Wetterprognose im Web Schirmalarm per SMS

Schlechtes Wetter, gute Seiten: Die Deutschen interessieren sich brennend fürs Wetter - auch wenn sie gerade im Internet surfen. Doch tolle Online-Wettervorhersagen gibt's in Deutschland nicht. Von japanischen und US-Angeboten sind hiesige Wetterangebote noch weit entfernt.


Das Wetter. Quell unzähliger Bäckereigespräche, Begleiter von Trübsal und Freude, geliebter Sündenbock und goldene Ausrede. Das Wetter, ein Herzensthema. Nur nicht im Web.

Onlinewetter ist den Deutschen wichtiger als Porno und Sex. Nicht anders lassen sich die Statistiken zur Schlagwort-Suche bei Google interpretieren: In Deutschland suchen Surfer häufiger nach dem Begriff "Wetter" als nach "Porno" und "Sex", zeigt Googles Statistik zu Suchanfragen Insights.

Gewitterwolken: US-Seiten geben Nutzern auf Wunsch morgens Schirmalarm per SMS
DPA

Gewitterwolken: US-Seiten geben Nutzern auf Wunsch morgens Schirmalarm per SMS

Wetter.de und Wetter.com stehen mit Platz 33 und 35 weit vorne in den Alexa-Charts der - zumindest laut Alexa - wichtigsten deutschen Websites, im Jahr 2008 war das meistgesuchte Stichwort bei Yahoo! - natürlich - Wetter und auch in der Web- Schwatzbude Twitter kreist viel Smalltalk um das Wetter.

Gemessen an dieser Bedeutung und den Angeboten im Ausland sind die deutschen Spezialseiten mit Online-Wettervorhersagen aber mau.

Es fehlen Onlinetools, die Fragen zuverlässig beantworten. Fragen wie: Muss ich heute auf dieser Strecke Regenzeug einpacken, habe ich auf dem Fahrrad Gegenwind? Wer das wissen will, studiert vielleicht das Wetterradar auf dem iPhone, deutet Druckunterschiede, analysiert Satellitendaten. Was fehlt, ist ein Dienst, der funktioniert wie Umbrella Today.

Heute Schirm mitnehmen? Ja oder nein?

Umbrella Today zeigt, wie effektiv eine Online-Wettervorhersage sein kann. Der Webdienst beantwortet nur eine einfache Frage: Brauche ich heute einen Regenschirm? Gibt der Surfer seinen momentanen Aufenthaltsort ein, spuckt der Webdienst eine einfache Antwort aus: Nein oder ja. Man kann auch seine Handynummer angeben, und sich zu einer Wunschuhrzeit per SMS an Tagen benachrichtigen lassen, an denen man morgens besser doch den Regenschirm einpacken sollte.

Wer mehr darüber wissen will, wie weit Wetter-Spezialseiten im Ausland vorangeschritten sind, sollte Seiten wie intellicast.com und weathernews.jp ausprobieren. Diese Dienste versuchen, mit komplexen Methoden einfache Antworten auf einfache Fragen zu geben. Im Mittelpunkt steht, was der Nutzer wirklich wissen will, wenn er eine Wetterkarte anschaut: Wo kriege ich am meisten Sonne ab, ohne mich zu verbrennen, wo ist der Himmel am klarsten, lohnt sich heute eine komplizierte Fönfrisur?

Diese zentralen Fragen können regional freilich sehr unterschiedlich ausfallen. So bietet weathernews.jp nicht nur die Wetter-Standards, sondern auch eher ungewohnte Dienste wie Tsunami- und Typhoonwarnungen und Vorhersage, wie weit die Kirschblüte bereits vorangeschritten ist.

Warnung vor "Bad Hair"-Wetter

Der Dienst glänzt aber vor allem im Detail: Wassertemperaturen werden bei weathernews.jp für jeden verständlich je nach Wassertiefe angegeben und Golfspieler erfahren alles über das aktuelle und zukünftige Wetter auf ihrem Lieblingsplatz. Das alles ist schnell, übersichtlich und leicht zu bedienen und bietet mit vielen Live-Webcams und Blogs Möglichkeiten zum Mitmischen.

Weit weniger hübsch, dafür vollgepfropft mit Möglichkeiten, ist der US-amerikanische Wetterdienst Intellicast. Der zeigt das "Bad-Hair"-Wetter an, kennt Wellengang, Benzinpreise, Flugzeugverspätungen, Verkehrsbedingungen, wetterbedingte Wohlfühlfaktoren wie Föhn, den Grippereport, Gefahrenzonen für Menschen mit Atemwegsproblemen. Wetter für Fortgeschrittene gibt's dann noch bei accuweather.com.

Das könnte daran liegen, dass es Wetterdaten in den Vereinigten Staaten oft sogar umsonst gibt. Wer programmieren kann, strickt sich ganz einfach seinen eigenen Wetterdienst, zum Beispiel mit den Live-Daten der 8000 Weatherbug-Messstationen.

Mit einer Veröffentlichung dieser Daten könnten auch in Deutschland Hobbyprogrammierer das Potential der Wetterdaten auskundschaften - und in einem gemeinschaftlichen Riesenbrainstorming das Smalltalk Thema Wetter transzendieren. Doch das liegt in weiter Ferne. Die nächste Wetterrevolution passt in eine Handfläche: Dank Kompass, GPS und Datenverbindung wird das iPhone bald seine Nutzer warnen können: Bis hier und nicht weiter, aus dieser Richtung kommt Regen. Spannend ist anders - aber wann war das Thema Wetter schon spannend?



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