Urheberrechtsstreit Mannheimer Museum klagt gegen Wikimedia

Wikimedia Commons zeigt abfotografierte Gemälde, deren Schutzfrist abgelaufen ist und die jetzt gemeinfrei sind. Aber wie steht es um das Urheberrecht der Fotos? Ein Museum will diese Frage jetzt vor Gericht klären lassen.


Wikimedia Deutschland hat eine Klage der Stadt Mannheim erhalten. Wie die Förderorganisation hinter der berühmten Online-Enzyklopädie berichtet, betrifft die Klage 17 Fotos von Gemälden aus dem Bestand der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, die auf Wikimedia Commons veröffentlicht wurden. Dabei sollen Urheberrechte verletzt worden sein.

Wikimedia Commons ist eine Sammelplattform für Mediendateien wie Bilder, Videos und Fotos. Die dort angebotenen Medien müssen entweder gemeinfrei sein oder unter einer freien Lizenz stehen, heißt es in einem Erklärtext. Die Gemälde, die auf den besagten Fotos zu sehen sind, wurden alle von Künstlern erschaffen, die vor mehr als 70 Jahren gestorben sind. Die urheberrechtliche Schutzfrist der Gemälde ist somit also abgelaufen. Mit dabei ist zum Beispiel ein Porträt Richard Wagners von Cäsar Willich, das um das Jahr 1862 entstand.

Trotz des Alters der Gemälde wirft die Stadt Mannheim Wikimedia und der Wikimedia Foundation Urheberrechtsverletzungen vor - und zwar wegen der Fotos: Die Aufnahmen, um die es geht, wurden demnach 1992 von einem vom Museum angestellten Fotografen für einen Sammelband erstellt. Schon im Sommer waren Abmahnungen verschickt worden, die das Richard-Wagner-Porträt betrafen.

Wunsch nach einem Mitspracherecht

In einer Stellungnahme (PDF) erklärten die Reiss-Engelhorn-Museen damals, es gehe bei dem Vorgehen gegen Wikimedia darum, dass man bei der Frage zur "Nutzung unserer Arbeitsergebnisse" ein Mitspracherecht behalten wolle. "In dem konkreten Fall war es für uns nicht hinnehmbar, dass ein Internetnutzer allein und ohne uns hierbei einzubeziehen darüber entschieden hat, das Bild jedermann - auch zur gewerblichen Nutzung - freizugeben."

Nach der Veröffentlichung bei Wikimedia Commons sei das Foto etwa von einem amerikanischen Händler für Merchandising-Artikel verwendet worden. Bevor man sich Rechtsbeistand geholt habe, habe man mehrfach versucht, sich an Wikimedia zu wenden - ohne Erfolg.

Wikimedia schreibt nun zur Klage: "Die Voraussetzungen, unter denen beim Fotografieren gemeinfreier Werke neue Urheberrechte an der Fotografie entstehen können, sind umstritten." Eine "Fristverlängerung durch die Hintertür" gehöre nicht zur Absicht des Urheberrechts: "Insbesondere dann nicht, wenn es sich wie bei den Fotos im Auftrag des Museums um originalgetreue 1:1-Abbildungen der Gemälde handelt. Eine handwerklich zeitintensive und aufwendige Arbeit bedingt noch lange keine Kreativität und urheberrechtliche Schöpfungshöhe."

Wikimedia deutet an, dass eine Rechtsprechung im Sinne der Stadt Mannheim die Arbeit der Organisation als Ganzes erschweren könnte: "Sollte die Stadt Mannheim sich durchsetzen, müssten nicht nur Dateien gelöscht, sondern künftig jedwede Verwendung gemeinfreier Bilder in Wikipedia geprüft werden", heißt es.

mbö



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insgesamt 45 Beiträge
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Mertrager 24.11.2015
1. Das ist zu viel für den modernen Anwender...
seine Fotos, die er in Umlauf bringt, selbst zu erstellen. Denn darum geht es doch, man hat die Fotos geklaut statt selbst zu fotografieren. Copy & Past - das geht gerade noch.
bloub 24.11.2015
2.
tja für das museum ist es ja auch zuviel, die fotos denen zur verfügung zu stellen, die die erstellung bezahlt haben. das ist nämlich der steuerzahler, der mal wieder 2 mal zahlen soll, wenn es nach den museum geht.
static_noise 24.11.2015
3. .... Na da bin ich gespannt!
Hat doch ansonsten niemand die Möglichkeit hochauflösende und qualitativ gute Bilder der Gemälde zu machen! Bei einem Bild das tatsächlich mittlerweile 'Allgemeingut' ist wird das Museeum ja trotzdem nicht jedem Zugang zum Original geben um eigene Bilder zu machen. Müsste es das dann nicht prinzipiell?
dolledern 24.11.2015
4. an mertrager
vielleicht sind die bilder ja nicht zu gänglich. es gibt ja viele bilder, due nicht ständig ausgedtellt werden. und es gibt zusätzlich viele Museen, die das fotografieren schlicht nicht erlauben. mur ist die: hier dürfen Sie fotografieren, den das Urheberrecht gilt für diese Bilder nicht mehr- Abteilung in Museen unbekannt. Aber der Hinweis ich kann im Museumsladen gerne Postkarten oder ähnliches erwerben.
gerchla63 24.11.2015
5. Anders herum stimmt es
Zitat von bloubtja für das museum ist es ja auch zuviel, die fotos denen zur verfügung zu stellen, die die erstellung bezahlt haben. das ist nämlich der steuerzahler, der mal wieder 2 mal zahlen soll, wenn es nach den museum geht.
Warum soll der deutsche Steuerzahler dafür zahlen, dass ein "amerikanischer Händler (das vom deutschen Steuerzahler bezahlte Foto) für Merchandising-Artikel verwendet" und damit Geld verdient? Mit den Lizenzgebühren, die das deutsche Museum von diesem amerikanischen Händler hätte nehmen können, wäre dem deutschen Museum Geld in die Kasse gekommen. Da müsstest Du doch als deutscher Steuerzahler froh drüber sein!
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