Aufpass-Accounts bei Twitter Was vom Bundestag aus bei Wikipedia geändert wird

Vor einigen Tagen machte der Twitter-Account @CongressEdits Schlagzeilen - ein Bot verlinkt hier Wikipedia-Änderungen aus den Netzwerken des US-Kongresses. Jetzt gibt es auch deutsche Varianten.

Twitter-Account @bundesedit: Übersicht über aktuelle Wikipedia-Änderungen

Twitter-Account @bundesedit: Übersicht über aktuelle Wikipedia-Änderungen


Wie oft wird vom Bundestag aus am Online-Lexikon Wikipedia herumgepfuscht? @bundesedit nennt sich ein Samstag gestarteter Twitter-Account, der automatisiert anonyme Änderungen sammelt, die sich den Netzwerken des Bundestags und ähnlichen Einrichtungen wie den Bundesministerien zuordnen lassen.

Möglich ist dies auf Basis der IP-Adressen der Autoren. IP-Adressen werden bei Wikipedia als Benutzername angezeigt, wenn jemand ohne sich einzuloggen einen Artikel bearbeitet. Der Twitter-Bot greife die Adressdaten zur aus einem IRC-Channel des Mitmach-Lexikons ab, heißt es auf einer Erklärseite. Welche IP-Adressen genau überwacht werden, zeigt eine bei Github veröffentlichte Liste.

Mit seinen ersten Tweets hat @bundesedit noch keinen Manipulationsversuch aufdecken können: Die bislang gemeldeten Text-Anpassungen sind eher profan. Am Montag beispielsweise wurde im englischsprachigen Artikel zu Manuel Neuer ein Rechtschreibfehler korrigiert (statt "shootout" stand dort "shutout"). Außerdem wurde die Übersicht der Auszeichnungen des Regisseurs Michael Verhoeven um einen 2012 gewonnenen Filmpreis ergänzt.

Ähnliche Accounts in den USA und Großbritannien

Offensichtliches Vorbild von @bundesedit ist @parliamentedits, ein Account, der Änderungen nachverfolgt, die von IP-Adressen des britischen Parlaments ausgehen. Seit vergangenem Dienstag konnte der Account jedoch noch keine Textanpassungen melden.

Von @parliamentedits hatte sich bereits @CongressEdits inspirieren lassen, ein US-Ableger, der vergangene Woche mehrfach in der internationalen Presse auftauchte. @CongressEdits sammelt Änderungen aus den Räumlichkeiten des US-Kongress. In den USA hatte es schon mehrfach öffentliche Diskussionen um Wikipedia-Manipulationen durch Kongress-Mitarbeiter gegeben.

Mit @reichstagsedits und @regierungsedits sind neben @bundesedit noch weitere deutsche Watch-Accounts gestartet. @bundesedit ist mit 625 Followern derzeit der populärste.

Neu ist die Idee mit den überprüfbaren Wikipedia-Manipulationen nicht: Schon 2007 startete der damalige Student Virgil Griffith den sogenannten Wiki-Scanner, mit dem sich gezielt nach Veränderungen in der Online-Enzyklopädie von bestimmten IP-Adressbereichen aus suchen ließ, kurze Zeit später ging eine deutsche Version online. Beide förderten so manche interessante Änderung zutage, doch derzeit ist der Wiki-Scanner außer Betrieb. Die Lücke, die er hinterlassen hat, füllen nun die Aufpasser-Accounts bei Twitter.

mbö

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