Weltmeisterschaft 2010 Bleibt der Ärger mit den WM-Livestreams?

Jeder zweite deutsche Internetnutzer sieht online fern - oder würde das tun, wenn er könnte: Die Livestreams von ARD und ZDF sorgten in den vergangenen zwei Wochen häufig für Frust bei den Nutzern. SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt, was schiefgelaufen ist - und ob es in Zukunft besser wird.

Daumen runter: Fans leiden, wenn versprochene Leistungen nicht gebracht werden
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Daumen runter: Fans leiden, wenn versprochene Leistungen nicht gebracht werden

Von Jan Mölleken


Die WM-Livestreams der öffentlich rechtlichen Anstalten werden gerade jetzt in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft intensiv genutzt. Viele Vorrundenspiele - auch die der deutschen Nationalelf - finden nachmittags statt, also genau dann, wenn ein großer Teil der Fußballfans arbeiten muss. Gerade diese Gruppe dürfte in den vergangenen Tagen vermehrt auf Livestreams von ARD und ZDF zurückgegriffen haben, um auch vor dem Rechner im Büro die WM-Spiele nicht zu verpassen.

Auf die Vorfreude folgte dann aber oft Frust, denn schon beim Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko blieben viele Computer-Bildschirme schwarz, bestenfalls war das rotierende Logo der ARD im Streaming-Fenster zu sehen. Ein kurzes Anlaufproblem, mögen viele gedacht haben, wurden bei den kommenden Spielen oft aber erneut enttäuscht: Die Livestreams funktionierten bei den ersten WM-Spielen mehr schlecht als recht. Erst am vergangenen Freitag beim Spiel zwischen Serbien und Deutschland mussten sich die Server des ZDF erneut geschlagen geben, auch Streaming-Alternativen wie Zatoo brachen unter dem Ansturm der fußballhungrigen User zusammen. Warum bloß, mögen sich viele verärgerte Gebührenzahler gefragt haben, gelingt es ARD und ZDF so lange nicht, die versprochenen Livestreams ohne Aussetzer auszuliefern?

Eine neue Dimension von Livestreams

Das Problem, so die einhellige Antwort von ARD und ZDF, sei die große Zahl der Zugriffe gewesen, mit der man offensichtlich nicht gerechnet hat. "Das ist schon eine neue Dimension, Livestreams in dieser Größenordnung auszuliefern", sagt Nadine Bilke. Sie ist beim ZDF Chefin vom Dienst der Hauptredaktion Neue Medien und wie ihre Kollegen von der ARD überrascht von der großen Nachfrage. Größtes Problem sei, dass die Zahl der Abrufe des Livestreams nicht absehbar sei. "Wir hatten unsere Kapazitäten ja bereits angepasst, aber leider nicht ausreichend", gibt Bilke zu.

Als ein ähnliches Eingeständnis lässt sich die Pressemitteilung deuten, die die ARD SPIEGEL ONLINE zu diesem Thema übermittelte: "Die Zugriffe auf die Livestream-Angebote der WM-Fernsehsender übertreffen in Deutschland, aber auch in Europa, alle bisherigen Rekorde um ein Vielfaches", erklärte man dort. Immerhin 150.000 Streams habe die ARD beim Vorrundenspiel Niederlande gegen Dänemark über sportschau.de parallel an die Nutzer ausgeliefert. Das seien dreimal so viele Livestreams wie zu Spitzenzeiten der Europameisterschaft 2008, verkündet die ARD stolz. Wie groß die Zahl der enttäuschten Fans beim ersten WM-Spiel war, die sich vergeblich um ein Videobild bemühten, behält man aber für sich.

Seitdem habe man allerdings mehr Bandbreite in Europa aktivieren lassen, "so dass mittlerweile das Livestreaming in der Regel funktioniert". Schuld an den Videoproblemen sei aber nicht nur die ARD, auch die Internetprovider der Endnutzer seien durch das große Anfrage-Aufkommen stark ausgelastet.

Infrastruktur-Anbietern bestätigen diese Aussage nicht: Sie stellen keine ungewöhnlich hohe Bandbreiten-Belastung durch Livestreams der Anstalten zu Zeiten der Spiele fest. Der Anteil der Spielübertragungen am Streamvolumen dürfte tatsächlich in der Masse verschwinden: Verglichen mit den Datenvolumina, die über Streaming-Portale, Filehoster, Videodienste wie YouTube oder P2P-Börsen laufen, dürften die Abrufzahlen der Öffentlich-Rechtlichen bei den Providern als Peanuts verbucht werden. 150.000 Parallelstreams sind für viele kommerzielle Anbieter business as usual.

