Biometrie Für Windows 10 braucht man kein Passwort mehr

Anwender von Windows 10 brauchen sich keine Passwörter mehr zu merken. Stattdessen sollen sie sich beispielsweise per Fingerabdruck ausweisen. Das soll mehr Komfort und Sicherheit bringen - wenn die Hardware mitspielt.

Fingerabdruck (Symbolbild): Kann in Windows 10 Passwörter ersetzen
Corbis

Fingerabdruck (Symbolbild): Kann in Windows 10 Passwörter ersetzen


Für Windows 10 haben sich Microsofts Entwickler ein paar neue Sicherheitsfunktionen ausgedacht. Wer sich nach dem Hochfahren beim System anmelden will, soll das nicht mehr nur mit seinem Passwort erledigen können. Entsprechende Sensoren am Gerät vorausgesetzt kann sich der Anwender per Fingerabdruck, Irisscan oder Gesichtserkennung authentifizieren.

Microsoft-Manager Joe Belfiore schreibt im Windows-Blog über die Windows Hello und Passport genannten Funktionen: "Sie - einzig Sie - und Ihr Gerät sind die Schlüssel zu Windows, zu Apps, Daten und selbst Websites und Dienstleistungen. Nicht eine zufällige Mischung aus Buchstaben und Zahlen, die leicht vergessen, gehackt, aufgeschrieben und ins Internet gestellt werden kann."

Die weit entwickelten Fähigkeiten von Hackern und Online-Kriminellen hätten das Konzept von Passwörtern an sein Ende geführt. Unternehmen, Banken, Regierungsbehörden, niemand sei mehr sicher. Daran würde auch die Verwendung von unterschiedlichen Passwörtern für verschiedene Websites nichts ändern.

Die Verwendung von biometrischen Körpermerkmalen dagegen könne für zusätzliche Sicherheit sorgen, weil diese Merkmale unverwechselbar seien. Die Technik von Windows Hello komme ohne Passwörter aus, verlasse sich auf die einzigartigen körperlichen Merkmale des Anwenders.

Die Hardware muss es können

Allerdings müssen für eine erfolgreiche Authentifizierung biometrische Musterdaten vorhanden sein, die einen Abgleich ermöglichen. Befürchtungen, Hacker könnten sich Zugriff auf diese biometrischen Signaturen verschaffen und damit das ganze System aushebeln, versucht Belfiore zu zerstreuen. Die Daten seien auf dem jeweiligen Gerät gespeichert und nur dort.

Mit Windows Hello soll auch Passport eingeführt werden. Dieses System soll es Anbietern von Webseiten oder Apps ermöglichen, das biometrische Windows-Login ebenfalls zu nutzen. Statt mit einem Passwort könnte man sich dann mit seinem Fingerabdruck oder ähnlichem bei einem Internetdienst anmelden.

Bis die neue Funktion größere Verbreitung findet, dürfte es jedoch noch eine Weile dauern. Um Windows Hello nutzen zu können, muss das jeweilige Gerät mit entsprechender Hardware, also etwa einem Fingerabdruckscanner oder einer Infrarotkamera, ausgerüstet sein. Die meisten Smartphones, Tablets und PC würden derzeit aber ohne derartige Technologie ausgeliefert, merkt "Cnet" an.

Derzeit sei mit Intels Real-Sense-3D-Kamera ein Kamerasystem auf dem Markt, das immerhin schon in einigen PC verbaut sei, so die Tech-Seite "Ars Technica". Fingerabdruckscanner, die auf Unternehmensrechnern durchaus verbreitet seien, würden im Bereich privater Computer jedoch noch ein Nischendasein führen. Von den Windows-10-tauglichen Smartphones sei kein einziges mit einem solchen Scanner bestückt.

So sieht Windows 10 aus
Matthias Kremp

Das neue Startmenü: In ähnlicher Form wie hier in der zweiten Windows-10-Vorabversion gab es das auch schon in der ersten Preview-Version. Im Grunde ist es eine Mischung aus altem Startmenü und der Kacheloptik von Windows 8.

