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15 Jahre deutsche Wikipedia: Unverzichtbar, allgegenwärtig, in Lebensgefahr

Am Mittwoch wird die deutsche Wikipedia fünfzehn Jahre alt. Kurt Jansson hat das Projekt von Beginn an begleitet und fürchtet: Ohne neue Autoren stirbt die Online-Enzyklopädie einen langsamen Tod.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Wikipedia-Website Zur Großansicht
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Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Wikipedia-Website

Zum Autor
Kurt Jansson
Kurt Jansson ist Wikipedia-Autor der ersten Stunde. Er war lange Jahre Pressesprecher des Projekts und von 2004 bis 2009 Erster Vorsitzender des Vereins Wikimedia Deutschland, derzeit ist er stellvertretender Vorsitzender. Seit 2008 arbeitet er für die SPIEGEL-Gruppe.
Am Anfang stand der Größenwahn. Wir wollten mit Wikipedia "das Wissen der Welt sammeln und jedermann zur Verfügung zu stellen", wie es der Gründer Jimmy Wales formulierte. Am Ende ist es "nur" eine Enzyklopädie geworden. Und doch so viel mehr als das.

Mich faszinierte Wikipedia von Anfang an auch als soziales Experiment. Denn die Idee ist ja verrückt: Jeder darf an jedem Artikel mitschreiben, einfach so, man wird sich schon irgendwie einig werden. Zunächst erschien das Konzept vielen als zu fragil, nur langsam konnten wir neue Freiwillige für die deutschsprachige Ausgabe begeistern. Es war eine wunderbar anarchische Zeit des Ausprobierens und Sich-selber-Findens, aber auch ein bisschen einsam.

Das änderte sich, als 2004 mehrere große Medien über das Projekt berichteten und die deutsche Wikipedia von neuen Autoren geradezu überrannt wurde. Die Gemeinschaft wuchs auf eine Größe, die über Jahre konstant blieb. Doch in den letzten Jahren setzte ein schleichender Rückgang der Autoren ein, der von uns Wikipedianern lange verdrängt wurde. Viele fragten sich, ob man das Dickschiff Wikipedia nicht auch mit einer kleineren Mannschaft auf Kurs halten könnte, jetzt, wo es doch zu all den wirklich wichtigen Themen schon Artikel gibt.

Neuer Minister in Georgien? Neue Erkenntnisse zu den Hopi?

Doch das wird nicht klappen. Der Kern der Community umfasst derzeit etwa tausend Autoren - nicht viel, wenn man sich den stetig wachsenden Artikelbestand vor Augen führt. Bald zwei Millionen Artikel müssen gepflegt werden: In Georgien ist ein Minister zurückgetreten? Im EU-Asylrecht wurde eine neue Verordnung erlassen? Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Hopi-Indianern wurden veröffentlicht? Immer muss sich jemand finden, der die entsprechenden Wikipedia-Artikel aktualisiert.

Und Millionen neuer Artikel wollen noch geschrieben werden: Allein zu dreihunderttausend Käferarten gibt es noch keinen Eintrag. Dazu kommen unzähligen Filme, Ortschaften, Gemälde, Sterne... Immerhin gibt es mit Wikidata einen Ansatz, wichtige Informationen zentral zu sammeln, damit Änderungen nicht mehr in jeder der 291 Wikipedia-Sprachausgaben einzeln vorgenommen werden müssen. Doch das grundsätzliche Problem, dass man nie weiß, ob man sich auf eine Angabe aus Wikipedia wirklich verlassen kann, ohne selbst recherchieren zu müssen, lässt sich so nicht beheben.

Rechercheure und verständliche Schreiber gefragt

Auch bei der Qualität ist noch Luft nach oben. Klar, fürs Infohäppchen zwischendurch reichen auch Artikel, die nur aus zwei Absätzen bestehen, keine Quellen angeben und neue Veröffentlichungen zum Thema aussparen. Doch für den Balanceakt, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen und gleichzeitig für ein allgemeines Publikum zugänglich zu bleiben, sind gründliche Rechercheure und verständliche Schreiber gefragt.

