Von Frank Patalong
"FannyFranziska"* ist Anfang 30 und war zuletzt allein. Sie tat darauf, was man heute so tut, um das zu ändern: Man tritt einer Partnerbörse bei, um sich potentielle Lebensabschnittsgefährten zuführen zu lassen. Ihre Wahl fiel auf eine der großen, als seriös geltenden Plattformen: FriendScout24, eine Tochterfirma der Telekom.
Alles war ganz einfach. Anmelden, Account eröffnen, Foto und Daten schicken, warten. FannyFranziska, so ihr Pseudonym auf der Partner-Plattform, erzählt gern, wie diese Geschichte dann weiter ging. Sie findet sie lustig: "Das fing mit einer E-Mail an, ob ich gerne 'Sommer-Single 2012' werden wolle. Warum nicht, dachte ich damals."
Es handelte sich um eine Art Preisausschreiben. Zu gewinnen gab es eine einmonatige Premium-Plus-Mitgliedschaft, was erhöhte Chancen auf erfolgreiche Vermittlung versprach. "Da wurde gefragt, ob ich damit einverstanden wäre, wenn mein Bild für werbliche Zwecke eingesetzt würde. Klar, habe ich gedacht."
Sie fand das harmlos. Viele von uns tun das: Wir klicken "ok", wenn wir höflich gefragt werden. Meistens lesen wir noch nicht einmal durch, was man da so genau von uns will.
Kurz darauf teilte ihr FriendScout24 mit, dass sie das große Los gezogen habe: "Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir uns für Sie entschieden haben. Unser Kundenservice wird Sie für einen Monat als Premium-Plus-Mitglied freischalten." Sie war zum Sommer-Single 2012 geadelt worden!
In ihrem Fall führte das nicht dazu, dass sie einen Partner fand. Das gelang ihr stattdessen wenig später ohne jede fremde Hilfe, auf die althergebrachte Weise, ganz offline. Das Kapitel Partnerbörse war damit aber noch nicht beendet für sie.
FannyFranziska: "Mitte November kamen dann Fragen von Freunden und von einer Arbeitskollegin, ob ich wüsste, dass mein Bild auf der Titelseite von Bild.de stand."
So wird man Werbemodell einer Partnerbörse: Man gewinnt so was
Wusste sie nicht, aber es war ja Zeit genug, sich das in Ruhe anzuschauen. Prominent platziert am rechten Seitenrand lächelte sie da aus dem Web, in einer Anzeige von FriendScout24. "FannyFranziska: Sie ist noch zu haben", stand da über sie, den "Single des Tages". Stimmte zu dem Zeitpunkt zwar nicht mehr, aber woher sollte FriendScout24 das wissen?
FannyFranziska lachte Tränen, und wohl nicht allein: Der Link machte die Runde im Betrieb, viele Kolleginnen fanden das lustig und wollten wissen, wie es dazu kam. Andere fanden es seltsam. Die Schlagzeilen kamen und gingen, doch FannyFranziska blieb, den ganzen langen Tag. Sie hat Screenshots davon gemacht, als Souvenir.
Sie findet auch heute nichts dabei, es ist eine Anekdote, wie man sie heutzutage so erlebt. Ziemlich überraschend, aber alles ganz regulär gelaufen, sagt sie. Auch das Unternehmen FriendScout24 bestätigte SPIEGEL ONLINE den geschilderten Ablauf. FannyFranziskas plötzliche Werbeprominenz ist formell nicht zu beanstanden. Dass die Sache einen Haken hatte, wusste sie ja durchaus: Sie hatte ihn schließlich bewusst selbst gesetzt.
Mag sein, dass man genau an diesem Punkt die Grenzlinie ziehen könnte zwischen denen, für die das Web nur ein Werkzeug, eine Spielwiese und ein Kommunikationsraum ist, und denen, die darin auch eine Bedrohung sehen und die Auflösung des Privaten fürchten. Für die einen ist die erzählte Geschichte eine lustige, harmlose Anekdote, für die anderen hingegen ein Alptraum. FannyFranziska sieht das alles locker, weil diese Form, mit dem Web umzugehen, für sie normal ist. Für andere ist gerade dieser lockere Umgang mit dem Internet bedenklich.
Und wie sehen Sie das?
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Soziale Netzwerke | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH