San Francisco - David Dain Smith lebt in Missouri, aber sein Weinberg in Kalifornien liegt nur einen Mausklick weit entfernt. Denn Smith ist Winzer bei Crushpad, einer Art Online-Winzergenossenschaft, die ihre Mitglieder auf dem Weg von der Rebe bis zum Glas mit E-Mails, Webcam und Chats begleitet.
Mitglied kann man werden, wenn man mindestens ein Fass Wein mit einem Fassungsvermögen von 300 0,75-Liter-Flaschen erzeugen will.
Je nach Rebsorte und Aufwand kostet das 5.000 bis 10.000 US-Dollar (3.700 bis 7.400 Euro). Nach der Anmeldung entscheiden sich die Online-Önologen für eine bestimmte Geschmacksrichtung und wählen die Trauben aus einer Liste mit kalifornischen Winzern aus.
Im Anschluss an die Weinlese wird es dann ernst. Der Online-Winzer kann, obwohl er zuhause bleibt, beim Keltern ganz nah dabei sein. Webcams übertragen das Zerstoßen der Trauben. Über eine Spracherkennungstechnik kann man sich direkt mit den Arbeitern austauschen. Danach gilt es, Entscheidungen zum Verschnitt, zur Lagerung oder zur Etikettierung der Flaschen zu treffen. Crushpad-Mitarbeiter wie Mike Zitzlaff sorgen dafür, dass die Begeisterung nicht mit der Erfahrung in Konflikt gerät. "Der Kunde hat niemals unrecht", versichert Zitzlaff, um gleich augenzwinkernd hinzuzufügen: "Aber es gibt verschiedene Grade, unrecht zu haben." Wer sich die Zeit nimmt, kann auch persönlich vorbeischauen. Der 49-jährige Mikrobiologe Smith fährt gern nach Kalifornien und hat für seinen "Dain-Wein" schon einmal 92 von 100 Punkten des einflussreichen Weinverkosters Robert Parker bekommen. Seine Produktion erreicht in diesem Jahr 500 Kisten, meist Pinot Noir, aber auch einen exquisiten Syrah, im Eichenfass gereift.
Michelle Locke/AP
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