Neue Autoren werden also dringend gebraucht. Leider steht die Community dank ihrer teils rauen Umgangsformen nicht in dem Ruf, besonders offen für Neulinge zu sein. Andererseits gibt es viele Wikipedianer, die motivierte Neuautoren als Mentoren bei den ersten Schritten begleiten. Auch ist es viel einfacher geworden, Artikel zu verbessern: Bis vor wenigen Tagen mussten neue Autoren erst mal eine schwer verdauliche Auszeichnungssprache lernen - dank einer neuen Eingabemaske reichen jetzt auch Grundkenntnisse in Textverarbeitungssoftware.

Fotostrecke

7  Bilder
Online-Lexikon: Sieben Wikipedia-Anekdoten
Google Now, Siri, Cortana: Kondensat aus Wikipedia-Artikeln

Nicht nur an Schreibern mangelt es. Noch immer sind die allermeisten Wikipedia-Artikel öde Bleiwüsten, auch wenn es mittlerweile immer öfter Fotos zu sehen gibt. Doch Videos, Animationen und Audio-Aufnahmen, die frei lizenziert sind und darum in Wikipedia genutzt werden können, sind auch im Jahr 2016 noch immer große Ausnahmen, von interaktiven und 3D-Grafiken ganz zu schweigen. Ohne eine kritische Masse an Aktiven, die sich dieser Themen annehmen, wird Wikipedia gegenüber kommerziellen Plattformen weiter ins Hintertreffen geraten.

Wie lange Wikipedia ihre enorme Reichweite noch nutzen kann, um Leser zum Mitmachen zu motivieren, ist ungewiss. Denn die Enzyklopädie wird zunehmend indirekt konsumiert: Google zeigt aus Wikipedia stammende Basisinfos oft schon direkt neben den Suchergebnissen - wem das reicht, der spart sich den Klick zum Original. Und es ist abzusehen, dass persönliche Smartphone- und Computer-Assistenten wie Siri, Google Now und Cortana bald alltagstauglich sind und auf Zuruf ebenfalls ein Kondensat aus Wikipedia wiedergeben. Eigentlich wäre das nicht schlimm, denn Wikipedia verfolgt ja keine kommerziellen Interessen. Doch potenzielle Neuautoren lassen sich über diese Kanäle nicht mehr erreichen.

Darum soll in diesem Jahr mit einer großen Online-Kampagne um neue Autoren, Fotografen, Filmer und Entwickler geworben werden. Ich bin optimistisch, dass unter den 100 Millionen Menschen, die Deutsch als Muttersprache sprechen, viele Tausend sind, die sich für ein so fantastisches Unterfangen gewinnen lassen. Doch der Beweis steht noch aus.

