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USA: Wikipedia sperrt Kongress-Mitarbeitern die Bearbeiten-Funktion

US-Repräsentantenhaus: Zehn Tage lang keine anonymen Änderungen mehr Zur Großansicht
AFP

US-Repräsentantenhaus: Zehn Tage lang keine anonymen Änderungen mehr

Ab jetzt bitte einloggen: Wikipedia-Administratoren haben entschieden, eine IP-Adresse des US-Repräsentantenhauses zu blockieren. Für anonymes, "störendes Editieren" gibt es zehn Tage Strafsperre.

Viele Mitarbeiter des amerikanischen Repräsentantenhauses werden vorerst keine anonymen Änderungen mehr an der englischen Wikipedia vornehmen können - zumindest nicht von ihrem Arbeitsplatz aus und ohne technische Hilfsmittel.

Denn wie die "Ars Technica" berichtet, haben Administratoren des Online-Lexikons eine zehntägige Änderungssperre für die IP-Adresse 143.231.249.138 beschlossen. Die gehört zum Netzwerk des Repräsentantenhauses. Der Grund für die Sperre sei "störendes Editieren", heißt es bei Wikipedia selbst. Mitte Juli hatte man die IP-Adresse bereits 24 Stunden lang blockiert.

Anlass für die neue Sperre ist eine Serie anonymer und aus Sicht der Administratoren unpassender Artikeländerungen, die sich der genannten IP-Adresse zuordnen ließ. So schrieb jemand in den Artikel zur Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, dass dessen mutmaßlicher Mörder Lee Harvey Oswald im Auftrag des Regimes von Fidel Castro gehandelt habe.

Später war auch der Eintrag zum Blog "Mediaite" verändert worden. Aus "Mediaite ist ein Neuigkeiten- und Meinungsblog" wurde dadurch "Mediaite ist ein sexistischer, transphobischer Neuigkeiten- und Meinungsblog". Ergänzend dazu wurde ein "Mediaite"-Artikel verlinkt, der sich über Änderungen lustig macht, die zur jetzt blockierten IP-Adresse gehören. Erwähnt wird in dem Blogtext auch der Twitter-Account @congressedits, der anonyme Wikipedia-Änderungen von Kongress-IP-Adressen transparent macht.

Pauschalstrafe für das Vergehen Einzelner

Die Sperre ist seit Donnerstag in Kraft, mindestens ein Nutzer der geblockten IP-Adresse hat sich bereits darüber beschwert: "Sollen wir angesichts von 9000 Mitarbeitern im Repräsentatenhaus wirklich einen ganzen IP-Adressbereich aussperren, wegen der Aktionen von zweien oder dreien?", fragt er. "Einige von uns hier machen nur grammatikalische Änderungen oder fügen Informationen zu den Vögeln in Omsk hinzu."

Anonyme Wikipedia-Änderungen hatten zuletzt mehrfach Schlagzeilen gemacht. In mehreren Ländern, darunter neben Großbritannien auch Deutschland, wurden Twitter-Bots eingerichtet, die Änderungen von bestimmten IP-Adressen automatisch in Form einer Twitter-Nachricht dokumentieren. In Russland hat ein solcher Bot kürzlich Manipulationen am Eintrag zum Flug MH17 gemeldet, die laut IP-Adresse aus dem Kreml kommen könnten.

Besitzen sie Wikipedia-Accounts, können die Mitarbeiter des Repräsentantenhauses übrigens nach wie vor Änderungen vornehmen - die Sperre trifft nur nicht-eingeloggte Nutzer. Jemand mit der gesperrten IP-Adresse kommentiert dazu, er habe einen Account, würde sich aber während der Arbeit nicht mit seinem Passwort anmelden: "Theoretisch könnten Leute herausfinden, wer ich bin. Aber zum Glück bin ich hinter sieben Proxies."

