WM-Ticketverkauf Verbraucherschützer mahnen DFB zum zweiten Mal ab

Wegen des Ticket-Bestellformulars für die WM 2006 hat der DFB eine Abmahnung erhalten. Verbraucherschützer kritisieren, dass darauf der Eindruck erweckt werde, dass Fans der Weitergabe ihrer Daten zu Werbezwecken zustimmen müssten, um an Karten zu kommen.


Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) zeigt dem DFB in Sachen WM-Tickets schon zum zweiten Mal die rote Karte. Anfang der Woche monierten die Verbraucherschützer zunächst die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des DFB.

Kartenbesteller müssen darin unter anderem bei Film- und Fotoaufnahmen im Stadion der Verwendung ihres Bildes und ihrer Stimme "unwiderruflich" und "für alle gegenwärtigen und zukünftigen Medien" zustimmen. Dies halten die Verbraucherschützer für einen Verstoß gegen das Bürgerliche Gesetzbuch.

Nicht rechtmäßig ist in den Augen des VZBV außerdem die Ticketpreis-Erstattung, falls Spiele verlegt werden. Diese entfällt laut AGB, wenn es für den Kartenbesitzern "zumutbar" ist, ein verlegtes Spiel zu besuchen. Beim DFB wies man die Vorwürfe zurück und erklärte, die AGB-Bestimmungen seien rechtskonform. Fifa-Pressesprecher Gerd Graus erklärte gegenüber der "Berliner Morgenpost", dass das Organisationskomitee "die AGBs vor dem Start des Kartenverkaufs dem Verbraucherschutz-Ministerium vorgelegt" habe.

Jetzt hat der VZBV dem DFB eine zweite Abmahnung zugestellt. Sie bezieht sich auf das Bestellformular, das man seit 1. Februar im Internet herunterladen kann. Mit dem Formular können WM-Karten per Fax oder Post geordert werden.

Nach Meinung der Verbraucherschützer wird auf dem Formular der Eindruck erweckt, dass die Fans der Weitergabe ihrer Daten zu Werbezwecken zustimmen müssen, damit ihre Kartenbestellung überhaupt bearbeitet wird. Das hält der Verband für einen Verstoß gegen das Transparenzgebot und eine unangemessene Benachteiligung der Kunden.

Zuvor hatten bereits Datenschützer das Bestellverfahren heftig kritisiert. Vor allem die zwingende Angabe von Geburtsdatum und Ausweisnummer durch jeden Besteller halten sie für zu weit gehend. Das Innenministerium hält ihre Erfassung für zwingend notwendig.

Der DFB hat bis zum 14. Februar Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben und das Bestellformular zu ändern. Andernfalls will der VZBV Klage erheben. Am 14. Februar endet auch die Frist für die erste Abmahnung der Verbraucherschützer, in der es um die AGBs geht.

Die Fans scheinen sich an den AGBs und dem Bestellformular wenig zu stören. Bereits zwei Tage nach dem Start der Ticket-Lotterie zur Fußball-WM 2006 haben die weltweiten Buchungen die Milliongrenze überschritten. "Der Ansturm ist gewaltig und sehr positiv. Die meisten Fans wollen beim Finale dabei sein, doch insgesamt verteilen sich die Bestellungen auf alle 64 Spiele", sagte Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Organisationskommitees. "Es bleibt dabei, dass wir in der ersten Phase bis zum 31. März alle Bestellungen sammeln. Es hat als noch niemand etwas verpasst." Die Ticket-Bestellungen stammen aus weit über 100 Länder.

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