Webvideopreis So schön klingen Lenas Teufelsintervalle

So wie im Video von Klaus Kauker haben Sie Lenas Song "Maybe" bestimmt noch nie gehört. Der Komponist zerlegt das Lied in seine Bausteine, ist dabei auf merkwürdige Art unterhaltsam - und für den Deutschen Webvideopreis nominiert.

Klaus Kauker

Ton für Ton, Akkord für Akkord, nimmt Klaus Kauker das Lied auseinander, das Teil der TV-Show "Unser Song für Deutschland" war, in der Lenas Song für den Eurovision Song Contest in Düsseldorf ausgewählt wurde. Hört sich nach trockener Musiktheorie an, ist es aber nicht. Denn auch wenn Kauker vor der Kamera etwas steif agiert, macht es Spaß, ihm dabei zuzuschauen - und zu hören - welchen Tiefgang und welche unerwarteten musikalischen Kniffe er in dem Pop-Gesäusel entdeckt.

Etwa wenn er mit einer eigenartigen Mischung aus Zurückhaltung und Begeisterung sagt, dass er "die Bridge supertoll" findet, weil darin ein "Triple-Subdominante" vorkommt. Außerdem sei es "ganz interessant, dass man von fis-Moll zu C-Dur wechselt, weil die Grundtöne in einem Tritonus-Abstand liegen, dem Teufelsintervall." Wer jetzt glaubt, gar nichts zu verstehen sollte sich das Video anschauen, weil Kauker nicht nur seine Beobachtungen wiedergibt, sondern sie auch erklärt. Das macht die Sache spannend: Einen Einblick zu bekommen, warum ein Song so klingt, wie er klingt, mit welchen Tricks in der Musik Spannung aufgebaut und im Refrain wieder gelöst wird.

"Mit meinem Analyse-Video nutze ich die Gelegenheit, musikinteressierte Ohren zu trainieren", sagt Kauker. Er wolle seine Zuschauer für Musiktheorie begeistern und Mut machen, selbst zum Instrument zu greifen. Auf den Lena-Song sei er gekommen, weil es bei "Unser Song Für Deutschland" nicht darum gegangen sei, "bloß ein singendes, sympathisches Gesicht" zu finden, sondern vielmehr der Song im Mittelpunkt stand.

"Ich finde es immer interessant, hinter die Kulissen zu blicken; sei es ein zu früher Akkordwechsel in der Band, eine falsche Textzeile bei Lena oder eine pfiffige Akkordstruktur mit optimaler Melodieführung", sagt Kauker. All das habe er bei "Maybe" gefunden. Der Song sei "wohldurchdacht und somit gut geeignet für eine Song-Analyse", erklärt der 23-jährige, der auf seiner Website auch einige eigene Kompositionen zum Anhören bereithält.

Jetzt ist sein Video in der Kategorie FAQ/RTFM (Frequently Asked Questions/Read The Fucking Manual) für den deutschen Webvideopreis nominiert, in der Video-Gebrauchsanleitungen und Servicefilme ausgezeichnet werden sollen. Bis zum 29. März kann man auf den Seiten des Webvideopreises für das Video abstimmen.

Deutscher Webvideopreis
  • Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. In diesem Jahr wurden in neun Kategorien Dutzende Netz-Filme nominiert, aus allen nominierten Einreichungen konnte jeder Interessierte vom 1. März bis 29. März online die Publikumspreisträger 2012 wählen. Die Gewinner der Abstimmung wurden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 31. März 2012 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises.

mak



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
jot-we 09.03.2012
1. °°
Zitat von sysopKlaus KaukerSo wie im Video von Klaus Kauker habe Sie Lenas Song "Maybe" bestimmt noch nie gehört. Der Komponist zerlegt ein das Lied in seine Bausteine, ist dabei auf merkwürdige Art unterhaltsam - und für den Deutschen Webvideopreis nominiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820322,00.html
Heiliger Liberace - was ist denn DAS? Realsatire und keiner merkt's? Dann ist es wohl Surrealsatire ...
qvoice 09.03.2012
2.
Zitat von jot-weHeiliger Liberace - was ist denn DAS? Realsatire und keiner merkt's? Dann ist es wohl Surrealsatire ...
Das sind doch alles Trivialitäten, warum erzählt er hier was eh jeder hört? Nein im Ernst, der Typ ist echt gut. Ich gäbe einiges darum, das Gehör zu haben.
chalchiuhtlicue 10.03.2012
3.
Diese Analyse führte dazu, daß ich mir Lenas Song einmal anhörte - zumindest 20 Sekunden lang, länger hielt ich es nicht aus. Ich hörte das Video auf http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=lena+maybe&source=video&cd=3&ved=0CEAQtwIwAg&url=http%3A%2F%2Fwww.unser-star-fuer-baku.tv%2Fvideos%2Fplayer%2Findex.html%3FcontentId%3D95697%26initialTab%3Drelated&ei=vfpaT_-II-fV4QT3w-ShDw&usg=AFQjCNFMY_Eu6IVIaNUGRVoXgDig569Keg . Man hört hier wunderbar, daß sie nicht singen kann. Selten eine so dünne Stimme gehört. Noch dazu trifft sie mehr als einmal nicht den richtigen Ton.
darksystem 10.03.2012
4.
Zitat von chalchiuhtlicueDiese Analyse führte dazu, daß ich mir Lenas Song einmal anhörte - zumindest 20 Sekunden lang, länger hielt ich es nicht aus. Ich hörte das Video auf http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=lena+maybe&source=video&cd=3&ved=0CEAQtwIwAg&url=http%3A%2F%2Fwww.unser-star-fuer-baku.tv%2Fvideos%2Fplayer%2Findex.html%3FcontentId%3D95697%26initialTab%3Drelated&ei=vfpaT_-II-fV4QT3w-ShDw&usg=AFQjCNFMY_Eu6IVIaNUGRVoXgDig569Keg . Man hört hier wunderbar, daß sie nicht singen kann. Selten eine so dünne Stimme gehört. Noch dazu trifft sie mehr als einmal nicht den richtigen Ton.
Die Analyse ist besser als der Song selbst da haben Sie Recht.
scientist-on-hartz4 10.03.2012
5. der Musiklehrer
Zitat von sysopKlaus KaukerSo wie im Video von Klaus Kauker habe Sie Lenas Song "Maybe" bestimmt noch nie gehört. Der Komponist zerlegt ein das Lied in seine Bausteine, ist dabei auf merkwürdige Art unterhaltsam - und für den Deutschen Webvideopreis nominiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820322,00.html
Ich hab Klaus Kauker auch auf meinen YouTube-Channel abonniert. Er erklärt auch einem blutigen Klavieranfänger wie mir wirklich excellent, was es mit Akkorden, Achtelnoten und Terzen auf sich hat. Wäre meine Musiklehrerin damals so draf gewesen, ich hätte meine Blockflöten nicht mit 12 frustriert in die Ecke geschmissen. Heut hab ich all das von damals gelernte vergessen und muß es mir mühsam wieder neu erarbeiten. Dank KKs Videos ist das auch für einen der Null Ahnung von Musik hat machbar. Das aktuell gezeigte Video ist aber nur was für Fortgeschrittene & Musikstudenten. Daher wundert mich die Nominierung einer so komplexen Lektion zum Webvideopreis.
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