Verändertes Nutzerverhalten Facebook sorgt sich um seine Geldmaschine

Was kommt nach dem News Feed? Diese Frage stellt sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg, weil Nutzer mehr im kleinen Kreis kommunizieren statt in aller Öffentlichkeit. Der Konzern muss deswegen sein Geschäft umbauen.

Fernsehbildschirm in der New Yorker Börse
AFP

Fernsehbildschirm in der New Yorker Börse


Dem Werbegeschäft von Facebook steht ein Umbruch bevor, der die jahrelang auf Hochtouren laufende Geldmaschine des Online-Netzwerks abbremsen wird. Die Mitglieder teilten ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt im News Feed, der bisher das Herzstück der Facebook-Nutzung war, wie Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag erläuterte.

Facebook muss deswegen sein Geschäft umbauen. Der News Feed bietet viel Platz für Anzeigen - und das Unternehmen macht damit Milliardengewinne. Was jedoch Werbung in den neuen Formaten angeht, steht Facebook erst am Anfang und muss sich unter anderem bei Anzeigenpreisen noch durchtasten. "Das ist eine Reise, die Jahre und nicht Quartale dauern wird", sagte Finanzchef Dave Wehner.

WhatsApp und Werbung vertragen sich nicht gut

Zu den neuen Formaten gehören neben WhatsApp-Chats zum Beispiel die sogenannten "Stories". Mit denen stellen Nutzer des Facebook-Messengers sowie Instagram ihre Fotos und Videos zu Minigeschichten zusammen und veröffentlichen sie typischerweise für einen Tag und nur für ausgewählte Freunde. "In nicht allzu ferner Zukunft werden die Leute mehr in Stories als in Feeds teilen", prognostizierte Zuckerberg.

Das Problem für Facebook: WhatsApp und Instagram mögen beliebter sein denn je und den leichten Rückgang von Facebook-Nutzern in den längst gesättigten Ländern wettmachen. Aber die beiden teuer erkauften Tochterunternehmen verdienen vergleichsweise wenig Geld.

Insbesondere WhatsApp eignet sich nicht als Plattform für zielgerichtete Anzeigen, weil alle Chats so verschlüsselt sind, dass auch die Betreiber nicht sehen können, wofür sich die Nutzer interessieren. Sticker und kostenpflichtige Dienste für Unternehmen sollen künftig Gewinn bringen, aber damit allein ließe sich ein nachlassendes Kerngeschäft wie die Anzeigenplatzierung im News Feed von Facebook nicht kompensieren.

Skandale und Fehler beunruhigen die Anleger offenbar wenig

Facebook durchlebte bereits einen ähnlichen Umbruch, als Nutzer vom PC auf Smartphones wechselten. Damals hatte das Unternehmen zunächst kein passendes Geschäftsmodell und Anleger zweifelten an den Zukunftsaussichten.

Doch die News-Feed-Anzeigen als Lösung für das Problem erwiesen sich als eine Goldgrube. Zuckerberg und Geschäftsführerin Sheryl Sandberg erinnerten jetzt daran, um besorgte Investoren zu beruhigen. Das klappte ganz gut: Die Aktie, die nach Zuckerbergs Warnungen erst fast vier Prozent verlor, startete am Mittwoch mit einem Plus von rund sechs Prozent in den regulären Handel.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Facebook spätestens seit Bekanntwerden des Skandals um trickreich eingesammelte und durch die dubios agierende Analysefirma Cambridge Analytica verwertete Nutzerdaten unter verschärfter Beobachtung und andauernd in der Kritik steht. Ungebremster Hass im sozialen Netzwerk, die versuchte Beeinflussung von Wählern durch russische und iranische Kampagnen, gezielte Aufstachelung der Bevölkerung durch Politiker, 30 Millionen gehackte Nutzerkonten - all das stellt das Unternehmen vor gewaltige Probleme.