mbö

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Gute Aktion!
Immanuel_Goldstein 25.07.2014
Zitat von sysopREUTERSAb jetzt bitte einloggen: Wikipedia-Administratoren haben entschieden, eine IP-Adresse des US-Repräsentantenhauses zu blockieren. Für anonymes, "störendes Editieren" gibt es zehn Tage Strafsperre. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/wikipedia-aenderungen-sperre-fuer-kongress-mitarbeiter-a-982832.html
Seit wann gehört es zu den staatlichen Aufgaben des Repräsentantenhauses, in Online-Lexika Artikel propagandistisch zu verfälschen? Die Sperre ist mehr als angebracht und sollte eigentlich nie wieder aufgehoben werden. Wer Wikipedeln will, der soll das privat und von zuhause machen, aber nicht in der Dienstzeit am Arbeitsplatz. Dafür wird er vom Bürger wohl kaum angestellt werden.
2. Fragen
bluemetal 25.07.2014
Warum gibt es in diesem Parlament überhaupt Mitarbeiter die Wikipedia bedienen ? Schreiben die gar hauptamtlich über "Vögel in Omsk" oder einfach weil sie nichts besseres zu tun haben ? Warum dürfen überhaupt staatliche Stellen an Wikipedia arbeiten ?
3. Zensurgefahr bei wikipedia
Dr_EBIL 25.07.2014
Leider fällt mir immer wieder auf, dass die englische wiki in Sachen US-Geschichte sehr geschönt ist, wenn es die US-Regierung oder bestimmte Gruppen (Unternehmen) mit wiki-Zugang betrifft. Man findet auf vielen Seiten nichts mehr Kritisches, auch wenn man gerade wegen etwas Spezifischem, bzw. einem Skandal, sucht. Da läuft schon ein großer Propaganda-Krieg. Von Israel etc. will ich gar nicht erst anfangen. Das kann man vergessen. Ein Trick diese Zensur zu umgehen, ist momentan noch eine andere Sprache zu wählen. Es gibt in nicht-englischsprachigen wikis Einträge, die es in der englischsprachigen wiki nicht gibt, z.B. zur Ukrainekrise über US-Beteiligung (z.B. otpor, Soros) und Ursachen. Ich bin mir sicher, die Mächtigen werden versuchen, die Hoheit über die Informationen wieder zurückzubekommen. Als damals in der Nazizeit die Menschen anfingen alle auf ein kleines Kästchen zu starren in dem ein vorgegebenes Programm läuft, das war der Traum von Propagandisten wie Goebbels. Seither kann man auch Menschenmassen beeinflussen, die nicht auf physisch anwesend sind und nicht auf Podium oder eine Pyramide starren. Früher oder später wird auch wikipedia dieser Zensur vollständig zum Opfer fallen. Da muss sich niemand Illusionen machen. Diese Gelegenheit (window of opportunity) wird nur ein paar Jahre offen sein.
4. Manipulationsversuche ..
rudi76 25.07.2014
.. kann man auch hier nachlesen. Laut diesem Artikel heisst es: "In Russland hat ein solcher Bot kürzlich Manipulationen am Eintrag zum Flug MH17 gemeldet, die laut IP-Adresse aus dem Kreml kommen könnten." Liest man im verlinkten Artikel nach, dann steht da "Der Artikel wurde von einem anonymen Nutzer umgeschrieben, von einem Rechner aus dem Netzwerk der staatlichen TV-Holding WGTRK." So schnell kann es gehen.. die Medienholding hat ihre Büros also im Kreml. Oder war es nur ein versehen des Autors? Zu dem ganzen Wikipedia-Spuk: Man nutzt einfach einen der tausenfach vorhandenen freien Proxy-Server im Internet und schon kann man seine IP-Adresse verschleiern. Sollte ja jedem hier bekannt sein.
5. wikipedia Beweise
maggelan07 25.07.2014
hinweise - beweise zu meinen letzten äusserungen wikipedia scientology.. siehe tageschau ard archiv http://www.tagesschau.de/wirtschaft/google-urteil-100.html musste jetzt diesen kommentar von einem anderen pc aus schreiben, weil jemand verhindert hat, dass ich diese seite hier öffnen kann (alle anderen seiten gehen...)
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Wikipedia-Richtlinien: "Schädige niemanden"
Schreibstil
Du solltest in neutraler, unzweideutiger Weise dokumentieren, welche verlässlichen unparteiischen Quellen über den Betroffenen veröffentlicht haben und gegebenenfalls auch, was die Person über sich selbst veröffentlicht hat. Der Schreibstil soll neutral, faktenorientiert und zurückhaltend sein. Es sollten weder hagiografische noch sensationsheischende Töne vorkommen. (…) Wenn du über ein negatives Ereignis schreibst, berücksichtige auch entlastende Informationen, bemühe dich immer um Ausgewogenheit.

