XXX-Domains Der Rotlichtbezirk fürs Internet kommt

Seit Jahren wird darüber gestritten, jetzt wird sie tatsächlich kommmen: Spätestens Ende des Jahres werden die schlüpfrigeren Seiten des Internet unter der Toplevel-Domain ".xxx" versammelt. Lange Zeit war der Rotlichtbezirk fürs Web umstritten.


Sex online: Eindeutige Inhalte bald unter eindeutiger Adresse

Sex online: Eindeutige Inhalte bald unter eindeutiger Adresse

Neben .com, .org, .net und anderen Adress-Endungen wird bald also .xxx ins Netz gehen. Bei der Internet-Domain-Verwaltung Icann ist man sich jetzt sicher: Die Domain .xxx ist notwendig und wichtig. Sie werde "eine klar identifizierbare Region im Internet schaffen, die Familien in die Lage versetzen wird, Kinder und andere vor unangemessenen Inhalten zu schützen", heißt es in einem Icann-Papier. "Sinnvolle, freiwillige Selbstorganisation" werde damit nun möglich.

Für Eltern wird die neue Top-Level-Domain (TLD) den Umgang mit dem Netz wohl tatsächlich vereinfachen: Eine ganze TLD für den Zugang zu sperren ist einfach, Filtersoftware könnte überflüssig werden - wenn auch wirklich alle, die blankes Fleisch und härteres ins Netz stellen, sich unter der .xxx-Flagge versammeln würden.

Das aber ist unwahrscheinlich: Die Erfahrung mit bisherigen Erweiterungen des Adressraumes zeigt, dass gerade die großen Anbieter eher dazu neigen, ihre Webseiten unter möglichst allen gängigen Adressendungen im Web zu verewigen. Geschaffen wurden in den letzten Jahren so vor allem doppelte und dreifache Strukturen: Wer Wert auf eine "com"-Adresse legt ("Commercial"), nahm gern auch die "biz"-Adresse mit (für "Business").

Guter Schritt, aber nicht genug

Für den Bereich der eindeutigen Sex-Adressen ist kaum etwas anderes zu erwarten. Wirklich greifen würde der Gedanke des "Schutzraumes" .xxx erst dann, wenn man die Betreiber schlüpfriger Angebote zum Wechsel bewegen könnte. Der könnte aber nur freiwillig geschehen und ist wenig wahrscheinlich: Der ICANN als "Straßenverkehrsamt des Internet" fehlen hierfür jegliche Möglichkeiten, einen solchen Wechsel zu erzwingen - und wohl auch der Wille.

Denn auch, wenn inzwischen innerhalb der ICANN ein Konsens darüber erreicht scheint, dass eine eigenständige Sex-Domain sinnvoll sei, war die Frage doch seit 1997 heftig umstritten.

Viele Befürworter der Sex-Domain sahen sie gekoppelt an die paralelle Einrichtung einer eigenen Kinder-Domain nach dem Muster ".kids", um neben dem Rotlichtbezirk eben auch eine reine Spielstraße einrichten zu können, in der nur als passend anerkannte Angebote registriert werden könnten.

Auch dieser Vorschlag liegt seit Gründung der ICANN auf deren Tisch. Die ICANN jedoch sah ihre Aufgabe bisher nicht in einer solchen "inhaltlichen" Regulierung des Webs. Weitgehend sinnfreie Domainnamen wie ".aero" für Fluggesellschaften wurde vor fünf Jahren, als die Zahl der TLDs zuletzt erweitert wurde, der Vorzug gegeben.

Frank Patalong und Christian Stöcker



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