szene setzt? Es ist billig, überheblich und kein bißchen mutig. was er hier tut. Man muß solchen Pseudo-Aktivisten und Pseudo-Künstlern wirklich nicht auch noch eine Plattform geben.
Ich bin natürlich nicht der westliche Rächer für den Sie mich halten. Ihc habe vor Ort mit Indern zusammengearbeitet und bin mit Indern zusammen abends weggegangen. Dass dieses Gesetz nervt, ist nicht ausschließlich den Ausländer vor Ort vorbehalten. Auch die einheimischen wollen diese Absurdität nicht ohne weiteres hinnehmen: https://www.facebook.com/savebangalorenightlife Mein Video ist nur ein kleiner Beitrag zur immer größer werdenden Protestbewegung die mittlerweile auch erste Früchte trägt. Über die Art des Videos kann man natürlich sagen was man will. Das ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Danke ihnen für Ihre Meinung. Herzliche Grüße aus Medellín Fabian Sixtus Körner
enfield 15.03.2012
4. ....
Zitat von HuHaWow, was für ein Held! Äh... Oder haben es die demokratisch gewählten Vertreter (ja, Indien IST im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in dieser Region eine Demokratie - die größte der Welt sogar mit ca. 1 Mrd. Einwohnern) beschlossen, um einen Mißstand zu beheben, der ihnen nicht gefallen hat? Wie arrogant muß man eigentlich sein, einem anderen Volk in einem völlig anderen Kulturkreis vorschreiben zu wollen, ob so ein Gesetz gut oder verachtungswürdig ist? Ich könnte ja verstehen, wenn er eine Dokumentation gedreht hätte, wie die einheimische Bevölkerung gegen dieses Gesetz protestiert. Aber tut sie das denn? Oder ist es nur seine eigene Selbstverliebtheit und gefühlte kulturelle Überlegenheit, die er hier in Szene setzt? Es ist billig, überheblich und kein bißchen mutig. was er hier tut. Man muß solchen Pseudo-Aktivisten und Pseudo-Künstlern wirklich nicht auch noch eine Plattform geben.
nö, Held deswegen sicher nicht - aber ne coole Socke :-) Sie sollten sich etwas mehr mit dem Thema auseinandersetzen, bevor Sie lospoltern. Sicher ist Indien die größte Demokratie der Welt - und das ist beachtlich und gut so. Indien ist aber föderal organisiert - ungefähr wie Deutschland, nur eben in ganz anderen Dimensionen. Der Bundesstaat Karnataka (Hauptstadt Bangalore) hat alleine über 50 Mio. Einwohner und eine Regierung, gegen die die CSU ein lascher Haufen von Gottlosen ist...sozusagen. Gegen die Koalitionen und Parlamentszusammensetzungen auf Bundes und Landesebene ist alles was wir aus Deutschland kennen, Pillepalle und einfach durchschaubar. Wahlen in Indien sind - auch bei guten An- und Vorsätzen immernoch eine windige Angelegenheit, mit - vorsichtig ausgedrückt - einigen Schwachpunkten. Wie arrogant muss man sein, zu denken einen fremden Kulturkreis wie Sie aus der Ferne ansatzweise einschätzen zu können?! Lassen Sie sich gesagt sein: Inder LIEBEN es, zu tanzen - das ist fester Bestandteil der Kultur. Das Tanzverbot ist nichts als religiös verbrämte Schikane - genau wie der curfew. Alle neueren Clubs und Hotels haben bereits Tanzflächen und warten nur auf einen Regierungswechsel (offenbar ist da seit ich 2010 da weg bin immernoch nix passiert). die Bangalorer werden's ihm trotzdem danken. Wenn Sie sich mal vor Augen führen, dass die Polizei gar nicht zimperlich sogar private Parties gewaltsam auflöst, wenn dort getanzt wird und Menschen, die nach 23 Uhr noch draußen in Gruppen rumlaufen mit Schlagstöcken vertrimmen inklusive ein TukTuk umwerfen (beides erlebt) - und das in einer augenscheinlich modernen Metropole, denken Sie vielleicht anders. Da ist es erfrischend wenn die versammelte Kellnerschaft des HardRockCaffe zu YMCA auf die Bühne springt und tanzt (eine "Performance" ist erlaubt - Grauzone also - Inder sind ja smart)... doch, bitte!
felisconcolor 16.03.2012
5. Hallo Herr Körner
Machen sie sich nichts draus. Es gibt in Deutschland eine "Minderheit" die durch ihre Rufe nach Freiheit und Demokratie gar nicht mehr merken wie sie damit die Freiheit und Demokratie anderer einschränken. Ich finde ihre Aktion gut und das Video dazu ist Klasse. Ob es etwas bewirkt? Schaun wir mal. Zumindest gehören sie nicht zu der Sorte Menschen die Missstände auch in anderen Ländern einfach so hin nehmen, wenn Freiheiten und seien es nur so kleine wie das Tanzen anderer eingeschränkt werden. Machen sie weiter. Und soweit weg ist ein Tanzverbot hier in Europa auch nicht. In der rühmlichen Vergangenheit gab es immer wieder Tanzverbote sei es aus religiösen oder politischen Gründen. Aber diese finsteren Zeiten haben wir hoffentlich überwunden. Wenn ich allerdings dann Posts wie den obigen lesen... ...dann kommen ganz andere Zeiten auf uns zu. Leider.
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