Internetverkehr während der WM Fußball schlägt Porno

Wenn die eigene Nationalmannschaft spielt, geht der Traffic bei der Pornoplattfrom YouPorn im jeweiligen Land in den Keller. Und nach Abpfiff? Wer das Spiel gewonnen hat, zeigt sich auch am Pornokonsum.

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Mann schaut Pornos auf dem Bildschirm: Schnell wieder da nach der Niederlage
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Mann schaut Pornos auf dem Bildschirm: Schnell wieder da nach der Niederlage


Für die Fußballnationalmannschaft lassen die Deutschen sogar ihre liebsten Porno-Websites stehen. Mit Anpfiff des WM-Vorrundenspiels gegen Portugal sackte bei YouPorn der Besucherverkehr aus Deutschland um mehr als 60 Prozent gegenüber dem tagesüblichen Durchschnitt ab. In der Partie gegen Ghana lag das Minus zeitweise bei gut 50 Prozent, wie eine Auswertung des Portalbetreibers MindGeek* auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zeigt.

"Die WM läuft und die Deutschen kleben vor ihren Fernsehern, statt YouPorn zu schauen", kommentierte MindGeek die Zahlen. Auch beim Gegner hielten sich die Pornofans während der Matches merklich zurück: In Portugal sackte der Verkehr um 40 Prozent ab, in Ghana um etwa 45 Prozent.

An einem normalen Tag besuchen laut MindGeek rund 20 Millionen Menschen weltweit YouPorn; im Schnitt bleiben sie für acht Minuten und 56 Sekunden auf der Seite. 2012 erhielt das Portal 575 Millionen Visits aus der Bundesrepublik, damit waren die Deutschen die zweiteifrigsten Konsumenten hinter den US-Amerikanern. Sie verweilen aber nur acht Minuten und 39 Sekunden bei YouPorn.

Ihr Verhalten nach Abpfiff wird offensichtlich vom Spielausgang bestimmt. So dauerte es nach dem 4:0-Triumph gegen Portugal mehrere Stunden, ehe sich der deutsche YouPorn-Traffic wieder auf Normallevel einpendelte. Offenbar war den Usern eher nach gemeinsamen Feiern und Autokorsos zumute. Nach dem 2:2 gegen Ghana hingegen schalteten die Fans bald wieder vom Fußball auf Sexclips um. Und die Portugiesen ließen im Anschluss an die Schmach gegen Deutschland ihren ganzen Frust beim Porno ab; sie waren stundenlang rund zehn Prozent aktiver als üblich.

Die Verlierer kehren schnell zurück

Diese Zahlen decken sich mit älteren Auswertungen von YouPorn und der Schwesterseite PornHub für andere Sportereignisse: Die Gewinner bleiben den Sexportalen oft noch lange fern. Die Verlierer indes kommen schnell zurück. Die bisherigen Werte der Fußball-WM 2014 bestätigen dies auch für andere Länder. Das Eröffnungsspiel etwa kostete YouPorn bei Anpfiff rund 60 Prozent seiner brasilianischen, 70 Prozent seiner kroatischen und die Hälfte seiner deutschen Besucher. Nur eine Stunde nach der 1:3-Niederlage gegen die Südamerikaner war Kroatien wieder auf dem üblichen Niveau, in Brasilien hingegen dauerte das satte vier Stunden.

Die Spanier steuerten gleich nach dem 1:5-Debakel gegen die Niederlande im Übermaß YouPorn an, die Holländer folgten eine Stunde später. Nur die Anhänger der Squadra Azzurra scheren aus der Reihe: Direkt nach dem 2:1 gegen England kehrten 80 Prozent mehr Italiener als üblich bei YouPorn ein. Vielleicht brauchte mancher nach dem Zittersieg ein wenig Entspannung oder Erleichterung.

YouPorn und PornHub veröffentlichen seit einiger Zeit immer wieder derartige Nutzerstatistiken. Insidern zufolge will der Eigentümer damit kommunizieren, dass Pornogucken etwas ganz Normales ist. MindGeek betreibt mehr als 70 Sexwebseiten mit jährlichen Visits im zweistelligen Milliardenbereich - und ist damit Weltmarktführer für Internet-Pornografie. Das Geschäftsmodell basiert auf Werbung und kostenpflichtigen Premiumdiensten. Branchenkenner schätzen den Jahresumsatz des offiziell in Luxemburg ansässigen Unternehmens auf mindestens 200 Millionen Dollar, bei einer Gewinnmarge von bis zu 30 Prozent.

Aufgebaut wurde das Unternehmen einst unter dem Namen ManWin von Fabian Thylmann. Nachdem der deutsche Alleineigentümer aber in Belgien wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung festgenommen wurde, trat er im Oktober 2013 als Chef zurück und verkaufte seine Anteile an dem unübersichtlichen Firmengeflecht für kolportierte 100 Millionen Dollar an das Management. Kurz darauf benannte sich ManWin um. Als die neuen Mächtigen bei MindGeek gelten die kanadischen Geschäftsleute Feras Antoon und David Tassillo.

