Fake-Verlosungen auf Facebook Surfen Sie weiter, hier gibt es keinen Wohnwagen zu gewinnen

Bei Facebook behaupten Betrüger, dass sie ein Luxus-Wohnmobil verlosen - und sammeln Zehntausende Likes. Der Trick funktioniert nicht zum ersten Mal.

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Es ist eine beliebte Masche bei Facebook, auf die immer wieder Zehntausende von Nutzern hereinfallen: Eine Seite verlost augenscheinlich einen Wohnwagen unter den Mitgliedern des sozialen Netzwerks. Damit sie eine Chance auf das Fahrzeug haben, müssen sie angeblich nur einen hübsch bebilderten Beitrag liken und kommentieren. Doch bei solchen Angeboten gibt es unter den Teilnehmern am Ende nur Verlierer: Die einzigen Gewinner sind Betrüger, ihre Verlosung ist ein Fake.

Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie erfolgreich solche Trickseiten noch immer sind, vielen Warnungen zum Trotz. Die Seite "Caravan Deutschland" hat bisher nur einen einzigen Beitrag veröffentlicht. Zehn Fotos vom Innenraum eines Wohnwagens sind darin verlinkt, dazu heißt es: "Gewinne zum 10. November ein traumhaftes Wohnmobil im Gesamtwert von 59.959 Euro".

Es gelte, auf "Gefällt mir" zu drücken und den Beitrag zu kommentieren, so die vermeintlichen Bedingungen. Und wenn man den Beitrag teilt, soll sich die Gewinnchance sogar verdoppeln. Das Ganze findet zahlreiche Interessenten - obwohl Gewinnspiele dieser Art bei Facebook verboten sind.

Seit dem 1. November, an dem das Posting veröffentlicht wurde, haben den Beitrag bereits knapp 60.000 Nutzer geteilt. Er wurde 50.000 Mal mit "Gefällt mir" markiert und mehr als 40.000 Mal kommentiert. Dabei gibt es einige Hinweise, die stutzig machen sollten (siehe auch Fotostrecke).

Das Wohnmobil ist viel mehr wert

Denn alleine die Angaben zum Wohnmobil sind völlig falsch. Die Bilder stammen vom Hersteller selbst und zeigen Bilder eines Fahrzeugs, das in einer ganz anderen Preisklasse zu finden ist. Das knapp zwölf Tonnen schwere Wohnmobil auf den Bildern ist so riesig, das sogar ein Smart im Heck geparkt werden kann. Tatsächlich hat das abgebildete Wohnmobil einen Wert von mehr als 350.000 Euro.

Fotostrecke

6  Bilder
Trickbetrüger auf Facebook: So erkennt man ein Fake-Gewinnspiel

Doch das ist nicht das einzige Indiz für einen Gewinnspiel-Nepp. Auch die Geschichte der Seite deutet darauf hin, dass es sich um keinen seriösen Anbieter handelt. Unter der Rubrik "Seiteninfos" lässt sich nachvollziehen, wie lange die Seite schon existiert und welche Namen sie schon hatte. Dabei zeigt sich, dass "Caravan Deutschland" vorher nach dem Baumarkt "Toom" benannt war und erst am 14. September erstellt worden ist.

Ein Impressum geben die Seitenbetreiber nicht an. Auch eine Telefonnummer fehlt, genau wie eine E-Mail-Adresse. Lediglich per Facebook-Messenger kann man eine Nachricht an die Betreiber schicken. Auf die Botschaften reagiert jedoch niemand.

Ein Warnzeichen ist oft auch die Anzahl der Fans einer Seite, wobei sie in diesem Fall kein eindeutiger Beleg dafür ist, dass es sich um eine Seite von Betrügern handelt. Die Seite "Caravan Deutschland" wurde von mehr als 13.000 Nutzern mit "Gefällt mir" markiert. Ob erst das (Fake-)Gewinnspiel so viele Fans angelockt hat oder die Abonnenten gekauft worden sind, lässt sich im Nachhinein kaum herausfinden.

Betrüger verkaufen die Seite oder sammeln Nutzerdaten

Was die Betrüger vom Ansturm der Nutzer haben, ist nicht ganz klar. Meistens steckt ein arglistiges Geschäft dahinter. Eine Möglichkeit ist, dass die Betrüger mit einer gewissen Anzahl von Fans einfach das Seiten-Profilbild austauschen und die Seite umbenennen. Denn Tausende von Fans sind durchaus etwas wert: Entweder wird die Seite dann an einen anderen Betreiber verkauft oder als Werbeschleuder benutzt.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Nutzer später per Facebook-Messenger angeschrieben werden. Auf diesem Weg könnten die Seitenbetreiber unter dem Vorwand, den Gewinn überreichen zu wollen, die Adressdaten der Anwender sammeln oder über einen Link auf eine manipulierte Website Nutzernamen und Passwörter ergaunern.

Facebook ist nahezu machtlos gegen die Trickbetrüger. Es gibt zwar klare Regeln, was Gewinnspiele im Netzwerk betrifft. Doch wie in diesem Fall sind solche Gewinnspiel-Nepps nur auf wenige Tage ausgelegt. Bis Mitarbeiter des sozialen Netzwerks auf Regelverstöße reagieren können, sind Aktionen oft schon wieder beendet, Postings gelöscht und die Seiten tragen einen neuen Namen.