Wikipedia ist auch angetreten mit der Idee, die Schranke zwischen den Erschaffern und den Konsumenten von Nachschlagewerken einzureißen. Das Web wäre spürbar ärmer, wenn dieser offene, dezentrale Ansatz verlorenginge. Darum: Warum sich nicht ein neues Hobby zulegen? "Ich bin Enzyklopädist" - klingt doch nicht schlecht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
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1. 15 Jahre Wikipedia deutsch
hasipapa 16.03.2016
15 Jahre Block-blockieren. Seit 15 Jahren versuche ich bei bestimmten Themen mich zu informieren und muß immer wieder feststellen, daß diese blockiert sind. Meistens fühlt es sich wie eine Propagandaschlacht, die von großen Meinungskonzernen kontroliert werden. Selbst Unwahrheiten, welche nach Meyers-Lexikon richtig bewiesen werden könnten, werden geblockt. Wikipedia-Deutsch: Ihr lest das, was wir wollen. Ihr denkt das, was wir schreiben. Ein Miteinander existiert nicht. Das sind meine Erfahrungen und Erlebnisse.
2. Von wegen...
spon-facebook-1402714339 16.03.2016
Ich habe schon x-mal einen Beitrag zu erweitern oder aktualisieren versucht. Allerdings ist es offensichtlich extrem schwer als Neuling vom selbstherrlichen Zirkel der "Authoren" nicht ständig wegen "mangelnder Relevanz" und ähnlichem ausgeschlossen zu werden. Nach 10 Versuchen in meinem Feld (Entwicklungsbiologie) die Wikipedia zu erweitern habe ich frustriert aufgegeben. Bei politischen Themen ist es noch deutlich krasser.
3.
DieButter 16.03.2016
Wäre ein großer Verlust für so manchen Journalisten. Leider werden wikipedia-Artikel aber nicht nur von Fachleuten verfasst, sondern können von Leuten mit wenig Fachkompetenz, die wissenschaftliche Inhalte nicht richtig zuordnen oder verstehen können, editiert oder erstellt werden. Wikipedia strotzt nur so vor Fehlern, vor allem das deutsche. Meilenweit sinnvoller wäre es dagegen einfach die englische Wiki zu übersetzen. Da sind weitaus weniger Fehler drin.
4. Wikipedia Autorencommunity? Asoziales Netzwerk träfe es besser.
pffft 16.03.2016
solange dort die Relevanzdiskussionsnazis das Sagen haben und Interessierte durch den "rauen" Ton (da ist nichts, aber auch gar nichts, dran zu beschönigen, das ist einfach asozial, wie dort kommuniziert und umgegangen wird) abgeschreckt werden, wird sich der Schwund nicht aufhalten lassen. Wer selbst einmal einen Artikel neu geschrieben und den Umgang dort erlebt hat, wird mir zustimmen. Ich habe mal einen Artikel über eine Person des Zeitgeschehens, Autor vieler Bücher, begonnen. Nach 2 Absätzen mal probehalber gespeichert, dann 30 Minuten weitergearbeitet. Innerhalb dieser Zeit wurde der Artikel als "Stub" und "unrelevant” gekennzeichnet und zur Löschung gelistet. Von einem knapp 18-jährigen, dessen Hauptinteressen der lokale drittklassige Fussballverein und die freiwillige Feuerwehr waren - und der von sonst nichts Ahnung hatte. Der aber "Autor" war (und mittlerweile nicht mehr ist). Summasummarum: Haben Sie Minderwertigkeitsgefühle? Können Sie nichts? Wollen Sie Macht ausüben und Leute quälen? Betreiben Sie ein Forum im Internet oder werden Sie Wikipedia-Autor mit Löschrechten. :-(
5.
Thomas Schnitzer 16.03.2016
"Doch in den letzten Jahren setzte ein schleichender Rückgang der Autoren ein, der von uns Wikipedianern lange verdrängt wurde." Hallo Kurt, da du wie ich WP-Autor bist nehme ich das übliche Du. Du erwähnst zwar in deinem Gastartikel hier, dass es aufgrund des rauen Tons schwierig ist neue Autoren zu finden, was im Übrigen voll und ganz zutrifft. Du verschweigst aber, dass auch der Schwund an Altautoren in großem Maß von den teilweise sehr selbstgerechten und völlig überprivilegierten Administratoren ausgelöst wurde und wird. Denn nach wie vor ist es in der Wikipedia aus meiner Sicht das größte Problem, dass die Themen einer political correctness unterliegen, die zwar nirgends erwähnt, aber allgegenwärtig ist. Da werden z.B. ganze Artikelreihen zu Studentenverbindungen gelöscht, weil es den überwiegend studentisch-linken Wikipedianern ein Dorn im Auge ist, dass diese Vereine existieren, während jeglicher Linksextremismus vollkommen ausgeblendet wird. Gleiches gilt für Artikel aus dem Bereich Feminismus. Da haben einige wenige Autorinnen mit ihren befreundeten Admins es geschafft dafür zu sorgen, dass Feminismuskritik in Wikipedia keine Chance bekommt, sei sie noch so sachlich und fundiert. Aber auch im Bereich der sachlichen Angaben entstehen durch Leute, die es mit der political correctness übertreiben einfach falsche Artikel. So wird dann ein Artikel über den Kaffernbüffel aufgrund des enthaltenen beleidigenden Wortes "Kaffer" erst zum Artikel über "Afrikanische Büffel", die es nicht gibt, und wenn das jemand moniert, wird er einfach solange von irgendeinem Admin mit persönlicher Meinung dazu gesperrt, bis er aufgibt. Und jetzt mal ganz offen: Wenn es endlich mal unterbunden würde, dass Leute dort ihre Privatkampagne zur Änderung der Gesellschaft durchziehen können, weil sich immer die gleichen immer wieder wählen, dann müsstest du nicht im Spiegel nach Autoren betteln gehen. Insofern, werter Kollege mit mehr Einfluss als ich ihn habe, kehrt erstmal vor der Tür, vielleicht kommt dann auch wieder jemand herein.
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Wikipedia-Richtlinien: "Schädige niemanden"
Schreibstil
Du solltest in neutraler, unzweideutiger Weise dokumentieren, welche verlässlichen unparteiischen Quellen über den Betroffenen veröffentlicht haben und gegebenenfalls auch, was die Person über sich selbst veröffentlicht hat. Der Schreibstil soll neutral, faktenorientiert und zurückhaltend sein. Es sollten weder hagiografische noch sensationsheischende Töne vorkommen. (…) Wenn du über ein negatives Ereignis schreibst, berücksichtige auch entlastende Informationen, bemühe dich immer um Ausgewogenheit.

