Partnerbörsen-Reklame: Plötzlich prominent

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Mitte November entdeckte sich "FannyFranziska" plötzlich auf der Titelseite von Bild.de. Dass sie dort als Werbemodell für eine Partnerbörse landete, gehörte zu den Nebenwirkungen eines Preisausschreibens. Eine kleine Geschichte, die eine Menge darüber sagt, wie wir heute mit dem Web umgehen.

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Anzeige mit echter Person: Wie kommt man eigentlich in die Werbung?

"FannyFranziska"* ist Anfang 30 und war zuletzt allein. Sie tat darauf, was man heute so tut, um das zu ändern: Man tritt einer Partnerbörse bei, um sich potentielle Lebensabschnittsgefährten zuführen zu lassen. Ihre Wahl fiel auf eine der großen, als seriös geltenden Plattformen: FriendScout24, eine Tochterfirma der Telekom.

Alles war ganz einfach. Anmelden, Account eröffnen, Foto und Daten schicken, warten. FannyFranziska, so ihr Pseudonym auf der Partner-Plattform, erzählt gern, wie diese Geschichte dann weiter ging. Sie findet sie lustig: "Das fing mit einer E-Mail an, ob ich gerne 'Sommer-Single 2012' werden wolle. Warum nicht, dachte ich damals."

Es handelte sich um eine Art Preisausschreiben. Zu gewinnen gab es eine einmonatige Premium-Plus-Mitgliedschaft, was erhöhte Chancen auf erfolgreiche Vermittlung versprach. "Da wurde gefragt, ob ich damit einverstanden wäre, wenn mein Bild für werbliche Zwecke eingesetzt würde. Klar, habe ich gedacht."

Sie fand das harmlos. Viele von uns tun das: Wir klicken "ok", wenn wir höflich gefragt werden. Meistens lesen wir noch nicht einmal durch, was man da so genau von uns will.

Kurz darauf teilte ihr FriendScout24 mit, dass sie das große Los gezogen habe: "Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir uns für Sie entschieden haben. Unser Kundenservice wird Sie für einen Monat als Premium-Plus-Mitglied freischalten." Sie war zum Sommer-Single 2012 geadelt worden!

In ihrem Fall führte das nicht dazu, dass sie einen Partner fand. Das gelang ihr stattdessen wenig später ohne jede fremde Hilfe, auf die althergebrachte Weise, ganz offline. Das Kapitel Partnerbörse war damit aber noch nicht beendet für sie.

FannyFranziska: "Mitte November kamen dann Fragen von Freunden und von einer Arbeitskollegin, ob ich wüsste, dass mein Bild auf der Titelseite von Bild.de stand."

So wird man Werbemodell einer Partnerbörse: Man gewinnt so was

Wusste sie nicht, aber es war ja Zeit genug, sich das in Ruhe anzuschauen. Prominent platziert am rechten Seitenrand lächelte sie da aus dem Web, in einer Anzeige von FriendScout24. "FannyFranziska: Sie ist noch zu haben", stand da über sie, den "Single des Tages". Stimmte zu dem Zeitpunkt zwar nicht mehr, aber woher sollte FriendScout24 das wissen?

FannyFranziska lachte Tränen, und wohl nicht allein: Der Link machte die Runde im Betrieb, viele Kolleginnen fanden das lustig und wollten wissen, wie es dazu kam. Andere fanden es seltsam. Die Schlagzeilen kamen und gingen, doch FannyFranziska blieb, den ganzen langen Tag. Sie hat Screenshots davon gemacht, als Souvenir.

Sie findet auch heute nichts dabei, es ist eine Anekdote, wie man sie heutzutage so erlebt. Ziemlich überraschend, aber alles ganz regulär gelaufen, sagt sie. Auch das Unternehmen FriendScout24 bestätigte SPIEGEL ONLINE den geschilderten Ablauf. FannyFranziskas plötzliche Werbeprominenz ist formell nicht zu beanstanden. Dass die Sache einen Haken hatte, wusste sie ja durchaus: Sie hatte ihn schließlich bewusst selbst gesetzt.

