Wikipedia: BP-Mitarbeiter schreibt am BP-Eintrag mit

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Eintrag über BP auf en.wikipedia.org: Hat der Konzern Einfluss genommen?

Unter Wikipedia-Autoren ist ein heftiger Streit entbrannt. Autoren des Online-Lexikons haben offensichtlich ungeprüft PR-Texte übernommen, die ihnen ein Mitarbeiter des Ölkonzerns BP untergeschoben hatte. Fast die Hälfte des BP-Eintrags soll so verändert worden sein.

Der Wikipedia-Autor Arturo at BP gibt sich offen und ehrlich: "Im Interesse voller Transparenz habe ich den Benutzernamen Arturo at BP gewählt, damit meine Verbindung zu BP für jedermann klar wird", schreibt er auf seiner Wikipedia-Seite. Tatsächlich hält er sich sklavisch an die Wikipedia-Richtlinien, kann sich grundsätzlich nichts vorwerfen lassen. Dass Autoren des Online-Lexikons trotzdem erbost über seine Arbeit diskutieren, liegt daran, dass von ihm gelieferte Texte von anderen Autoren in den Wikipedia-Eintrag des Ölkonzerns übernommen wurden - ohne entsprechende Kennzeichnung. Beinahe die Hälfte des Wikipedia-Artikels über BP in der englischsprachigen Version des Online-Lexikons soll auf diese Weise umgeschrieben worden sein.

Wikipedia-Autor SlimVirgin hat eine Liste aller Texte zusammengestellt, die Arturo at BP zwischen dem 3. Juli 2012 und dem 7. März 2013 eingereicht hat. Insgesamt handelt es sich um zehn Texte, die jeweils wenige Tage später von Wikipedia-Autoren in den ursprünglichen Eintrag über BP eingebaut wurden. SlimVirgin hat ausgerechnet, dass auf diese Weise 44 Prozent des ursprünglichen Textes verändert wurden.

Normalerweise wäre das nicht verwerflich, zumal wenn man Arturo at BP Glauben schenkt, der auf seiner Profilseite seine Beweggründe zur Mitarbeit an der Wikipedia erklärt. Er schreibt dort, er wolle helfen Artikel mit Bezug auf BP zu verbessern. Um dabei aber nicht in Konflikt mit den Wikipedia-Richtlinien zu kommen, wolle er die Artikel nicht direkt bearbeiten, sondern seine Textvorschläge nur auf den sogenannten Talk-Seiten vorlegen, wo diese von anderen Autoren beurteilt und erst im Anschluss in die Texte eingebaut werden.

Die Autoren wehren sich

Über dieses Vorgehen ist nun eine heftige Diskussion entbrannt. Wikipedia-Nutzer Smallbones wirft den involvierten Autoren vor, Arturos Texte ungeprüft übernommen zu haben. Die wiederum wehren sich gegen diese Vorwürfe, erklären, jeder habe die fraglichen Texte einsehen und ändern können. Zudem hätten bis zu fünf Wikipedia-Autoren die Texte gesichtet, bearbeitet und verbessert.

Problematisch ist auf jeden Fall, dass Texte, die auf diese Weise von BP eingereicht wurden, für den Leser nicht als solche zu erkennen sind. Sie wurden nicht Arturo at BP zugeordnet und waren im Wikipedia-Eintrag nicht als Zitate gekennzeichnet.

Als besonders kritisch werden dabei die Veränderungen an Einträgen mit Bezug auf Umweltschutz angesehen. BP war Betreiber der Ölplattform "Deepwater Horizon", die im April 2010 nach einer Explosion im Golf von Mexiko gesunken ist und eine riesige Ölpest auslöste.

Alles richtig gemacht

Der Umgang des Konzerns mit den Folgen der Katastrophe kratzte damals schwer am Firmenimage. BP versuchte sich damit zu helfen, dass man für bestimmte Schlüsselworte Top-Platzierungen bei den Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing kaufte. So wurde Interessierten, die beispielsweise Begriffen wie "oil spill" (Ölpest) suchten, als erstes ein sogenannter Sponsored Link, ein bezahlter Link zur BP-Website zur Ölkatastrophe, angezeigt. Experten beurteilten diesen Schachzug damals als "PR-Meisterstück".