Verlässliche Belege
Ohne glaubwürdige Belegangaben ist die Biografie wahrscheinlich Theoriefindung. Im Artikel angegebene Informationen müssen daher unbedingt für jeden einfach zu verifizieren sein. Informationen, die nur auf parteiischen Web-Seiten oder in obskuren Zeitschriften veröffentlicht sind, sollten mit Vorsicht behandelt und nicht verwendet werden, wenn sie tendenziös sind. Informationen aus Büchern und Zeitungen im Selbstverlag, oder von privaten Web-Seiten/Blogs sollten nie benutzt werden, außer sie stammen vom Betroffenen selbst.

Personen des öffentlichen Lebens
Über öffentlich bekannte Personen gibt es in der Regel eine Vielzahl von verlässlichen Quellen, und die Wikipedia-Biografie sollte einfach wiedergeben, was dort steht. Andererseits haben auch diese Personen ein Recht auf Privatsphäre. Nur wenn ein Vorwurf oder Zwischenfall bedeutsam, und in solchen angesehenen Veröffentlichungen dokumentiert ist, gehört er in den Artikel, und zwar auch, wenn der Betroffene die Erwähnung ablehnt. (…) Grundsätzlich ist – wie bei jedem anderen in einem Artikel erwähnten Faktum – eine Prüfung der enzyklopädischen Relevanz notwendig. In Grenzfällen sollte die Daumenregel lauten "schädige niemanden".

Umgang mit Artikeln über sich selbst
Wir raten zwar davon ab, Artikel über sich selbst zu verfassen (siehe Wikipedia: Eigendarstellung), aber die Betroffenen sind eingeladen, Fehler zu verbessern und ungenaues oder unbelegtes Material zu entfernen. Wenn Sie eine Frage oder ein Problem mit einem Artikel über sich selbst haben, kontaktieren Sie uns bitte über einen der auf Wikipedia: Kontakt angegebenen Wege oder schreiben Sie auf die Diskussionsseite des Artikels. Angaben zum verantwortlichen Betreiber im juristischen Sinn finden Sie im Wikipedia: Impressum.


