Verschlüsselte Chats NGOs beklagen Kinderpornografie in WhatsApp-Gruppen

In geschlossenen WhatsApp-Chatgruppen werden Bilder und Filme von Kindesmissbrauch verbreitet, berichten israelische Kinderschützer. Der Fall könnte auch Apple auf den Plan rufen.

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Berichten von der "Financial Times" und "TechCrunch" zufolge hat WhatsApp ein Problem mit Bildern und Videos von Kindesmissbrauch. Die Tageszeitung und das Tech-Portal berichten von Untersuchungen israelischer Kinderschutzorganisationen, wonach es innerhalb der zu Facebook gehörenden Chat-Plattform zahlreiche Chatgruppen gibt, in denen Material verteilt wird, das sexuelle Misshandlungen von Kindern zeigt.

Der Zugang zu den fraglichen Gruppen erfolgt demnach über Drittanbieter-Apps, die WhatsApp-Gruppen nach Kategorien sortiert auflisten. Links in diesen Gruppen sollen neuen Nutzern wiederum den Beitritt zu den Gruppen ermöglichen. Zum Portfolio solcher Apps gehören demnach regelmäßig auch Gruppen mit sogenannten Erwachsenen-Inhalten, also Pornografie.

Das Problem liegt laut "TechCrunch" in der mageren personellen Ausstattung des Facebook-Tochterunternehmens. Zwar hätten Moderatoren wegen der Verschlüsselung von Nachrichten bei WhatsApp keine Möglichkeit, die Inhalte von Chatgruppen einzusehen. Doch hätten eindeutig auf Kindesmissbrauch hindeutende Bezeichnungen wie "child porn xvideos" klare Hinweise geben können. Anders als bei Facebook, wo allein rund 20.000 Mitarbeiter damit befasst seien, Inhalte zu kontrollieren, arbeiten bei WhatsApp demnach nur 300 Personen.

Recherchen israelischer Kinderschutzorganisationen

Auslöser für die Untersuchungen der israelischen Organisationen "Screen Savers" und "Neteivei Reshet" seien Anrufe bei deren Hotlines gewesen, heißt es im Bericht der beiden Organisationen, den "TechCrunch" veröffentlicht hat. Die Anrufer berichteten demnach von WhatsApp-Chatgruppen, in denen Hardcore-Pornografie mit Kindern verbreitet wurde.

Im Bericht der beiden Organisationen heißt es, sie hätten daraufhin wochenlang auf WhatsApp recherchiert, mehrere entsprechende Gruppen beobachtet, sich zu manchen auch selbst Zugang verschafft. Dabei hätten sie zum einen Telefonnummern beteiligter Nutzer gesammelt, zum anderen Screenshots von in den Gruppen angebotenen Inhalten gemacht. Israelischem Recht folgend, übergaben die Organisationen ihre Rechercheergebnisse der israelischen Polizei.

130.000 Accounts in 10 Tagen

An WhatsApp leiteten sie nur ihren Bericht sowie Screenshots weiter. Ein Unternehmenssprecher erklärte "TechCrunch", man habe in den vergangenen zehn Tagen 130.000 Accounts wegen Verstößen gegen WhatsApps-Richtlinien gesperrt.

In einer Stellungnahme von WhatsApp heißt es zudem, man verfolge "eine Nulltoleranz-Politik hinsichtlich Kindesmissbrauchs" und setze unter anderem künstliche Intelligenz ein, um Profilbilder und Bilder zu überprüfen. Zudem sperre man Accounts, die solche Inhalte verbreiten. Es heißt dort aber auch: "Da sowohl App Stores als auch Kommunikations-Apps missbraucht werden, um fragwürdige Inhalte zu verbreiten, müssen Technologiefirmen zusammenarbeiten, um die weitere Verbreitung solchen Materials zu stoppen."