Genau so kann man heute die subtile Einflussnahme auf die Wikipedia als perfekte PR betrachten. Weder Arturo at BP noch der Ölkonzern selbst müssen sich etwas vorwerfen lassen. In einem Statement gegenüber Cnet erklärt das Unternehmen einmal mehr, dass man sich strikt an die Richtlinien gehalten und nichts Verbotenes getan habe. Deshalb hat die Diskussion bei der Wikipedia nun die nächste Stufe erreicht. Jetzt wird debattiert, ob und wie man die Richtlinien der Enzyklopädie ändern muss, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

mak

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insgesamt 16 Beiträge
-5m 21.03.2013
...dass andere Firmen das nicht machen.
...dass andere Firmen das nicht machen.
noalk 21.03.2013
Für alles, was im WWW zu finden ist, gilt der gleiche Vorbehalt wie für sämtliche anderen Informationen auch, egal, ob über Print, Audio oder sonstwie verbreitet: Es muss nicht richtig sein. Niemand hat die Wahrheit gepachtet, [...]
Für alles, was im WWW zu finden ist, gilt der gleiche Vorbehalt wie für sämtliche anderen Informationen auch, egal, ob über Print, Audio oder sonstwie verbreitet: Es muss nicht richtig sein. Niemand hat die Wahrheit gepachtet, immer wird mit der Veröffentlichung eine bestimmte Absicht verfolgt. Bleiben Sie skeptisch!
ratschbumm 21.03.2013
Lohnschreiber sollen die ärgsten Contra-Meinungen zurechtrücken. Auch das ist wie die ReGIERungspresse alternativlos. Man wird sich doch nicht von immer noch Denkenden bloßstellen lassen.
Zitat von sysopUnter Wikipedia-Autoren ist ein heftiger Streit entbrannt. Autoren des Online-Lexikons haben offensichtlich ungeprüft PR-Texte übernommen, die ihnen ein Mitarbeiter des Ölkonzerns BP untergeschoben hatte. Fast die Hälfte des BP-Eintrags soll so verändert worden sein. Wikipedia: BP-Mitarbeiter arbeitet an BP-Eintrag mit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/wikipedia-bp-mitarbeiter-arbeitet-an-bp-eintrag-mit-a-890124.html)
Lohnschreiber sollen die ärgsten Contra-Meinungen zurechtrücken. Auch das ist wie die ReGIERungspresse alternativlos. Man wird sich doch nicht von immer noch Denkenden bloßstellen lassen.
mundi 21.03.2013
Für mich ist Wikipedia, die Beiträge der Naturwissenschaft vielleicht ausgenommen, eher ein Schwarzes Brett mit allerlei wertfreien Einträgen. Deshalb finde ich es oft putzig, wie Menschen in verschiedenen Foren, ihre [...]
Zitat von sysopUnter Wikipedia-Autoren ist ein heftiger Streit entbrannt. Autoren des Online-Lexikons haben offensichtlich ungeprüft PR-Texte übernommen, die ihnen ein Mitarbeiter des Ölkonzerns BP untergeschoben hatte.....
Für mich ist Wikipedia, die Beiträge der Naturwissenschaft vielleicht ausgenommen, eher ein Schwarzes Brett mit allerlei wertfreien Einträgen. Deshalb finde ich es oft putzig, wie Menschen in verschiedenen Foren, ihre Meinung mit der Quelle Wikipedia begründen.
Mertrager 21.03.2013
ist bei Wikipedia zB diese: Firma lässt schreiben, sie sei die beste und grösste. Hier bei uns schrieb eine Firma, sie sei der grösste Arbeitgeber, was aber nicht stimmte. Habe diese Angabe korrigiert. Nach drei Wochen war sie [...]
ist bei Wikipedia zB diese: Firma lässt schreiben, sie sei die beste und grösste. Hier bei uns schrieb eine Firma, sie sei der grösste Arbeitgeber, was aber nicht stimmte. Habe diese Angabe korrigiert. Nach drei Wochen war sie wieder falsch drin. So what ?
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  • Donnerstag, 21.03.2013 – 11:55 Uhr
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Wikipedia-Richtlinien: "Schädige niemanden"
Du solltest in neutraler, unzweideutiger Weise dokumentieren, welche verlässlichen unparteiischen Quellen über den Betroffenen veröffentlicht haben und gegebenenfalls auch, was die Person über sich selbst veröffentlicht hat. Der Schreibstil soll neutral, faktenorientiert und zurückhaltend sein. Es sollten weder hagiografische noch sensationsheischende Töne vorkommen. (…) Wenn du über ein negatives Ereignis schreibst, berücksichtige auch entlastende Informationen, bemühe dich immer um Ausgewogenheit.



Wo Wikipedia in die Irre führte
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmach-Lexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa

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