Matthias Kremp

Darf es auch ein bisschen mehr sein? Neu ist, dass man das Startmenü per Mausklick jetzt bildschirmfüllend vergrößern kann. Das ähnelt sehr dem Erscheinungsbild von Windows 8 und ist vor allem auf Tablets nützlich. Vom Desktop aus lässt sich die vollflächige Darstellung auch über die Windows-Taste aktivieren.

Matthias Kremp

Settings: In erster Linie heben sich die Systemeinstellungen von Windows 10 optisch durch eine feinere Grafik von denselben Funktionen in Vorversionen ab.

Matthias Kremp

Wo soll es hin? Nutzer von Windows-Smartphones kennen diese Funktion bereits: Per Storage Sense kann man Dateien je nach Dateityp an unterschiedlichen Orten speichern lassen.

Matthias Kremp

Alles auf Anfang! Oder lieber doch nicht? Windows 10 bietet verschiedene Möglichkeiten, das Betriebssystem aufzufrischen oder zu einer vorherigen Version zurückzukehren, ohne dass dabei Daten verloren gehen.

Matthias Kremp

Mehr Privatsphäre: In den Privatsphäre-Einstellungen lässt sich sehr kleinteilig festlegen, welche Apps beispielsweise Mikrofon und Webcam nutzen dürfen und welche die Standortinformationen.

Matthias Kremp

Individualisierung: Für viele Anwendungen lässt sich einstellen, welche App das System als Standard verwenden soll. Ist keine alternative App vorhanden, kann man sich passende Apps im Windows Store anzeigen lassen.

Matthias Kremp

Windows-Explorer: Eine etwas aufgefrischte Optik sorgt für ein moderneres Erscheinungsbild. Zwischen unterschiedlichen Darstellungsgrößen kann man mit der Tastenkombination STRG-SHIFT-Zahl umschalten.

Matthias Kremp

Mittendrin: Microsofts Online-Speicher OneDrive ist in Windows 10 so tief integriert, dass er sich fast wie eine lokale Festplatte nutzen lässt.

Matthias Kremp

Benachrichtigungszentrum: Das sogenannte Notification Center informiert über aktuelle Systemmeldungen, neue Nachrichten und anstehende Termine. Auch Drittanbieter-Apps können diesen Platz nutzen.

Matthias Kremp

Neuer Windows Store: Parallel zu Microsofts etablierten Onlineshop wird in der neuen Windows-10-Version die Betaversion einer überarbeiteten Variante angeboten.

Matthias Kremp

Spielkram: Beim ersten Aufruf der neuen Xbox-App wird man unmissverständlich darauf hingewiesen, dass diese Software noch nicht fertig ist. Updates sollen aber regelmäßig eingespielt werden.

Matthias Kremp

Der Beweis: Schon beim kurzen Ausprobieren der Xbox-App zeigt sich, welche großen Lücken darin noch klaffen. Beim Aufruf vieler Funktionen erscheint nur der Hinweis, diese würden "bald kommen".

Matthias Kremp

Gut synchronisiert: Die Photos-App von Windows 10 erinnert an ihr Pendant auf Windows-Smartphones, mit dem die Bildbestände via Cloud abgeglichen werden. Auch hier klaffen noch viele Funktionslücken.

Matthias Kremp

Da geht schon was: Grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen lassen sich mit der Photos-App schon ausprobieren.

Matthias Kremp

Wissen was geht: Die Karten-App von Windows 10 basiert auf Nokias Here-Maps und zeigt deshalb dieselben Kartendaten und Verkehrsinformationen an, die man auch in den Here-Apps für Smartphones zu sehen bekommt.

Matthias Kremp

Schiefes Bild: Auch eine perspektivische Ansicht bietet die Karten-App. Leider scheinen die Kartendaten nicht überall aktuell zu sein. Die hier eingezeichnete Tankstelle beispielsweise, gibt es schon seit Jahren nicht mehr.

Matthias Kremp

Ein bisschen spartanisch: Grundsätzlich wird Windows 10 noch mit dem Internet Explorer ausgeliefert. Indem man in dessen Adresszeile about:flags eintippt und dann die "Experimental Web Platform Features" auf "Enabled" stellt, kann man aber immerhin schon die dem künftigen Microsoft-Browser zugrundeliegende Trident-Engine aktivieren - auf eigene Gefahr.

