Yahoo News Mischmasch aus Blogs und Medien

Wer künftig auf Yahoo News nach aktuellen Meldungen sucht, weiß nicht, ob ihm dort zuerst Medienmeldungen oder Blog-Einträge begegnen werden. Als erstes Web-Unternehmen behandelt Yahoo Blogs und professionelle Medien als gleichwertige Quellen.


Keine große Suchmaschine, die auf eine Nachrichtensuche verzichten würde: Nach Stichworten durchpflügen die Suchdienste ausgewählte Nachrichtenquellen, präsentieren zudem das prominent, was gerade aktuell ist. Gemeinsam haben die Angebote, dass sie dabei weitgehend auf den Eingriff von Menschen verzichten: Angebote wie Google News machen keine Nachrichten, sie sammeln sie nur.

Doppelsuche: Nachrichten und Blogs

Doppelsuche: Nachrichten und Blogs

Anders als Yahoo, denn seit einigen Wochen macht die Internet-Firma - zum zweiten Mal in ihrer zehnjährigen Geschichte - den Versuch, sich ein eigenständiges Profil als Nachrichtenquelle zu geben. Das geht einerseits über selbst beigesteuerte Inhalte, wie Yahoos Krisenschauplatz-Blog "Kevin in the Hotzones", andererseits über Kommentare, die Yahoo seit einiger Zeit en Masse liefert.

Und es geht dadurch, dass man sich von der Konkurrenz durch eigenständige Merkmale absetzt.

Ziemlich publikumswirksam fällt da die Entscheidung von Yahoo USA aus, künftig Weblogs als gleichberechtigte Nachrichtenquellen neben dem Output der professionellen Medien zu behandeln. Die Suchfunktion ist bereits implementiert: Wer künftig in Yahoos Nachrichtenpool sucht, durchwühlt "All News & Blogs".

Medien-Puristen graut es da, schnell steht die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Quellen im Raum. In der Praxis jedoch hat Yahoos Entscheidung wenig Konsequenzen. Als aktuell präsentiert wird nach wie vor das, was originär und aktuell zugeliefert wird - und das kommt von Nachrichtenagenturen und "Profi-Medien".

Dass die gezielte Suche nach Themen dann auch Blog-Inhalte zutage fördert, verbreitert nur die Basis abrufbarer Kommentare und Meinungen. Denn nach wie vor treiben die meisten Blogger Metakommunikation: Sie deuten, analysieren, diskutieren oder kommentieren Nachrichten, schaffen aber nur sehr selten selbst welche.

Medienkommentatoren sehen in Yahoos Entscheidung trotzdem einen "großen Schritt", denn damit verwische die Grenze zwischen Blogs und professionellen Medien. Davon jedoch kann auch bei Yahoo keine Rede sein: Statt einer Ergebnisliste bekommt man nun stattdessen zwei davon serviert: Links (und prominent platziert) die Suchergebnisse aus Medienquellen, und rechts in einer Spalte Ergebnisse aus Weblogs.

Für Joff Redfern von Yahoo ist die Erweiterung des Nachrichtenpools hin zu "Laien-Reportern" darum auch nicht mehr als ein Zusatznutzen: "Wir versuchen, klar zu machen, was aus den Mainstream-Medien kommt und was von Web-Nutzern beigesteuerte Inhalte sind, um hier jede Verwirrung zu vermeiden."

Der Rest ist offenbar eine Überzeugungssache. Für den Journalismus-Professor Robert Thompson gibt es "einen Unterschied zwischen Informationen, die einen redaktionellen Prozess durchlaufen haben, und solchen, die von jemandem veröffentlicht werden, ohne vorher einen solchen Prozess zu durchlaufen". Diesen Unterschied gelte es zu wahren.

Ob Yahoo nun eine Medienfirma im eigentlichen Sinne und damit auch den journalistischen Standards verpflichtet ist, sorgt in der US-Presse seit einigen Wochen für heiße Diskussionen. Besonders gut kommt Yahoo dabei nicht weg: Nachdem im letzten Monat öffentlich geworden war, dass Yahoo eine Rolle bei der Verhaftung eines chinesischen Dissidenten gespielt hatte, hagelte es Kritik aus Medien und Menschenrechtsorganisationen. Und Kevin Sites Warblog, ätzte die "Los Angeles Times", zeige deutlich, dass Nachrichten für Yahoo nichts als Entertainment seien.



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