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Wikipedia-Anekdoten: Als Guttenberg plötzlich Wilhelm hieß

Die Wikipedia wird diese Woche 15 Jahre alt, das Online-Lexikon ist eine der beliebtesten Recherchequellen weltweit. Blind sollte man ihr aber nicht vertrauen, zeigen diese sieben Anekdoten - vom falschen Ministervornamen bis zur erfundenen Insel.

1. Der angebliche Verwandte

Mit einem frisierten Wikipedia-Eintrag gelangte 2015 ein Fan in den Backstage-Bereich der australischen Band Peking Duk. David Spango gab sich vor der Security als Verwandter des Elektro-Duos aus. Als diese einen Nachweis verlangten, zückte er Ausweis und Smartphone mit dem Wikipedia-Eintrag zur Band, den er zuvor um die Worte "Family David Spango" ergänzt hatte - und überraschte die Musiker. Diese nahmen es mit Humor: Das sei der "genialste Schachzug", den sie je beobachtet hätten. Auch auf Twitter zollten sie dem Fan Respekt.

2. Der umbenannte Minister

Karl-Theodor zu Guttenberg, einst Verteidigungsminister, hat einige weitere Vornamen. Wilhelm gehört nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Nutzer in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen auch Wilhelm rein. Der Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber aus dem Online-Lexikon, darunter auch SPIEGEL ONLINE. Der Fälscher schrieb seinerzeit im "Bildblog" über seinen Coup.

3. Die gekauften Einträge

Die Pflege von Wikipedia-Einträgen gegen Geld - das war das Geschäftsmodell einer Bande, die 2015 aufflog. Teilweise erpresste die Gruppe sogar Geld von Personen und Unternehmen für den "Schutz" der Einträge. 210 Artikel löschte Wikipedia nach Entdeckung des Netzwerks "Orangemoody", 381 Nutzerkonten wurden gesperrt. Bevorzugtes Ziel der Betrüger waren offenbar Geschäfte oder Personen, deren Artikel von Wikipedia zunächst nicht akzeptiert wurden, etwa weil sie zu werblich waren. Bei ihnen konnte es passieren, dass sich ein angeblicher Wikipedia-Mitarbeiter meldete, der eine Überarbeitung des Artikels anbot - gegen Bezahlung.

4. Die eingeschleuste Polit-PR

Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen manchmal selbst Hand an, wie Twitter-Accounts wie @bundesedit nachvollziehbar machen. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken. Ihre Seite wurde zwischenzeitlich für Bearbeitungen gesperrt.

5. Der falsche Verdächtige

Der 2014 gestorbene amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Morde an John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann - und hat natürlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Mehr zu dem Fall finden Sie auch hier.

6. Angela Merkel als "Sklavin der USA"

Apple hat seine Sprachassistentin Siri darauf getrimmt, Fragen von Nutzern unter anderem mithilfe der Wikipedia zu beantworten. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel lieferte das Online-Lexikon im September 2015 aber kurzzeitig eine ungewöhnliche Antwort. Auf die Frage "Wer ist Angela Merkel?" bot die deutsche Siri-Version statt des aktuellen Artikels im Online-Lexikon einige Stunden eine Artikelfassung, in der die Politikerin unter anderem als "Lügnerin und Sklavin der USA" verunglimpft wurde.

7. Eine Insel namens Porchesia

Über zehn Monate lang konnte man sich bei Wikipedia über Porchesia informieren, eine Insel, die im Lexikon vor der Küste Syriens und des Libanons verortet wurde. Die Bevölkerungszahl liege bei 354.897 Menschen, hieß es im September 2006, gegenüber nur 129.750 Menschen im Jahr 1982. Auf der Insel werde Englisch, Arabisch und Griechisch gesprochen. Mittlerweile ist der Artikel nicht mehr auffindbar, die beschriebene Insel existiert nämlich gar nicht. Unser Symbolbild zeigt übrigens Mallorca.

Hinweis: Per Klick kommen Sie jeweils zum nächsten Beispiel.

mbö/dpa

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1. Der Wikipedia...
_alexander_ 10.01.2016
habe ich noch nie blind vertraut. Das werde ich auch zukünftig nicht tun. Nachdem ich die Doku "Die dunkle Seite der Wikipedia" gesehen habe, sowieso nicht.
2. Ach je,
gesell7890 10.01.2016
schaut man sich dieses Lexikon genauer an, zeigt sich an mindestens jedem 2. Beitrag, daß da Amateure am Werk sind. Will man dann freundlich korrigieren, läuft man blockwartähnlichen Kapos in die Arme: Also bleibt es dann falsch. Zum Amüsieren ist Wikipedia gut, als Quelle untauglich.
3. politische Einflussnahme
nojoe 10.01.2016
Das schlimmste ist die ständige politische Einflussnahme. Artikel zu Geschichtsthemen und Politik sind häufig sehr tendenziös.
4.
mrs_smith 10.01.2016
Zitat von nojoeDas schlimmste ist die ständige politische Einflussnahme. Artikel zu Geschichtsthemen und Politik sind häufig sehr tendenziös.
So ist es leider. Vielleicht ist es in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich objektive Informationen im Netz zu finden. Sind es eher subjektive eigene Meinungen. Mrs Smith
5. Unsinnige Kritik
kluch 10.01.2016
Ich weiß nicht, wann einer von euch "Kritikern" das letzte mal in ein "richtiges" gedrucktes Lexikon geschaut hat. Wann immer ich das tue bin ich sehr enttäuscht: 1. Oft steht es einfach nicht drin 2. Der Text ist meistens nicht länger als 3 Sätze. Keinerlei Hintergrund, weiterführende Links ganz zu schweigen 3. Warum glaubt ihr einem "weisen" Professor mehr als 20 Menschen die versuchen den besten Kompromiss zu finden? Ich bin überzeugt vom Wiki-Prinzip. Es demokratisiert das Wissen und bildet nicht nur das Oberlehrer-Eliten-Wissen ab. Nachteil ist natürlich, dass sich oft auch belangloses oder verzerrtes findet. Aber auch hier ist es eine Sache der PErsspektive. Was der eine belanglos und verzerrt findet, ist für den anderen sehr wichtig und richtig. Ohne die Wikipedia wäre es gar kein Allgemeinwissen, dass das meiste Wissen gar nicht objektivierbar ist. Höchsten mathematische Formeln sind objektiv, aber schon bei der Physik sind manche empirischen Erklärungen schon subjektiv gefärbt. Das hat nichts mit der Wikipedia zu tun, sondern mit dem Wissen an sich.
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Wikipedia-Richtlinien: "Schädige niemanden"
Schreibstil
Du solltest in neutraler, unzweideutiger Weise dokumentieren, welche verlässlichen unparteiischen Quellen über den Betroffenen veröffentlicht haben und gegebenenfalls auch, was die Person über sich selbst veröffentlicht hat. Der Schreibstil soll neutral, faktenorientiert und zurückhaltend sein. Es sollten weder hagiografische noch sensationsheischende Töne vorkommen. (…) Wenn du über ein negatives Ereignis schreibst, berücksichtige auch entlastende Informationen, bemühe dich immer um Ausgewogenheit.