Matthias Kremp

Zum Plappern: In die US-Variante von Windows 10 ist bereits eine Vorabversion der sprachgesteuerten Assistenzfunktion Cortana integriert.

Matthias Kremp

Verkehrte Wahrnehmung: Bei manchen Fragen, die man an Cortana richtet, merkt man eindeutig, dass die Software sich auf einem Smartphone wähnt. Hier haben wir gefragt: "What's up?" Cortana gab es bisher nur auf Windows-Smartphones.

Matthias Kremp

Basiswissen: Grundsätzlich lässt sich Cortana mit fast beliebigen Fragen testen. Nicht immer aber erhält man so konkrete Antworten wie hier auf die Frage, wie viele Liter eine US-Gallone sind.

Matthias Kremp

Weiterführende Antwort: Bei manchen komplexen Fragen verweist Cortana nur auf eine Websuche per Bing. Das System steckt eben noch in der Entwicklungsphase.

Matthias Kremp

Ein wenig Humor: Auch auf die Frage, wer denn wohl Siri - Apples Gegenstück zu Cortana - ist, hat das System eine Antwort. Wenn auch eine nur teilweise ernst gemeinte.

meu

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
m_s@me.com 18.03.2015
1.
Ein Fingerabdruck kann den Schlüsselbund beziehungsweise genauer gesagt das dort hinterlegte Passwort freischalten. Es ist aber irreführend zu sagen, dass man kein Passwort braucht. Ein Fingerscanner funktioniert nämlich nicht immer in der Praxis, das hat etwas mit der Lebensrealität des Anwenders zu tun, der z.B. nasse Hände haben kann. Oder hat ein Pflaster auf dem Finger. Dann kann man natürlich seinen Account mit dem dort hinterlegten Passwort freischalten. Alles andere wäre ziemlich fatal: Läge da kein Passwort, wäre der Rechner je nach Zustand des Fingers unbrauchbar und wäre gesperrt.
buschgespenst 18.03.2015
2.
Ich wage zu bezweifeln, dass die Fingerabdruckmethode sicherer als die Passwortvariante ist. Zum einen hinterläßt man tagtäglich seine Fingerabdrücke. Wer will, kommt da ran und kann sie sich klauen. Türklinken, Gläser, Tassen, Computermaus, etc ... Zum anderen würde ich einem System (und damit ja dem Hersteller und im Grunde dem ganzen world wide web) meine Fingerabdruckdaten geben. Das halte ich gelinde gesagt nicht für schlau!
CaptainSubtext 18.03.2015
3.
"Die Daten seien auf dem jeweiligen Gerät gespeichert und nur dort. Mit Windows Hello soll auch Passport eingeführt werden. ... Statt mit einem Passwort könnte man sich dann mit seinem Fingerabdruck oder ähnlichem bei einem Internetdienst anmelden." Die Daten sind nur auf dem Gerät gespeichert ich brauche sie aber nochmal um mich bei Internetdiensten anmelden zu können. Hexerei? Oder habe ich was verpasst?
romanpg 18.03.2015
4. neuheit?
Und was soll daran jetzt die große Neuheit sein? Das gab's vor etlichen Jahren schonmal, als Windows Vista eingeführt wurde. Damals hatte auch jeder Laptop einen Fingerabdruckscanner. Wirklich durchgesetzt hatte sich das damals aber wohl nicht.
cor 18.03.2015
5. Unsicher
Jeder hat nur einen Fingerabdruck, den man nicht ändern kann. Wenn die Fingerabdruck-Daten also einmal irgendwo im Netz landen, war es das also mit der Sicherheit. Mal abgesehen davon wurde schon mehrfach gezeigt, wie einfach es ist, Fingerabdrücke zu kopieren. Nicht nur von Gegenständen, die man berührt hat, sondern auch per Kamera: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/31c3-hacker-warnen-vor-fingerabdruck-sicherungen-a-1010493.html
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