Mag sein, dass man genau an diesem Punkt die Grenzlinie ziehen könnte zwischen denen, für die das Web nur ein Werkzeug, eine Spielwiese und ein Kommunikationsraum ist, und denen, die darin auch eine Bedrohung sehen und die Auflösung des Privaten fürchten. Für die einen ist die erzählte Geschichte eine lustige, harmlose Anekdote, für die anderen hingegen ein Alptraum. FannyFranziska sieht das alles locker, weil diese Form, mit dem Web umzugehen, für sie normal ist. Für andere ist gerade dieser lockere Umgang mit dem Internet bedenklich.

Und wie sehen Sie das?

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Harmlos oder bedenklich?

Stellen Sie sich vor, Sie machen beim Preisausschreiben einer Partnervermittlung mit, schicken dafür ein Foto ein, stimmen einer "werblichen Nutzung" zu - und finden sich plötzlich als Werbemodell der Agentur auf einer prominenten Webseite. Wie würden Sie das sehen?

*"FannyFranziskas" Name ist der Redaktion bekannt.

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insgesamt 48 Beiträge
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1.
Atheist_Crusader 14.12.2012
Tja, dumm gelaufen. Wenn man die Leute soweit hat, dass sie ungelesen alles unterschreiben, dann hat man schon gewonnen. Man könnte in jeder End User License Agreement verstecken, dass man den Produzenten sein Haus überschreibt und sein Erstgeborenes opfert, und 99,9% der User würden auf "Zustimmung" klicken. Kein Mensch hat Zeit und Lust, ständig anzuhalten und einen halben Roman an todlangweiligem Juristendeutsch zu lesen, der einem in der Regel a.) nur mitteilt was man nicht darf und b.) sowieso immer gleich klingt. Eine wirkliche Lösung fiele mir da nicht ein. Standardisierte Versionen? Klartext? Leichtere Anfechtbarkeit? Alles nicht so wirklich.
2. .
Stelzi 14.12.2012
Ich gehöre zu den Bedenkenträgern, muss bei der Umfrage aber den ersten Punkt ankreuzen - wenn ich schon so dumm gewesen wäre zuzustimmen, kann ich mich nachher kaum beklagen. Natürlich hätte ich da nicht mitgemacht... Die FannyFranziska wird sich womöglich nochmal wundern wo sie in Zukunft ihr Gesicht noch entdecken wird. Ob sie das dann immer noch lustig findet, müsste man nochmal nachfragen...
3. Wo?
rgom 14.12.2012
Wo ist da jetzt die Story? Sie stimmt Werbung zu, es wird Werbung gemacht mir Ihr. Die sonst in der Werbung abgebildeten Personen sind wohl irgendwelche künstlich erzeugten Clone?
4. .........
janne2109 14.12.2012
selbst Schuld, wer Mann aus Steckdose sucht muss damit rechnen. Geht mit offenen Augen durch die Welt, dann findet sich schon ein Partner, wenn nicht- sind vielleicht die Augen zu geschlossen?? Heute muss ja alles halbfertig sein und angeboten werden , die Pizza zum aufbacken, Telefonnummern gespeichert, Gemüse tiefgefroren und Partnerwillige auf einer Seite zum herauspicken.
5. Shizophrenie
PeterPan95 14.12.2012
Wer das anklickt und sich hinterher ärget, der hat eindeutig was falsch gemacht. Daher leiden ca. 50% der Teilnehmer des Votings wohl an fortgeschrittener Dummheit. Wenn man so etwas nicht will, dann setzt man seinen Haken erst garnicht - und das auch offline. Dass man bei "Preisausschreiben" mit seinen Daten bezahlt, ist wohl hinlänglich bekannt. Wem das egal ist, solls gerne tun - siehe Franziska. Wem es nicht egal ist, der nimmt nicht teil. So weit, so normal. @Atheist_Crusader: Im Prinzip haben Sie Recht, viele ungewöhnliche Artikel in AGB sind daher auch ungültig, zB versteckte Kosten, weil sie nicht den Erwartungen entsprechen und die AGB sowieso nicht jedesmal komplett gelesen werden. Im vorliegenden Fall hat Franziska aber bewusst zugestimmt. Ich finde die Sorglosigkeit auch bedenklich, aber nur die von Franziska. Dem Unternehmen ist ja nun wirklich nichts vorzuwerfen, im Gegenteil. Wenn er es geschafft hat, dass der User weiß, was er "unterschreibt", hat er imho sogar vorbildlich gehandelt.
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