Wo Wikipedia in die Irre führte
Meist akkurat
Viele Wikipedia-Artikel sind genau so akkurat wie ihre Gegenstücke im Brockhaus oder der Encyclopaedia Britannica. Die Autorengemeinschaft pflegt aktuelle Ereignisse nicht selten binnen kürzester Zeit ein und bügelt Fehler meist schnell wieder aus. Wenn die "Weisheit der Vielen" versagt, kann es allerdings zu peinlichen Pannen kommen.
dpa
Falsche Namen
Der Freiherr zu Guttenberg hat viele Vornamen. Wilhelm gehört aber nicht dazu. Als der CSU-Politiker im Februar 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein anonymer Scherzbold in dessen Wikipedia-Biografie neben den zahlreichen anderen Namen eben auch den Wilhelm rein. Dieser Fehler stand zwar nicht lange auf der Seite, zahlreiche Medien übernahmen ihn aber offenbar ungeprüft aus dem Online-Lexikon.
Falsche Verdächtigungen
Der amerikanische Journalist John Seigenthaler stellte im September 2005 schockiert fest, dass ihm in der Wikipedia eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy und dessen Bruder Bobby unterstellt wurde. Die Behauptung stand monatelang unwidersprochen online. Der Fall führte zu heftigen Kontroversen unter den Wikipedianern, wie das Lexikon zuverlässiger werden kann.
Politische Grabenkämpfe
Die Parteizentralen messen Wikipedia große Bedeutung zu - und legen daher oft selbst Hand an. 2007 wurde von einem Rechner der hessischen CDU-Zentrale aus der Eintrag über den grünen Landespolitiker Tarek Al-Wazir bearbeitet. Die Union verwies auf einen Praktikanten. Ein Jahr später versuchte ein unbekannter Autor, die US-Politikerin Sarah Palin in ein besseres Licht zu rücken, indem er die wenig schmeichelhafte Passage über ihren Spitznamen "Sarah Barracuda" löschte. Die Community sperrte den Eintrag zwischenzeitlich für Bearbeitungen.
Geschöntes Image
Auch Unternehmen haben immer wieder versucht, die Einträge über sich oder ihre Produkte zu schönen. Microsoft etwa löschte eine kritische Passage über die Fehleranfälligkeit seiner Spielkonsole Xbox 360. Der Ölkonzern Chevron-Texaco ließ gleich einen ganzen Text über Biodiesel verschwinden. Die Manipulationen fielen aber auf - ein Instrument namens Wikiscanner konnte die Veränderungen auf die Anbieter zurückführen.
Die kleinen Geschwister der Wikipedia
Bildersammlung und Zitate
Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
dpa
Wikimedia Commons
Wikimedia Commons ist eine Datenbank für Mediendateien - vor allem Fotos, aber auch Videos, Landkarten und Grafiken. Privatleute und öffentliche Einrichtungen haben mehr als 7,8 Millionen Dokumente zusammengetragen. Das Bundesarchiv stellte beispielsweise 100.000 historische Fotos zur deutschen Geschichte zur Verfügung. Aus diesem Fundus bebildern die Autoren ihre Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich darf aber jeder die Dateien herunterladen und benutzen, auch kommerziell: Die freie Verwendung ist Voraussetzung dafür, dass die Community die Bilder akzeptiert.
Wikiquote
In Wikiquote sammeln die Nutzer Zitate von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Mehr als 7500 Artikel gibt es dort mittlerweile, sortiert nach Personen, Themen oder auch Filmen - bekanntlich eine ergiebige Quelle für Bonmots. Zitate von Schriftstellern oder Buchautoren sind allerdings auf zehn pro Person beschränkt, aus urheberrechtlichen Gründen. Anders ist es bei Politikern und Sportlern. Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder kommen ausführlich zu Wort.
Wiktionary
Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
Wikiversity
Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.


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