Weltraumgetwitter: Ansichten von einem aus dem All

Ron Garan hat die wohl beste Aussicht im Sonnensystem: Seit April lebt und arbeitet er auf der Internationalen Raumstation ISS. Von dem was er dort erlebt und sieht, berichtet er auf eine bisher noch seltene Weise - per Twitter.

Schöne Aussichten: Astronaut twittert Bilder aus dem All Fotos
Ron Garan/ NASA

Von ganz oben sehen die Blitze über dem Atlantik aus, als zöge sich ein leuchtendes Spinnennetz durch Wolken und schwarzblaues Meer. Ein Anblick, den eigentlich nur die sechs Astro- und Kosmonauten sehen, die seit April 2011 als Langzeitbesatzung auf der Internationalen Raumstation (ISS) leben. Doch einer von ihnen teilt diese Sicht mit den Menschen am Erdboden.

Der Amerikaner Ron Garan ist nicht nur Bordingenieur, sondern auch Hobbyfotograf und vor allem Twitter-Fan. Fast täglich schickt er als @Astro_Ron mit dem Hashtag #FromSpace Bilder aus 400 Kilometern Höhe in die Kanäle des Kurznachrichtendienstes. 344 sind es seit dem Beginn seiner Mission im April bereits geworden: Die Kollegen beim Spaziergang im All, Garan selbst im Kreise von Weltraumrobotern oder einer von 16 Sonnenuntergängen, die die Weltraumarbeiter innerhalb von 24 Stunden erleben. Aufsehen erregte das Bild einer Sternschnuppe, die für den 49-Jährigen zum Greifen nah scheint.

Was aussieht wie Science-Fiction-Motive, ist die tägliche Aussicht von der ISS, die in einer Umlaufbahn die Erde etwa alle eineinhalb Stunden umrundet. Über 66.000 Follower hat Garan damit bei Twitter angezogen. Aber auch er selbst zeigt sich beeindruckt vom Weltall und der Perspektive auf die Erde. "Wir haben wirklich eine wunderschöne zerbrechliche Oase", schreibt er zu einem Foto, auf dem sich die Karibik unter einem Wolkenschleier erahnen lässt.

Der Astronaut Garan ist mitnichten der erste Twitterer an Bord der Raumstation. Sein Kollege Timothy Creamer hat Anfang 2010 den ersten Tweet aus dem All abgesetzt. Erst kurz zuvor hatte die ISS einen direkten Internetzugang bekommen. Seitdem gehört es zum guten Ton für @Astro_Sandy, @Astro_Clay, @Astro_Cady oder @Astro_Satoshi die Welt unter ihnen an den Missionen in der Umlaufbahn teilhaben zu lassen.

Garan ist auch nicht der erste, der beeindruckende Bilder schießt. Bereits sein Kollege, der italienische Astronaut Paolo Nespoli (@astro_paolo), hatte Hunderte Fotos von der Raumstation mitgebracht und mit festem Boden unter den Füßen bei Flickr hochgeladen. Dennoch ist Ron Garan ein Vorreiter in der Verbindung von sozialem Netzwerk und ISS. Mit ihm konnten Twitterer den ersten Hashtag-Chat der Geschichte zwischen Weltraum und Computerzimmer zuhause führen.

Er beantwortete Fragen zu seiner Unterbringung. "Wenn ich etwas an meiner Kabine ändern könnte, hätte ich gern ein Fenster." Zu möglichen Gefahrensituationen - "Sojus ist unser Rettungsboot" - und wie er eigentlich aus dem All twittern kann. "Immer wenn wir gute Satellitenabdeckung haben, kann ich einen Computer in Houston fernsteuern."

Bis zu seinem für September geplanten Rückflug zur Erde will Garan mit seinen Space-Tweets weitermachen. Danach muss er wieder ganz normal und erdverbunden twittern.

isb

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Twitter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
Interaktive Grafik

Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
Dienste von SPIEGEL ONLINE

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.