Eine Reaktion könnte WhatsApp, zumindest theoretisch und nicht im erwarteten Sinne, durchaus von Apple drohen, merkt "TechCrunch" an. Der iPhone-Konzern hatte vor Kurzem die Tumblr-App aus seinem App Store für iOS-Geräte verbannt, nachdem auf der Plattform Inhalte entdeckt worden waren, die Kindesmissbrauch zeigen. Noch steht eine Reaktion Apples zu den neuen Vorwürfen gegenüber WhatsApp aus.

mak

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
brocki68 21.12.2018
1. Whats App Gruppen
Die App Tumblr ist noch oder wieder im App Store von Apple eingestellt und der Download scheint zu gehen. Möglich das ich aber diesen Teil des Artikels missverstehe. Ich habe gadacht das die App nicht mehr existiert
der_rookie 21.12.2018
2. Hm
Leider scheinen Schutz von Privatsphäre und Missbrauch derselben zur Verbreitung krimineller Inhalte nicht voneinander zu trennen zu sein. Wo die Balance zwischen beidem zu legen ist muss politisch entschieden werden. Bisher passiert dies nicht. Damit delegiert der Gesetzgeber seine ureigene Aufgabe an Internetriesen aus den USA und unterwirft sich deren Moralvorstellungen. So lange werden nackte Brüste als kritischer als z. B. Holocaustlügen gelten.
calinda.b 21.12.2018
3. Zu spät
Die Katze ist aus dem Sack, die unknackbare Verschlüsselung ist aus dem Stall gelaufen, zu spät die Stalltür _jetzt_ zusperren zu wollen. Außerdem ist die bloße Überschrift eines Witzboldes etwas dämlich als 'Beweis', da man den Inhalt eh nicht sehen kann. Das ist dann ja wohl als ob ein Bankräuber einen Zettel an den Bankeingang klebt mit: "Bank kurzzeitig geschlossen zwecks Überfall".
c124048 21.12.2018
4.
Zitat von calinda.bDie Katze ist aus dem Sack, die unknackbare Verschlüsselung ist aus dem Stall gelaufen, zu spät die Stalltür _jetzt_ zusperren zu wollen. Außerdem ist die bloße Überschrift eines Witzboldes etwas dämlich als 'Beweis', da man den Inhalt eh nicht sehen kann. Das ist dann ja wohl als ob ein Bankräuber einen Zettel an den Bankeingang klebt mit: "Bank kurzzeitig geschlossen zwecks Überfall".
Darum gehts ja auch nicht. Es geht, wie in der Vergangenheit auch schon, bloss darum, die "Bevölkerung" dahin zu bringen, einer Internettotalüberwachung zuzustimmen. Es wird immer und immer wieder das Thema Kinderpornographie genutzt, da die meisten Menschen dies wohl kaum gutheissen können. Wenn man diese Berichte dann aber genau liest und auf die Formulierungen achtet, kommt man meist recht schnell zu dem Ergebnis, dass dort keinerlei echte Fakten hinterstecken. Wie auch hier. Das Beispiel mit dem "Titel von Chatgruppen" als Beweis ist eins von vielen.
gingermath 21.12.2018
5. Aber bitte nur über den Richter.
Lange genug wurde gefordert, dass Nachrichten in Chatverläufen, nicht von Dritten (bspw. Firma, Beamte, Öffentlichkeit) mitgelesen werden dürfen (analog Postgeheimnis). Jetzt wurde es durchgesetzt, und wieder ist man nicht zufrieden ... tja Freiheit fördert nunmal Kriminalität). Allerdings finde ich diese Umsetzung besser, als in Beispielsweise Deutschland, bei denen die Chatverläufe gerne auch mal ins Netz oder an Zeitungen weitergegeben wird, bevor dies ein Richter oder die Executive zu Sicht bekommen hat. Straftaten sollten verhindert werden, doch sollte dies nur über den Rechtsweg geschehen oder über die Gemeinschaftsstandarts geschehen: Verdacht -> Polizei -> Chatanbieter -> Polizei -> Richter -> Verurteilung u. Sperre oder Verdacht -> Firma -> Sperre /und-> Polizei -> Richter -> Verurteilung In keinem Fall: Verdacht -> Zeitung/Internet -> Polizei usw.
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