Wikipedia US-Parlamentarier haben weiter Zugriff

Eine Meldung der Nachrichten-Agentur AFP hat die Wikipedia-Gemeinde heute aufgeschreckt. Von einem Ausschluss der Autoren mit E-Mail-Adressen des US-Parlaments war dort die Rede. "Blödsinn" kommentiert ein Wikipedia-Sprecher.


Washington - Ein Ausschluss von Teilnehmern, die Beiträge für die Online-Enzyklopädie erstellen oder verändern sei praktisch nicht umsetzbar, erklärte Mathias Schindler, ein Sprecher der deutschen Wikipedia gegenüber SPIEGEL ONLINE. Im Übrigen kämen die E-Mail-Adressen als Merkmal zur Identifikation auch gar nicht in Betracht. "Jeder Computer hat eine so genannte IP-Adresse, die sich zurückverfolgen lässt. Wenn überhaupt, kann man diese im Bedarfsfall blocken", sagte Schindler.

Es habe tatsächlich in der Vergangenheit eine Sperre gegeben, sagte Schindler dazu. Diese sei bereits am 31. Januar erfolgt und habe lediglich 30 Minuten gedauert und sei von den Statuten der Organisation gedeckt. "Vandalen können wir ausschließen, wenn klar ist, dass sie sich nicht bessern werden".

Der Ausschluss von Autoren - insbesondere wenn ihnen keine Verfehlung nachgeweisen wurde - sei aber nicht mit der Politik von Wikipedia vereinbar, sagte Schindler weiter. Noch weniger sei an einen Ausschluss eines ganzen Kollektivs zu denken. Insofern stehe eine Blockade der Computer des gesamten US-Parlaments gar nicht auf der Tagesordnung. "Sippenhaft ist bei Wikipedia verpönt", sagte Schindler. 

Einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zufolge, die SPIEGEL ONLINE zunächst auch übernommen hatte, hatten die Wikipedia-Vertreter bekannt gegeben, dass vorläufig allen Nutzern mit einer E-Mail-Adresse des US-Parlaments untersagt worden sei, Änderungen in Wikipedia-Artikeln vorzunehmen. Wikipedia habe zwei Wochen lang alle Änderungen an den Biographien von Kongressmitgliedern überprüft.

Die Online-Enzyklopädie hatte gestern ihre Untersuchung der Manipulationen an biographischen Beiträgen über US-Politiker veröffentlicht. Wikipedia habe bei einer Untersuchung der Lebensläufe von Kongress-Abgeordneten festgestellt, dass mehrere Artikel verändert worden seien, teilte ein Vertreter gestern mit.

So hätten Assistenten des demokratischen Senators John Biden aus dessen Wikipedia-Biographie jeden Hinweis auf seine Verwicklung in einen Plagiatsskandal von 1996 gelöscht. Der Sprecher der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein bestätigte, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Politikerin 2005 ihren Wikipedia-Eintrag verändert habe und insbesondere Angaben zum steinreichen Ehemann der Senatorin gelöscht habe.

In dem Internet-Lexikon können prinzipiell alle Nutzer einen Eintrag ändern oder neu erstellen, so dass es vor Manipulationen kaum zu schützen ist.

mik/AFP



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