Schuld sind nicht nur die Sender

Etwas detaillierter ging Wolfgang Schreiner, der Online-Technik-Chef des Bayrischen Rundfunks, auf die externen Probleme ein. Er erklärte im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk, dass Ausfallursachen auch beim sogenannten "Content Delivery Network" (CDN) liegen können. Dabei handelt es sich um Netzwerk-Dienstleister, die eigene Servernetzwerke anbieten, um die hohe Zugriffslast auf große Internet-Portale besser abfedern zu können.

Vereinfacht handelt es sich dabei um ein Netzwerk aus weltweit verteilten Servern, die besonders oft nachgefragte Inhalte - zum Beispiel Livestream-Bilder - zwischenspeichern, damit nicht alle Anfragen auf einem einzelnen Anbieter-Server auflaufen - ein klassische Proxy-Struktur.

Solche CDNs bedienen oft eine große Zahl an Kunden und haben ihre Rechenzentren über die Welt verteilt. Der Anbieter des Bayrischen Rundfunks etwa habe Rechenzentren in Paris, London und den USA, sagt Schreiner. Deshalb könne auch eine hohe Netzlast in England dazu führen, dass die Übertragung von Livestreams vom BR in Deutschland schlecht oder gar nicht funktioniere. Überhaupt werde das bei der nächsten WM wieder so sein, so die düstere Vorausschau von Schreiner auf 2014.

Nadine Bilke vom ZDF bemüht weniger externe Faktoren: "Sicher gibt es bei solchen Übertragungen mehrere Flaschenhälse, aber wir wollen die Schuld auch nicht auf andere schieben." Man habe das falsch eingeschätzt. "Aber wir bemühen uns natürlich, dass das nicht noch einmal passiert. Letzten Freitag hatten wir das Problem am Ende des Spiels wieder in den Griff bekommen."

Mittlerweile dürften die Kapazitäten tatsächlich ausreichend ausgebaut sein, zumal die Konstellation der höchsten Nachfrage - ein Nachmittagsspiel der Nationalelf an einem Wochentag - ohnehin nicht mehr ansteht. Alle übrigen Deutschland-Spiele werden die meisten wohl vor einem Fernseher oder einer Leinwand verfolgen. Man darf also verhalten optimistisch sein, dass die vielbeschworene "erste Reihe" von ARD und ZDF auch im Internet wieder einen guten Blick aufs WM-Geschehen verheißt.

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
takeo_ischi 22.06.2010
1. unGEZeigt...
Zitat von sysopJeder zweite deutsche Internetnutzer sieht online fern - oder würde das tun, wenn er könnte: Die Livestreams von ARD und ZDF sorgten in den vergangenen zwei Wochen häufig für Frust bei den Nutzern. SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt, was schiefgelaufen ist - und ob es in Zukunft besser wird. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,702035,00.html
Das war schon sehr, sehr ärgerlich gegen Serbien. Und auch peinlich für die Anstalt. Als artiger Gebührenzahler fühlt man sich da schon betrogen und verarscht. Wenigstens hat der Liveticker von SPON durchgehalten...
urbansonnet 22.06.2010
2. ?!
Hm. Also bei mir sind die Livestreams bis jetzt immer problemlos gelaufen. Außer bei RTL, da hats öfters mal geruckelt. Aber die paar Minuten verpasstes Spiel sind jetzt auch nicht der Untergang der Welt. Ich find die Livestreams jedenfalls generell super. Auch wenn's manchmal nur semi-optimal klappt. Besser als nix.
Eldani, 22.06.2010
3. Titel
ich als "nutzen-woller" fühl mich nicht verarscht, nein, ich _werde_ verarscht. Fleissig GEZ einsacken, dafür aber mangelhafte Leistung.
cyn 22.06.2010
4. Das Internet ist kein Broadcast Medium.
Wie? Kapazitätsmangel? Passiert doch beim Fernsehen auch nie. Richtig! Beim Fernsehen strahlt eine Antenne in alle Richtungen und jeder der will kann empfangen. Das Internet überträgt die Daten direkt zwischen dem Anbieter und dem Kunden. Das erfordert bei 100.000 Kunden die 100.000 fache Übertragungsrate. Und ermöglich gleichzeitig sehr einfach ein Bezahlmodell, bei dem nur die tatsächlichen Nutzer bezahlen. Warum also GEZ auf Internet Geräte? Und nun nutzt ein kleiner Bruchteil der Gebührenzahler das Angebot und schwupps bricht es zusammen. Gibts da schon ein Urteil, ob sowas überhaupt rechtmäßig ist?
granzert 22.06.2010
5. Kein Problem...
Einfach www.eurovisionsports.tv anklicken...bei channels 13-24 ORF auswählen (wenn man einen deutschen Kommentar braucht) ansonsten einfach anschauen ohne Gesabbel... Granzert
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