Rätsel-Kettenbrief Darum gibt es jetzt so viele Weihnachtsmänner auf WhatsApp

Einige Ihrer WhatsApp-Kontakte haben plötzlich einen Weihnachtsmann als Avatar? Dahinter steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rätsel, über das man sich wunderbar aufregen kann.

Instagram-Story von Webstar Julienco
Instagram/ julienco_

Instagram-Story von Webstar Julienco

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Die Welt von WhatsApp ist nur einen App-Wechsel entfernt - manchen Twitter-Nutzern jedoch ist sie in diesen Novembertagen ein Rätsel. "Mein Vater hat als WhatsApp-Bild einen Weihnachtsmann, der dabbt", beschwert sich zum Beispiel eine Twitter-Nutzerin. "Will mich jemand adoptieren?"

Andere Twitter-Nutzer wirken ähnlich konsterniert oder überrascht über auf WhatsApp gesichtete Rauschebart-Profilbilder. Ihre Postings drehen sich mal um die eigenen Eltern oder die Schwiegermutter, mal um Arbeitskollegen.

"WhatsApp ist voll von dabbenden Weihnachtsmann-Avataren", fasst ein Nutzer seine Freundesliste zusammen. "Einmal neues Umfeld zum Mitnehmen, bitte!"

Ein deutscher Webstar verbreitet das Rätsel mit

Wer wissen will, was hinter dem Phänomen steckt, braucht je Freundes- und Verwandtenkreis gar nicht viel zu recherchieren: Im Zweifel hat einem ein Kollege oder ein Familienmitglied längst den WhatsApp-Kettenbrief weitergeleitet, der die Flut an Weihnachtsmännern zu verantworten hat - das "Du kommst in ein Zimmer"-Weihnachtsrätsel.

Diesem Rätsel kann man dieser Tage sogar jenseits von WhatsApp begegnen, auch als jüngerer Mensch: Der deutsche Webstar Julienco etwa, dessen Frau Bibi kürzlich ein Baby bekommen hat, teilte es Sonntagabend per Instagram-Story mit seinen 4,7 Millionen vorwiegend jüngeren Abonnenten.

Die Runde macht das Rätsel folgendermaßen (der prominente Tippfehler gehört dazu):

Wer gerade freiwillig einen Weihnachtsmann als WhatsApp-Profilbild nutzt (was urheberrechtlich nicht unbedenklich ist, siehe Ergänzung am Artikel-Ende), hat also vermutlich dieses Rätsel geschickt bekommen und es falsch gelöst - oder ihm oder ihr wurde zumindest eingeredet, die eigene Lösung sei falsch.

Die Giraffe lässt grüßen

Denn was bei diesem Rätsel wirklich herauskommt oder nicht, wird im Prinzip schon seit Jahren ohne klaren Konsens im Netz debattiert. Das vermeintliche Weihnachtsrätsel hat nämlich einen Vorgänger, der ähnlich klingt und im Jahr 2013 ebenfalls auf WhatsApp viral ging: das sogenannte Giraffenrätsel.

Dieses Rätsel, das damals zu zahlreichen Giraffen-Profilbildern führte, lautete: "Frage: Du kommst ins Zimmer. Auf dem Bett liegen 2 Hunde, 4 Katzen, eine Giraffe. Und 5 Nilpferde stehen da auch herum. 3 Hühner fliegen umher und außerdem eine kleine Ente. So: Wie viele Füße stehen im Zimmer? Wenn du falsch antwortest, musst du 3 Tage lang das Bild der Giraffe bei WhatsApp als Profilbild haben!"

Spoiler-Warnung: Hier wird gleich die Lösung des Rätsels erwähnt!

Beiden Rätsel-Varianten gemein ist, dass sie sehr salopp formuliert sind, was auch daran liegt, dass die ursprüngliche Vorlage aus dem Englischen stammt. Schon die verwendeten Worte werfen Fragen auf: "Steht" man zum Beispiel selbst im Zimmer, wenn man erst hineinkommt? Und was ist gemeint mit "stehen da auch herum"? Im Zimmer oder auf dem Bett?

Als angeblich einzig richtige Antwort auf das Weihnachtsrätsel jedenfalls macht folgende Antwort die Runde (auch hier inklusive Fehler): "Richtig sind 8 Füße. 2 von dir 2 vom Weihnachtsmann und 4 vom Bett. Rentiere und Esel haben Hufe. Jetzt muss du das Bild vom Weihnachtsmann bei WhatsApp als Profilbild einstellen für 3 tage. Und wenn du das mit deinen Freunden machst wirst du bald in deinen kontakten nur noch Weihnachtsmänner sehen. Sei kein Spielverderber."

Auf genau diese Auflösung scheint sich kaum jemand spontan festzulegen - das dokumentieren all die Weihnachtsmann-Profilbilder auf WhatsApp. Diskussionen im Netz zeigen aber auch, dass das Rätsel viele Menschen aufregt.

So ärgern sich viele, die darüber nachgedacht haben, darüber, dass die Füße des Bettes mitzählen, obwohl "Bettfuß" nicht gerade ein gängiger Begriff ist. Außerdem hat ja nun nicht jedes Bett überhaupt Füße, und es sind auch nicht zwangsläufig immer vier.

