Western Union Betrugsopfer können Geld länger zurückfordern

Regelmäßig haben Kriminelle Western Union für ihre Betrugsmaschen genutzt. Jetzt rät die Polizei Betroffenen zum Handeln: Das Unternehmen stellt Hunderte Millionen Euro für Entschädigungen bereit.

Büro von Western Union
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Büro von Western Union


Betrugsopfer, die Geld durch Bargeldtransfers via Western Union verloren haben, bekommen mehr Zeit, um ihren Schaden anzumelden. Die Frist wurde bis zum 31. Mai 2018 verlängert, meldet die Polizei Niedersachsen auf ihrer Website. Ursprünglich sollten Geschädigte ihre Ansprüche bis spätestens zum 12. Februar auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage anmelden.

Der Hintergrund: Bargeldtransfer-Dienste wie Western Union wurden in den vergangenen Jahren auch in Deutschland immer wieder von Kriminellen missbraucht, um anonym zu bleiben. Mit Lügengeschichten veranlassten Betrüger ihre Opfer zu Geldzahlungen.

Beispielsweise wurde den Betroffenen am Telefon oder in E-Mails vorgespielt, sie hätten ein Auto oder einen Geldpreis gewonnen und müssten eine Steuer oder Verwaltungsgebühr entrichten, um an den vermeintlichen Gewinn zu kommen. Eine andere Masche ist es, mit den Opfern über Dating-Portale ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, um sie dann, nach Tagen, Wochen oder Monaten, um finanzielle Unterstützung zu bitten.

Es gilt zu handeln

Die Behörden in den USA einigten sich mit dem Anbieter Western Union nun auf eine Entschädigung. Geld, das zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 19. Januar 2017 über Western Union an Betrüger gesendet wurde, kann von den Betrugsopfern demnach zurückgefordert werden.

Für die Entschädigung stehen insgesamt rund 586 Millionen Dollar, das sind umgerechnet 470 Millionen Euro, zur Verfügung. Nach Prüfung eines jeden Falls sollen die Betrogenen die Schadenssumme zurückerhalten.

Der Polizei Niedersachsen zufolge soll Geschädigten, die bereits Ansprüche geltend gemacht haben, von der Kanzlei Gilardi & Co. LLC ein bereits teilweise ausgefülltes Antragsformular zugeschickt werden. Wer bisher noch keine Ansprüche geltend gemacht hat, sich aber als Betrugsopfer eines Bargeldtransfers via Western Union sieht, soll diese nun anmelden, rät die Polizei.

Ansprüche können auch schriftlich per Post angemeldet werden. Dazu müssen Betroffene auf der Homepage von Western Union ein Formular ausdrucken, dieses ausfüllen und an eine Postfachadresse in den USA schicken. Das US-Justizministerium prüft dann jeden Anspruch einzeln. Unter Umständen kann das aber länger als ein Jahr dauern.

mak/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
c.PAF 06.02.2018
1.
Wie absurd ist das denn? Wenn ich mit dem Auto zum Wandern fahre und auf einem Wanderparkplatz überfallen und beraubt werde, wen verklage ich dann? Den Betreiber des Parkplatzes, den Autohersteller oder das Straßenbauamt?
SanchosPanza 06.02.2018
2. Geld “zurückfordern“
Das Geld “zurückfordern“, wie soll das gehen? Das haben die Betrüger und nicht Western Union. Wieder mal so ein Wahnsinn des amerikanischen Justizsystems.
Harry1 06.02.2018
3. Dieselgate läßt grüßen
Western Union wohl eher Mißbrauchsopfer und nicht wirklich beteiligt! Ich wurde von VW direkt beschissen - ich muss also von wem Geld fordern? Wer hilft mir? Wo ist das Verbraucherschutzministerium?
bluebill 06.02.2018
4. Alter Hut
Wenn irgendwo Western Union als Bezahlart auftaucht, ist das Geschäft ganz sicher unseriös. Das weiß inzwischen jeder. Egal ob es Immobilienangebote, Onlineshops oder angebliche Gewinne betrifft. - Offenbar kann jeder sich dort ganz anonym und ohne Ansehen der Person Geld schicken lassen. Ohne (tatsächliche) Adresse und unter falschem Namen. Wenn das Unternehmen Western Union sich auf ein solches Geschäftsmodell einlässt, dann ist auch von vorne herein klar, dass dem Betrug dabei Tür und Tor geöffnet werden. Insofern hält mein Mitleid sich in Grenzen.
Hardisch 06.02.2018
5. Schuldfrage
Also nicht jede Geldüberweisung nach Afrika per WU ist per se Betrug. Letzten Endes ist es eine Sache zwischen zwei Leuten: jemand bittet um Geld, ich kann selbst entscheiden, ob ich darauf eingehe oder nicht. Wer so naiv ist und auf jede aufgetischte Story reinfällt und an Unbekannte Geld schickt, trägt eine Mitschuld an seinem Verlust. Ich schicke nur Geld an Leute, die ich persönlich kenne und wo ich weiss, dass das Geld für den angegebenen Zweck ausgegeben wird, was ich regelmäßig überprüfe. Vielleicht macht es einfach manchmal Sinn, seinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen!
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