Letztlich bleibt daher nur der Rat: Wenn auf Facebook jemand angeblich ein Wohnmobil zu verschenken hat, sollten Sie aus Prinzip skeptisch sein - und sich das Liken, das Kommentieren oder Teilen des Beitrags einfach sparen.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
timtom2222 09.11.2018
1.
Die Aussage vom Mitglied Aurichter kann ich nur bestätigen. Allerdings kann der Seitenbetreiber oder derjenige der einen Link geteilt hat auch Komentare Löschen. Facebook ist ein reines Propaganda und Werbe Netzwerk! Beiträge egal welcher Art die der Profil Inhaber nicht haben verschwinden.
Seb85 13.11.2018
2.
Witzigerweise funktioniert das in alle Richtungen. Das kann man vom "braunen AfD-Ork" bis zum "linksgrünversifften Gutmenschen" beobachten. Sobald man eine Meinung vertritt, die an der jeweiligen Stelle nicht gängig ist, wird angefangen zu melden. Es gibt heutzutage (mMn) keinen vernünftigen Meinungsautausch in sozialen Platformen mehr. Jeder, der sich von anderen nicht bestätigt sieht, schreit nach Löschung und/oder Sperrung. Möglicherweise gäbe es weniger Extreme, wenn kontroverse Meinungen ausdiskutiert, oder zumindest nicht wegzensiert, würden.
jasi_groeneveld 14.11.2018
3. Sollen doch mal die anderen machen...?
Wo man hinhört wird über Facebook, Google und Co. gemeckert. Nur aktiv ändern möchte wohl niemand etwas. Das sollen doch schön „die anderen“ machen. Lustigerweise gibt es „die anderen“ sogar. Es gibt tatsächlich ein alternatives Netzwerk, das gemeinnützig ist und nicht gewinnorientiert, das die Daten der Nutzer schützt, anstatt sie meistbietend zu verhökern, das die Menschen nicht so lange wie möglich vor dem Bildschirm halten, sondern sie von der Information in die Aktion bringen will, sozusagen die gemeinnützige Antwort auf Facebook. Dieses Netzwerk wird weder von Konzernen noch von Steuergeldern finanziert; es ist rein crowdfinanziert und daher auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen. Genau darin liegt die Herausforderung. Der Name dieses wundervollen Netzwerks ist Human Connection und ich bin mir sicher, die wenigsten, die diese Zeilen lesen, haben jemals davon gehört. Die großen Medien berichten nicht darüber, obwohl sie alle ausgiebig mit Information beliefert wurden und somit hat Human Connection eine viel zu geringe Reichweite, um genügend Menschen zu erreichen. Momentan ist eine Alpha-Testversion online mit knapp 4.000 Nutzern. Jeder Spender wird dazu eingeladen, bei dieser Testversion mitzumachen. Die öffentliche Beta-Version ist für 2019 geplant und wird für alle kostenfrei sein. Wenn man sich mal die Mühe macht, sich über dieses außergewöhnliche Netzwerk zu informieren, merkt man schnell: Das hat nichts mit den üblichen sozialen Netzwerken zu tun. Die Menschen sollen nicht stundenlang ihre Zeit verschwenden, sondern sich gezielt über Themengebiete, die man sowohl beim Posten als auch beim Lesen auswählen kann, informieren und dann aber auch in die Aktion kommen. Ein Netzwerk für Macher und Menschen, die die Welt zum Positiven verändern wollen. Das wollen wir doch alle. Wollen wir das wirklich? Oder sollen es erstmal die anderen machen? Meiner Meinung nach sollte man einem Projekt, an das man glaubt, einen Vertrauensvorschuss geben. Natürlich sind in einer Testversion noch nicht alle Funktionen verfügbar. Selbstverständlich gibt es noch „Kinderkrankheiten“ und Fehler. Na und? Wenn man etwas ändern will - und offensichtlich sind sehr viele Menschen mit Facebook & Co nicht mehr zufrieden - dann muss man irgendwann den ersten Schritt gehen. Den ersten Schritt zu einem fairen, ehrlichen sozialen Netzwerk, das von Menschen für Menschen ist. Hier gibt es keine Algorithmen; jeder bestimmt selbst, was er sehen will. Jeder, der Kinder hat - ich habe übrigens vier wundervolle Kinder -, hat auch eine Verantwortung für die Zukunft. Was möchten wir unseren Kindern denn für Werte mitgeben? Was für eine Zukunft möchten wir ihnen ermöglichen? Will ich, dass meine Kinder ihre wertvolle Lebenszeit online verschleudern? Dieses Projekt hat das Potenzial, die Welt zum Positiven zu verändern; da bin ich vollkommen überzeugt. Ich wünsche mir, dass viele Menschen sich Human Connection (www.human-connection.org) anschauen und für sich selbst entscheiden, ob sie etwas ändern wollen - und zwar jetzt! Verändert mit mir die Zukunf - Eure Jasi
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