Ein "Scheißspiel"?

Auch Webstar Julienco spricht in seiner Instagram-Story von einem "richtigen Scheißspiel" und filmt sogar sein Boxspringbett, um zu beweisen, dass es keine Füße hat. Danach jedoch tut er, was auch viele andere Menschen tun, die sich mit dem Weihnachtsrätsel beschäftigt haben: Er leitet es weiter, indem er es seinen Millionen Abonnenten präsentiert, von denen es vermutlich wiederum Tausende selbst weiterschicken werden.

Ein durch und durch eindeutiges Rätsel würde unterm Strich also wohl viel weniger Spuren in der Netzwelt hinterlassen - einfach, weil die Diskussionen über seine Uneindeutigkeit fehlen. Das Weihnachtsrätsel funktioniert im Netz, weil es eigentlich nicht gut funktioniert.

Das Rätsel funktioniert aber auch noch, weil es durch die Profilbild-Wechselaktion eine sympathisch-menschliche Ebene hat. Denn wer plötzlich den Weihnachtsmann als WhatsApp-Avatar hat, macht nicht nur seine Freunde neugierig, was dahinter steckt, sondern er signalisiert ihnen auch noch etwas: Ich kann über mich lachen, ich habe bei einem blöden Rätsel versagt und bin bereit, die Gaga-Konsequenzen zu tragen. Nehmt euch doch auch alle nicht so ernst!

Auf Twitter mag so eine Haltung weniger verbreitet sein.


Update, 17 Uhr: Einige Leser berichten uns, dass rund um das Rätsel ein weiterer Kettenbrief im Umlauf sei. Darin werde anonym und erneut samt Fehlern gewarnt, dass es sich um eine Abzockmasche handele. "Entfernt das Nikolaus-Profibild", heißt es auf einem Screenshot, der uns vorliegt. "Das Bild ist urheberrechtlich geschützt ist anscheinend eine Masche um Geld zu kassieren."

Ob es sich tatsächlich um eine Betrugsmasche handelt, ist bislang unklar. Grundsätzlich gilt aber: Bilder, an denen man keine Rechte hat, sollte man nicht als WhatsApp-Profilbild nutzen. Erst recht nicht, wenn die Sichtbarkeit des Profilbilds auf "Jeder" eingestellt ist. Wollen Sie also unbedingt einen Weihnachtsmann als Avatar, aber auf keinen Fall eine Abmahnung bekommen, verwenden Sie sicherheitshalber am besten ein selbst gemachtes Foto (etwa von einem Schokoweihnachtsmann) oder ein selbst gezeichnetes Bild. Das ist ohnehin origineller.

Leseraufruf: Und was läuft so in Ihrer WhatsApp-Gruppe?
  • DPA
    Leser-Aufruf zum Thema WhatsApp-Gruppen: Haben Sie eine Chatgruppe für die Familie oder den Kollegenkreis? Wir freuen uns für künftige Artikel über lustige Anekdoten aus Ihrer Gruppe. Welche Spiele oder Kettenbriefe finden Sie lustig oder unerträglich? Was nervt sie an den Gruppen, was für schräge Dinge sind dort schon passiert? Melden Sie sich gern per Mail beim Netzwelt-Ressort, über netzwelt@spiegel.de. Als Betreff verwenden Sie bitte "WhatsApp-Erlebnisse".
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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
felisconcolor 26.11.2018
1. Wenn ich
das jetzt richtig sehe gibt es in Deutschland fast nur Weihnachtsmänner*innen. Das erklärt eigentlich alles.
hinschauen 26.11.2018
2.
Nach gefühlt 100 Zeilen begreife ich langsam, das es gar nicht um Weihnachtsmänner, sondern um Giraffen-Kettenbriefe mit prominenten Tippfehlern geht, die nicht-prominente Internetstars nicht lösen können. Da sage ich: Lieber Autor, wer ist hier eigentlich der Weihnachtsmann. Anders gesagt: Dabbts noch?
heidelbeere0815 26.11.2018
3. Gut
Gut, dass ich kein WA hab. Leider habe ich jetzt meine Zeit beim lesen dieses Artikels verschwendet.
lauterbachheiner 26.11.2018
4. Boykott! Verdammte Zeitdiebe!
Diesen Nerv kann man nur boykottieren! Also nicht weiter leiten! Aber was interessiert das die Leute... HILFE! Wobei eigentlich klar sein dürfte dass es mit Sicherheit nur zwei Füße sein können. Die Tiere haben keine Füße. Das Bett? unklar. Achtung Spoiler! Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Bleiben nur die eigenen, so man denn zwei hat, und selbst gibt es ja Streit... ;-) und auch wenn man sich nur aufregt haben die einem Zeit gestohlen... HILFE!
GoaSkin 26.11.2018
5.
Wenn sich die Leute über digitalen Pixelsalat genau freuen, wie für die echten Dinge des Lebens, braucht man ja den Leuten keine guten Gehälter mehr zu bezahlen und stattdessen nur noch virtuelle Boni zur Anerkennung.
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