Wegwerf-Zugangscodes Yahoo will Passwörter abschaffen

Amerikanische Yahoo-Nutzer müssen sich künftig keine komplizierten Passwörter mehr merken. Stattdessen können sie sich Einmal-Zugangscodes aufs Handy schicken lassen.

Passworteingabe am Computer (Symbolbild): Bald Vergangenheit?
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Passworteingabe am Computer (Symbolbild): Bald Vergangenheit?


Seit Sonntag können US-Kunden von Yahoo sogenannte On-Demand Passwords aktivieren. Die Einführung dieser Option sei nicht weniger als "der erste Schritt zur Abschaffung der Passwörter", sagte Yahoo-Manager Dylan Casey laut "Cnet" auf der SXSW-Konferenz in Austin.

Nach der Aktivierung zeigt Yahoo beim nächsten Login statt des Password-Eingabefelds eine neue Schaltfläche an: "Mein Passwort zuschicken." Per SMS erhält der Yahoo-Kunde dann eine vierstellige Zahl, die einmalig Zugang zu den Web-Diensten des Unternehmens erlaubt. Wer sich ausloggt oder länger nicht aktiv war, muss sich ein neues Passwort zuschicken lassen.

Dieses System erinnert an den Zwei-Faktoren-Ansatz, wie ihn etwa Google verwendet. Dabei wird das Passwort um eine zusätzlich per SMS zugeschickte PIN abgesichert. Beide Systeme sollen die größte Schwachstelle des Passwortschutzes flicken: nämlich das Passwort.

Das Passwort-Problem

Es gibt viele Probleme mit Passwörtern: Leicht zu merkende Passwörter sind auch leicht knackbar. Schwer zu knackende Passwörter sind wiederum schwer zu merken. Sicher sind Passwörter sowieso nur vorübergehend. Wer dasselbe Passwort bei mehreren Diensten verwendet, riskiert, dass Hacker einmal geknackte Passwörter auch bei anderen Diensten ausprobieren.

Im Idealfall - und das ist bei Passwörtern eigentlich der Normalfall - müssen viele verschiedene, möglichst schwer zu merkende und regelmäßig ausgetauschte Passwörter verwendet werden. Weil das nicht praktisch ist, setzen viele Menschen auf viel zu einfache Passwörter, die sie bei vielen Diensten verwenden. Oder sie benutzen eine Software für die Passwort-Verwaltung die wiederum alle Passwörter hinter einem einzigen Master-Passwort speichert.

Manchmal nützt das beste Passwort nichts

Aber selbst wenn man sichere Passwörter verwendet, garantiert das noch lange keinen Schutz: Passwörter werden von manchen Unternehmen nicht hinreichend sicher gespeichert oder ungeschützt übers Internet übertragen. Manchmal suggerieren Passwörter auch nur einen Schutz: Wer sich einen sogenannten Keylogger im Netz eingefangen hat, dem nützen auch die besten Passwörter nichts, weil sie von der Schadsoftware beim Eintippen mitgelesen werden. Laut Branchenverband eco könnten bis zu 40 Prozent aller Computer in Deutschland mit so einer Schadsoftware infiziert sein.

Derweil geht die Suche nach einem vertrauenswürdigen Zugangssystem weiter. Letztlich könnte das eine Kombination aus biometrischen Daten (Fingerabdruck, Gesichtserkennung), Chipkarten- oder Smartphone-Authentifizierung, ergänzt mit Sicherheitsvorkehrungen, die untypisches Nutzungsverhalten erkennen, sein. Das Ziel ist klar: keine Passwörter mehr.

Bis dahin aber gilt weiterhin: Wählen Sie sichere Passwörter! Tipps dafür haben wir hier und hier zusammengetragen.

kno

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 16.03.2015
1.
Dann ist man also in Zukunft nicht nur auf eine aktive Internetverbindung angewiesen, sondern auch noch auf ein funktionsfähiges Handy? Tolle Idee. Sicher könnte das vielleicht sein (auch wenn ich das nicht so ganz glaube), aber praktisch ist was Anderes.
Alaaf 16.03.2015
2.
Zitat von Atheist_CrusaderDann ist man also in Zukunft nicht nur auf eine aktive Internetverbindung angewiesen, sondern auch noch auf ein funktionsfähiges Handy? Tolle Idee. Sicher könnte das vielleicht sein (auch wenn ich das nicht so ganz glaube), aber praktisch ist was Anderes.
Die "tolle Idee" wird in der Praxis doch schon häufiger umgesetzt. Ich bekomme z.B. alle TANs für Überweisungen etc. aufs Mobiltelefon geschickt. Seit Jahren. Damit gab es nie ein Problem und ich empfinde es als äusserst praktisch.
cs01 16.03.2015
3.
Zitat von AlaafDie "tolle Idee" wird in der Praxis doch schon häufiger umgesetzt. Ich bekomme z.B. alle TANs für Überweisungen etc. aufs Mobiltelefon geschickt. Seit Jahren. Damit gab es nie ein Problem und ich empfinde es als äusserst praktisch.
Praktisch schon, ich nutze es beruflich auch. Aber teuer, da man pro SMS zahlen muss. Privat nuze ich lieber einen Tangenerator, den muss man nur einmal bezahlen. Was ich mich jedoch Frage, ob das sicher ist. So muss man "nur" das Handy knacken und bekommt dann Zugang. (Und hinterlegt eine neue Handynummer und übernimmt den Account)
jungletiger9 16.03.2015
4. Ob das ...
... wirklich "einfacher" ist? Ich bin in den letzten Jahren mehrmals im Ausland umgezogen und habe entsprechend die Handynummer gewechselt, gar keine lokale Handynummer gehabt oder muss(te) draufzahlen fuers Nachschicken der SMS. Wenn man im Urlaub ist, muss man dann auch fuer jede SMS zahlen. Gar nicht erst davon zu reden, dass man dann im Internetcafe sitzt und sein Handy nicht dabei hat oder gerade mal wieder die Batterie alle ist.
ul-flieger 16.03.2015
5. Ein SecurID Token
wird von vielen Unternehmen eingesetzt. Hinter das eingetippte Kennwort wird eine 6-stellige Nummer getippt die nach 30 Sekunden ungültig ist. Das Backend für sowas funktionsfähig zu machen ist dann die Herausforderung.
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