So sehr, dass Zuckerberg auch für 2019 deutlich steigende Ausgaben für Gegenmaßnahmen ankündigte und selbst Facebook-Manager sich fragen, ob soziale Netzwerke der Demokratie mittlerweile mehr schaden als nützen. Nur hat bisher nichts davon dauerhaften negativen Einfluss auf Facebooks Börsenwert.

pbe/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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reifenexperte 31.10.2018
1. Datenhandel
Wo versteckt Facebook die Erträge aus dem in Europa illegalen Datenhandel? Der Skandal ist, dass deutsche Behörden auf diesen Seiten präsent sind und damit deren kriminelle Machenschaften unterstützen. Sogar die Polizeien.
mistermoe 31.10.2018
2. Problem mit News Feed
Das Problem das User verstärkt den News Feed meiden ist in aller erster Linie durch Facebook hausgemacht. Hauptsächlich kommen dabei zwei Faktoren zur Geltung: 1. Facebook hat ignoriert (und tut es immer noch) das die Mehrzahl der Nutzer nicht die sogenannten Top Stories (oder das was FB dafür hält) zuerst sehen will, sondern eher das was kürzlich passiert ist, also die neusten Sachen. Kein Mensch will permanent einen Post sehn der schon 1 Woche alt ist, nur weil den jemand "geliket" hat. 2. Der Algorithmus von Facebook sorgt Facebook dafür das die Bandbreite dessen was der User in seinem Feed sieht permanent kleiner wird und anstatt Posts von allen Freunden eben nur ein paar ausgewählte Nachrichten bestimmter Personen / Vereine / Medien angezeigt werden, so das es schlussendlich in einer Art Gated Community endet. An diesen beiden Stellen müsste Facebook dringend nacharbeiten, ansonsten wird sich das News Feed Konzept über kurz oder lang anschaffen, einfach weil nur noch Müll angezeigt wird, während die Interessanten Sachen dann eben den entsprechenden Personen per WhatsApp oder Messenger oder ähnliches mitgeteilt wird.
Tyrion Lannister 31.10.2018
3. Nö!
Facebook bzw. Zuckerberg kann sich drehen und wenden wie es will - die Plattform selbst wird in spätestens 10-15 Jahren kaum noch Nutzer haben. Das durchschnittliche Alter der Nutzer steigt seit Jahren kontinuierlich an, die nachwachsenden (jugendlichen) Nutzer hingegen aus oder gar nicht erst ein. Exakt so fing es auch mit den lokalen Plattformen wie Wkw etc. an - und irgendwann hat man die dann eingestellt. Zuckerberg täte also jenseits von News-Feeds etc. gut daran, ein weiteres Standbein zu entwicklen - von Whatsapp allein kann der Konzern nicht leben.
lindatreder 31.10.2018
4. Kein Wunder
Ich mochte Facebook immer, weil es mir vereinfacht wurde, auch mit Freunden aus dem Ausland in Kontakt zu bleiben und auf dem Laufenden zu bleiben. Es gab mal eine Zeit, da hat man ihre Postings über den Newsfeed mitbekommen. Jetzt finde ich da eigentlich nur noch eines vor: Werbung. Die Werbung auf Facebook hat leider vor allem anderen die Überhand gewonnen. Für mich relevante Posts finde ich kaum noch. Es reicht oft nicht meinen Freunden zu "folgen", ich muss entweder ihre Seite besuchen, oder gleich einstellen, dass ich benachrichtigt werde, sobald etwas gepostet wird. Was ich bei knapp 100 Mann eigentlich nicht machen möchte. Also was macht man? Wir packen alles in die Whatsapp Stories. Schreiben privat. Ich wünsche mir eine (fast) werbefreie Facebook Alternative, die zeitlich angemessen ist und etwas taugt, in dieser ohnehin schon sehr belebten Welt.
Der Name 31.10.2018
5. @mistermoe
Genau das ist das Problem von facebook. Es ist eine Art 2. YouTube geworden. Ich sehe schon seit Jahren keine News von Freunden oder ähnliches. Es dient allein nur der Unterhaltung: Filmchen, Bildchen,Sprüchchen und propagandachen
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