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Wikipedia-Statistik Die Rückkehr der Monster-Schildkröte

Sommerlochtier 2013: Dank einer ausgesetzten Alligatorschildkröte in einem bayerischen Badesee wurden die Chelydridae plötzlich populär (Archiv) Zur Großansicht
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Sommerlochtier 2013: Dank einer ausgesetzten Alligatorschildkröte in einem bayerischen Badesee wurden die Chelydridae plötzlich populär (Archiv)

Seit Tagen steht sie auf der Fahndungsliste: Lotti, die Schildkröte, die mutmaßlich einen Jungen verletzte und seitdem verschollen ist. Immerhin liefert Wikipedia härtere Fakten zur Art der Alligatorschildkröten - unserem Aufsteiger der Woche.

Lotti kann durchaus als Königin der Sommerlochtiere bezeichnet werden: Die Alligatorschildkröte ist mindestens so eigenartig wie Heidi, das schielende Opossum. Und sie versteckt sich erfolgreicher als Bruno, der lange flüchtige Problembär. Nachdem einem achtjährigen Jungen in einem bayerischen Badesee die Achillessehne durchtrennt wurde, steht Lotti unter Verdacht - und ist verschwunden. Kein Wunder, dass etliche Menschen wissen wollten, nach was für einem merkwürdigen Tier da gesucht wird.

Fündig wurden offenbar viele auf der Wikipedia-Seite der Alligatorschildkröten. Dort erfährt der Leser Beunruhigendes: Die Tiere besitzen tatsächlich kräftige Kiefer, einzelne Arten können bis zu 100 Kilogramm schwer werden. Immerhin werden die Schildkröten in ihrer Heimat Amerika als Delikatesse geschätzt. Mehr als 50.000 Klicks verzeichnet die interne Statistik der Wikipedia in den vergangenen Tagen allein für diese Seite. Weil sich zuvor kaum jemand für Alligatorschildkröten interessiert hatte, ergibt das eine beachtliche Zunahme der Aufrufzahlen.

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Buchsbaumzünsler: Giftig, grün, gefräßig
Andere Tiere konnten da nicht mithalten. Weder der Buchsbaumzünsler, dessen Raupen aktuell über Buchsbäume in Baden-Württemberg herfallen, noch die Wespenspinnen, deren Weibchen ihre Männchen nach der Begattung einfach verspeisen.

Ein spannenderes Rennen lieferten sich die aktuellen Kinofilme. Trotz eines deutlichen Anstiegs landet dabei die Wikipedia-Seite des Thrillers "Trance - Gefährliche Erinnerung" ganz hinten, der Artikel zur Comic-Verfilmung "Kick-Ass 2" erreichte immerhin rund dreimal so viele Klicks.

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"Elysium": Die Ausbeuter flüchten ins All
Das größte Interesse lösten aber offenbar die beiden Schocker "Elysium" und "Feuchtgebiete" aus. Interessanterweise entwickelten sich die Abrufzahlen der Wikipedia-Seiten aber gegenläufig: Nachdem beide am Montag synchron nach oben schnellen, fällt die Kurve der "Feuchtgebiete" danach drastisch ab, während "Elysium" immer häufiger angeklickt wird. Der Science-Fiction-Streifen scheint die Nutzer der deutschen Wikipedia intensiver zu beschäftigen als die Verfilmung des Bestsellers von Charlotte Roche.

Anders als Lotti und die Kinostarts finden sich unter den Wikipedia-Aufsteigern auch Themen, über die noch nicht bundesweit in den Medien berichtet wurde. Wie der Besuch von 400 irischen Tinkern in Kevelaer am Niederrhein. Die auch als Pavee bezeichneten "Landfahrer" campierten dort über Mariä Himmelfahrt.

Die Klicks der Wikipedia-Artikel für die beiden Bezeichnungen der fahrenden Volksgruppe entwickelten sich absolut gleichmäßig. Die Erklärung dafür steckt im Aufbau des Online-Lexikons: "Tinker" ist zunächst eine Übersichtsseite, die mehrere Bedeutungen des Wortes aufführt - darunter auch eine Weiterleitung zum "Pavee"-Artikel.

Der Abstand zwischen den Kurven umfasst demnach all diejenigen Nutzer, die über die Übersichtsseite nicht hinausgekommen sind - entweder weil sie nicht fündig wurden, oder weil doch eine der anderen Weiterleitungen interessanter war. Etwa die zur gleichnamigen Pferderasse oder zum Luftwaffenstützpunkt "Tinker Air Force Base" der US Air Force.

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2 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
mischpot 17.08.2013
pförtner 19.08.2013
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