* Der Link wurde aus rechtlichen Gründen entfernt.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
jeanremy 02.07.2014
1.
...Glück in der Liebe" wäre somit bestätigt ;-) Der starke Einbruch der Netzaktivität während einer Partie ist nicht überraschend - geht nun mal schlecht beides gleichzeitig. Die Entwicklung nach Abpfiff ist höchst interessant. Auf Verliererseite quasi Ersatzbefriedigung im doppelten Sinne. Wann reagieren die Werbetreibenden im TV darauf? Zum Beispiel, dass manche Hersteller ihre Spots nur im Falle eines Sieges/einer Niederlage ausstrahlen lassen - dann wissen sie genau, welche Gemütslage und Bedürfnisse sie beim Zuschauer gerade antreffen.
aldamann 02.07.2014
2. Beste Studie ever
Mir war schon lange klar, dass wir ein Volk von W***rn sind, jetzt werden Details bekannt. Mit Zitaten aus dem Artikel mach ich Eindruck an meinem Stammtisch. Mindestens für 8 Minuten und 39 Sekunden!
fatherted98 02.07.2014
3. Mann....
...muss halt Prioritäten setzen. Nach dem letzten Deutschlandspiel können sich die Pornowebseiten freuen...das nächste Spiel gucken sicher nicht mehr so viele....und wenden sich dem eigentlich wichtigen zu...den nackten Tatsachen.
lalito 02.07.2014
4. aha, genderfreies Thema, klar ...
Die verwendeten Verallgemeinerungen bilden die Realität wohl nicht korrekt ab. Die Besucher, die Deutschen, die Portugiesen, die Spanier usw. . . . ist das jetzt nicht schon Diskriminierung, was ist mit Quote?
albert schulz 15.07.2014
5. Es ist die Seele
Früher nannte man das Verhalten Frustficken, eine erbärmliche Angelegenheit. Man kann aber nicht nur den Frust bekämpfen, sondern auch überreizte Nerven mit der Methode herun-terregeln, die Wirkung unterscheidet sich nicht wesentlich von der von Antidepressiva oder Alkohol, allerdings sind die Neben- und Nachwirkungen nicht so schädlich, wenn man mal von dem bekannten Rückenmarksschwund absieht. Ausgerechnet jetzt schlägt die Zensursula zu, wenn erwachsene Menschen sich dem regen Gedankenaustausch über diese ominöse Apparatur widmen könnten und ihre vielseitigen Er-fahrungen gemeinsinnig austauschen. Das gemahnt an den hübschen Aufsatz von Manfred C. Stahl im Textarchiv, den er selbst auf Anweisung seines Providers hatte löschen müssen: „Deutschland, Heimstatt der Hochleistungsmasturbatoren“. Zugegeben auch der Säufer, Rau-cher und anderer Drogenabhängiger. Was könnte man den jungen Heranwachsenden an Hilfe-stellungen geben, um mit der vermaledeiten Problematik dieser Mechanik klarzukommen, ohne daß die Armen im Selbstversuch ihre Gelenke malträtieren müssen ? Blutüberströmt müssen sie die Hautärzte aufsuchen, um ein wenig Linderung für die erbärmlich schmerzen-den Wundmale zu finden. Und das alles nur, weil sich ihre arme geschundene Seele auf-bäumt. Daß dies ausgerechnet beim Fußballern passiert erscheint allerdings schwer bedenk-lich. Oder sollte doch Ringelnatz recht behalten, der die Liebe zum Fußball als reinen Sexual-fetischismus entlarvt hat ? Eine absolut unzweckmäßige Ersatzhandlung demnach, die absolut nichts mit den unmenschlichen Leiden und Entbehrungen wahrhaft liebender Männer zu schaffen hat ? Ein Fluchtverhalten vor der unbarmherzigen Macht der Weiber ? Schon lustig, daß die Schwulen fahnenschwenkend durch die Straßen rennen, um um Auf-merksamkeit und Anerkennung ihrer Ersatzleidenschaft zu buhlen, während junge und alte, verruchte und verdiente, verheiratete und unverheiratete Männer ihre Notdurft fristen, ohne daß ein Schwein von ihnen Notiz nimmt. Schuld ist der satanische Klumpfuß, der in Legen-den und Märchen so ausgiebig verteufelt wird, während das Fußballern als ethisch hochste-hende Beschäftigung zelebriert wird, sogar das bloße Zugucken, das man eigentlich nur stockbesoffen ertragen kann. Das Anhören oder Lesen der zugehörigen Kommentare ist eine Pein, gegen die Waterboarding wie eine muntere Freizeitbeschäftigung anmutet. Eine Kleinigkeit überrascht. Es gibt offensichtlich eine Menge Männer, die keineswegs Fuß-ball gucken. Noch mehr überrascht, daß keine versierten Spezialgurus und Schamanen zu Wort kommen.
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