Von Frank Patalong
Die Ergebnisse wiesen durchweg auf einen positiven Effekt des DSL-Anschlusses - also der intensiveren Internetnutzung - auf soziale Kontakte und gesellschaftliches Engagement hin. "In keinem einzigen Fall der zahlreichen untersuchten Aspekte des Sozialverhaltens finden sich Belege für negative Effekte eines Internetzugangs", erläutert Bauernschuster.
Die neuen Befunde belegten erstmals, dass das Internet das sogenannte Sozialkapital zumindest nicht zerstört, sondern sogar eher fördert: Statt Tätigkeiten zu verdrängen, bei denen die Möglichkeit zu persönlichen Kontakten zwischen Menschen im Mittelpunkt steht, erhöht es der Studie zufolge das gesellschaftliche Engagement und die sozialen Kontakte. Das Internet stelle ja auch vielfältige Informationen über soziale Veranstaltungen und gesellschaftliches Engagement zur Verfügung und erleichtere so die Kommunikation. "Das Internet verbindet Menschen und macht aus ihnen im Durchschnitt kontaktfreudigere, sozial und politisch engagiertere Menschen", fasst Falck zusammen.
Kommunikation und Information fördern Aktivität
Tatsächlich spielen Internet-Kommunikationsstrukturen beispielsweise bei der Entstehung und Koordination bürgerlichen Engagements im politischen Raum seit Jahren eine nicht zu unterschätzende Rolle: Man denke nur an den vor allem aus dem Web heraus kommunizierten Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung oder die sogenannten Kinderpornografie-Sperrlisten, bei denen diese Web-Bürgerbewegung binnen weniger Wochen in die bisher größte Petition an den Bundestag mündete. Die Protestkultur von Attac bis hin zu Stuttgart 21 stützt sich seit mehr als einem Jahrzehnt ganz selbstverständlich auf Web und Handys.
Doch das ist nur eine Facette. Signifikant an der ifo-Studie sind vor allem zwei Dinge: Web-Nutzung hat keinen negativen Einfluss auf sogenannte Face-to-Face-, also persönliche Sozialkontakte (außer mit Verwandten: Web-Nutzer haben weniger Verwandtschafts-, aber mehr Bekanntschaftskontakte). Und: Der Vergleich zwischen DSL- und Nicht-DSL-Land zeigt, dass Onliner aushäusig aktiver sind und über einen deutlich größeren Kreis nichttiefgehender Sozialkontakte verfügen (landläufig: "Bekannte"), ohne aber über eingeschränkte tiefgehende Sozialkontakte klagen zu müssen (landläufig: "Freunde").
Platt gesagt kennen Onliner also mehr Menschen und pflegen Kommunikation mit ihnen - das Web fördert somit die Vernetzung der Gesellschaft. Natürlich gibt es messbare Vereinsamungstendenzen, wenn man diese anhand pathologischer Fälle studiert: Online- oder Spielesüchtige etwa, deren Isolation mit oft exzessiver Web-Nutzung korreliert. Doch wo ist hier die Henne, wo das Ei?
"Unsere Ergebnisse", schreiben Bauernschuster, Falck und Wößmann abschließend, "legen nahe, dass das Internet tatsächlich einen ursächlichen positiven Effekt auf das Sozialkapital der Menschen hat und sie im Durchschnitt nicht zu kontaktarmen Sonderlingen macht."
Wer es nicht nutzt, erlebt seine positiven Effekte auch nicht. Offliner, könnte man da behaupten, sind also einsamer.
Die Studie von Bauerschuster, S., Falck, O., Woessmann, L., "Schadet Internetnutzung dem Sozialkapital?" steht inzwischen zum Download bereit (PDF)
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