Verlässliche Belege
Ohne glaubwürdige Belegangaben ist die Biografie wahrscheinlich Theoriefindung. Im Artikel angegebene Informationen müssen daher unbedingt für jeden einfach zu verifizieren sein. Informationen, die nur auf parteiischen Web-Seiten oder in obskuren Zeitschriften veröffentlicht sind, sollten mit Vorsicht behandelt und nicht verwendet werden, wenn sie tendenziös sind. Informationen aus Büchern und Zeitungen im Selbstverlag, oder von privaten Web-Seiten/Blogs sollten nie benutzt werden, außer sie stammen vom Betroffenen selbst.

Personen des öffentlichen Lebens
Über öffentlich bekannte Personen gibt es in der Regel eine Vielzahl von verlässlichen Quellen, und die Wikipedia-Biografie sollte einfach wiedergeben, was dort steht. Andererseits haben auch diese Personen ein Recht auf Privatsphäre. Nur wenn ein Vorwurf oder Zwischenfall bedeutsam, und in solchen angesehenen Veröffentlichungen dokumentiert ist, gehört er in den Artikel, und zwar auch, wenn der Betroffene die Erwähnung ablehnt. (…) Grundsätzlich ist – wie bei jedem anderen in einem Artikel erwähnten Faktum – eine Prüfung der enzyklopädischen Relevanz notwendig. In Grenzfällen sollte die Daumenregel lauten "schädige niemanden".

Umgang mit Artikeln über sich selbst
Wir raten zwar davon ab, Artikel über sich selbst zu verfassen (siehe Wikipedia: Eigendarstellung), aber die Betroffenen sind eingeladen, Fehler zu verbessern und ungenaues oder unbelegtes Material zu entfernen. Wenn Sie eine Frage oder ein Problem mit einem Artikel über sich selbst haben, kontaktieren Sie uns bitte über einen der auf Wikipedia: Kontakt angegebenen Wege oder schreiben Sie auf die Diskussionsseite des Artikels. Angaben zum verantwortlichen Betreiber im juristischen Sinn finden Sie im Wikipedia: Impressum.


Wo Wikipedia in die Irre führte
Meist akkurat
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Falsche Namen
Der Freiherr zu Guttenberg hat viele Vornamen. Wilhelm gehört aber nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen eben auch den Wilhelm rein. Dieser Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber offenbar ungeprüft aus dem Online-Lexikon.
Falsche Verdächtigungen
Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang unwidersprochen online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen unter den Wikipedianern, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.
Politische Grabenkämpfe
Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen daher oft selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken, indem er die wenig schmeichelhafte Passage über ihren Spitznamen "Sarah Barracuda" löschte. Die Community sperrte den Eintrag zwischenzeitlich für Bearbeitungen.
Geschöntes Image
Auch Unternehmen haben immer wieder versucht, die Einträge über sich oder ihre Produkte zu schönen. Microsoft etwa löschte eine kritische Passage über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen.
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Bildersammlung und Zitate
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa
Wikimedia Commons
Wikimedia Commons ist eine Datenbank für Mediendateien - vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. Privatleute und öffentliche Einrichtungen haben mehr als 7,8 Millionen Dokumente zusammengetragen. Das Bundesarchiv stellte beispielsweise 100.000 historische Fotos zur deutschen Geschichte zur Verfügung. Aus diesem Fundus bebildern die Autoren ihre Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich darf aber jeder die Dateien herunterladen und benutzen, auch kommerziell: Die freie Verwendung ist Voraussetzung dafür, dass die Community die Bilder akzeptiert.
Wikiquote
In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Mehr als 7500 Artikel gibt es dort mittlerweile, sortiert nach Personen, Themen oder auch Filmen - bekanntlich eine ergiebige Quelle für Bonmots. Zitate von Schriftstellern oder Buchautoren sind allerdings auf zehn pro Person beschränkt, aus urheberrechtlichen Gründen. Anders ist es bei Politikern und Sportlern. Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder kommen ausführlich zu Wort.
Wiktionary
Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
Wikiversity
Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.


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