Yahoo Aktionäre kippen Anti-Zensur-Programm

Yahoo kommentiert Chinas Flickr-Blockade, plant eine Anti-Zensur-Politik und die Gründung einer Menschenrechtskommission. Die Aktionäre kippen diese Vorhaben per Veto. Sie interessieren sich mehr für die Talfahrt des Aktienkurses.


Santa Clara - Das US-Unternehmen Yahoo legte gestern auf seiner Aktionärs-Hauptversammlung Pläne zur Bekämpfung der Internet-Zensur vor. Man plane unter anderem die Gründung eines speziellen Menschenrechtskomitees.

Im Kreuzfeuer der Aktionäre: Yahoo-Chef Terry Semel
REUTERS

Im Kreuzfeuer der Aktionäre: Yahoo-Chef Terry Semel

Eine Yahoo-Sprecherin kommentierte zudem die mutmaßliche Sperrung der Bilder-Plattform Flickr: Seit vergangener Woche könnten die chinesischen Nutzer die Bilder nicht mehr abrufen. Ein technisches Problem gebe es dafür nicht.

Gerüchten zufolge steht die Sperre in Zusammenhang mit auf der Seite veröffentlichten Bilder vom Massaker auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens.

Das US-Unternehmen, das schon lange in der Kritik steht, Länder wie China bei ihrer Internet-Zensur technologisch zu unterstützen, kommunizierte damit an prominenter Stelle Vorschläge für einen überfälligen Wandel in seiner Unternehmenspolitik.

Aktionäre blockieren Vorschläge

Die Aktionäre zeigten sich von Yahoos Anti-Zensur-Plänen indes wenig begeistert: Dem Vorschlag zur Zensurbekämpfung stimmten nur 15 Prozent von ihnen zu, nur vier Prozent goutierten die Einberufung eines Menschenrechtskomitees.

Die Investoren interessierten sich mehr für den Verlauf des Yahoo-Aktienkurses. Seit der Hauptversammlung 2006 ist dieser um 18 Prozent gesunken, Konkurrent Google legte im gleichen Zeitraum an der Börse um 32 Prozent zu. Vor allem im lukrativen Online-Anzeigenmarkt gegenüber Google ist Yahoo zuletzt massiv zurückgefallen.

Das Top-Management musste für diese Aktien-Talfahrt gerade stehen: Manche Mitglieder des Führungsgremiums wurden nur mit knapper Mehrheit wiedergewählt. Investor Eric Jackson forderte Yahoo-Chef Terry Semel zusätzlich auf, sich für seine Leistungen in den vergangenen drei Jahren zu entschuldigen.

Jackson ist bei Yahoo ein altbekannter Querulant. Bereits seit Januar macht er über die Videoplattform YouTube seinem Ärger über die schwache Entwicklung des Aktienkurses Luft. Auch einen Blog hat er eröffnet – nach eigenen Angaben um die "Wikisierung" von Yahoo voranzutreiben.

Semmel begegnete den Aktionärs-Vorwürfen betont gelassen: "Wir sind besser aufgestellt als jemals zuvor." Er versprach, Yahoo werde den Abstand zum Marktführer Google verringern. Projekt Panama, ein neues Werbenetzwerk, das Yahoos überholtes Overture-System ersetzen soll, werde schon im zweiten Quartal die Geschäftszahlen erkennbar verbessern.

Vielen Aktionären waren diese Versprechungen nicht konkret genug. Es reicht ihnen nicht aus, alle Hoffnungen in ein noch ungetestetes Internet-Werbesystem zu setzen. Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang lakonischer Kommentar: "Dies sind ziemlich aufregende Zeiten für Yahoo."

ssu/Reuters/AP



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