Verlässliche Belege
Ohne glaubwürdige Belegangaben ist die Biografie wahrscheinlich Theoriefindung. Im Artikel angegebene Informationen müssen daher unbedingt für jeden einfach zu verifizieren sein. Informationen, die nur auf parteiischen Web-Seiten oder in obskuren Zeitschriften veröffentlicht sind, sollten mit Vorsicht behandelt und nicht verwendet werden, wenn sie tendenziös sind. Informationen aus Büchern und Zeitungen im Selbstverlag, oder von privaten Web-Seiten/Blogs sollten nie benutzt werden, außer sie stammen vom Betroffenen selbst.

Personen des öffentlichen Lebens
Über öffentlich bekannte Personen gibt es in der Regel eine Vielzahl von verlässlichen Quellen, und die Wikipedia-Biografie sollte einfach wiedergeben, was dort steht. Andererseits haben auch diese Personen ein Recht auf Privatsphäre. Nur wenn ein Vorwurf oder Zwischenfall bedeutsam, und in solchen angesehenen Veröffentlichungen dokumentiert ist, gehört er in den Artikel, und zwar auch, wenn der Betroffene die Erwähnung ablehnt. (…) Grundsätzlich ist – wie bei jedem anderen in einem Artikel erwähnten Faktum – eine Prüfung der enzyklopädischen Relevanz notwendig. In Grenzfällen sollte die Daumenregel lauten "schädige niemanden".

Umgang mit Artikeln über sich selbst
Wir raten zwar davon ab, Artikel über sich selbst zu verfassen (siehe Wikipedia: Eigendarstellung), aber die Betroffenen sind eingeladen, Fehler zu verbessern und ungenaues oder unbelegtes Material zu entfernen. Wenn Sie eine Frage oder ein Problem mit einem Artikel über sich selbst haben, kontaktieren Sie uns bitte über einen der auf Wikipedia: Kontakt angegebenen Wege oder schreiben Sie auf die Diskussionsseite des Artikels. Angaben zum verantwortlichen Betreiber im juristischen Sinn finden Sie im Wikipedia: Impressum.


Wo Wikipedia in die Irre führte
Meist akkurat
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Falsche Namen
Der Freiherr zu Guttenberg hat viele Vornamen. Wilhelm gehört aber nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen eben auch den Wilhelm rein. Dieser Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber offenbar ungeprüft aus dem Online-Lexikon.
Falsche Verdächtigungen
Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang unwidersprochen online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen unter den Wikipedianern, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.
Politische Grabenkämpfe
Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen daher oft selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken, indem er die wenig schmeichelhafte Passage über ihren Spitznamen "Sarah Barracuda" löschte. Die Community sperrte den Eintrag zwischenzeitlich für Bearbeitungen.
Geschöntes Image
Auch Unternehmen haben immer wieder versucht, die Einträge über sich oder ihre Produkte zu schönen. Microsoft etwa löschte eine kritische Passage über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen.
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Bildersammlung und Zitate
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa
Wikimedia Commons
Wikimedia Commons ist eine Datenbank für Mediendateien - vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. Privatleute und öffentliche Einrichtungen haben mehr als 7,8 Millionen Dokumente zusammengetragen. Das Bundesarchiv stellte beispielsweise 100.000 historische Fotos zur deutschen Geschichte zur Verfügung. Aus diesem Fundus bebildern die Autoren ihre Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich darf aber jeder die Dateien herunterladen und benutzen, auch kommerziell: Die freie Verwendung ist Voraussetzung dafür, dass die Community die Bilder akzeptiert.
Wikiquote
In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Mehr als 7500 Artikel gibt es dort mittlerweile, sortiert nach Personen, Themen oder auch Filmen - bekanntlich eine ergiebige Quelle für Bonmots. Zitate von Schriftstellern oder Buchautoren sind allerdings auf zehn pro Person beschränkt, aus urheberrechtlichen Gründen. Anders ist es bei Politikern und Sportlern. Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder kommen ausführlich zu Wort.
Wiktionary
Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
Wikiversity
Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.


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