Tippfehler im Tweet Wie Rudolph Giuliani sich versehentlich selbst hackte

Ein vergessenes Leerzeichen hat dafür gesorgt, dass sich Rudolph Giuliani mächtig blamierte. Doch Donald Trumps Cybersecurity-Berater sucht die Schuld lieber bei anderen.

Rudolph Giuliani
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Rudolph Giuliani war mal Bürgermeister von New York City, heute ist er Cybersecurity-Berater von US-Präsident Donald Trump. Wenn es darum geht, wer wen warum hackt, hat er zumindest ungewöhnliche Ideen.

Am vergangenen Freitag wollte er im Kontext der Sonderermittlungen von Robert Mueller auf Twitter schreiben, dass Trump auf dem Weg zum G-20-Gipfel sei. Der nächste Satz begann mit "In July" (im Juli), allerdings hatte Giuliani kein Leerzeichen zwischen beide Sätze getippt. So wurde aus "G-20", dem Punkt am Satzende und dem darauffolgenden "In" automatisch eine Webadresse: G-20.in, also mit der Top-Level-Domain in für Indien.

Der ganze Tweet lautet dementsprechend: "Mueller filed an indictment just as the President left for G-20.In July he indicted the Russians who will never come here just before he left for Helsinki.Either could have been done earlier or later. Out of control!Supervision please?"

Giuliani bemerkte seinen Fehler nicht. Aber ein Mann namens Jason Velazquez tat es - und registrierte innerhalb weniger Minuten und für ein paar Dollar die bis dahin nicht vergebene Domain. Dann bastelte er eine Website dafür, die nur eine Botschaft enthielt: "Donald J. Trump ist ein Verräter unseres Landes". Wer nun Giulianis Tweet las und auf den unabsichtlich generierten Link klickte, bekam die Anti-Trump-Zeile zu sehen.

Erst am Dienstag reagierte Trumps Cyber-Experte, mit einem weiteren Tweet. "Twitter hat es jemandem erlaubt, in meinen Text einzudringen und eine widerliche Antipräsidentenbotschaft zu hinterlassen", schrieb er in völliger Fehleinschätzung der Situation.

Die Sache mit dem fehlenden Leerzeichen sei später noch einmal vorgekommen, aber da sei nichts passiert. Er bezog sich dabei vermutlich auf denselben Tweet, in dem zwischen "Helsinki" und "Either" zwar ein Punkt, aber kein Leerzeichen steht. Da either keine Top-Level-Domain wie .de oder .com ist, wurde an dieser Stelle von Twitter kein Link generiert. Es ist offensichtlich, dass Giuliani weder Twitter noch Internet-Domains verstanden hat.

Seine Schlussfolgerung bezieht sich auf die unter Republikanern verbreitete, aber durch nichts belegte Annahme, Twitter und andere Unternehmen aus dem Silicon Valley würden ihre Partei systematisch benachteiligen: "Erzählt mir nicht, sie (gemeint war offenbar Twitter - d. Red.) würden Trump-Gegner nicht unterstützen. Das gilt auch für das 'Time Magazine'. FAIRNESS BITTE".

Manche würden wohl sagen, für den 74-Jährigen ist IT-Sicherheit noch nicht durchschrittenes Terrain.



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