YouTube: Geköpfte Leiche im Online-Video

Der Propagandakrieg zwischen konkurrierenden Banden im mexikanischen Drogenmilieu verlagert sich zunehmend ins Internet. Erneut ist auf der Online-Plattform YouTube ein Tötungsvideo aufgetaucht - diesmal aber geht es um Rache für Polizistenmorde.

Mexiko - Im Videoportal YouTube ist eine Aufnahme aus dem mexikanischen Drogenmilieu veröffentlicht worden, die das Geständis eines mutmaßlichen Mörders zeigt und anschließend die geköpfte Leiche des Mannes zur Schau stellt. Das Video ist ein neuer, grausiger Höhepunkt im zunehmend per Internet propagandistisch ausgeschlachteten blutigen Krieg zwischen den Golf- und Sinaloa-Kartellen, die um die Vorherrschaft in Mexiko kämpfen.

YouTube-Video: Kartelle prahlen mit ihren Waffenlagern

YouTube-Video: Kartelle prahlen mit ihren Waffenlagern

In dem am Sonntag veröffentlichten Mitschnitt erzählt der Mann einem Unbekannten, er sei von den Zetas, den Auftragsmördern des Golf-Kartells, gewaltsam rekrutiert worden und an der Tötung von sieben Menschen in der Pazifik-Stadt Acapulco beteiligt gewesen.

Laut der Nachrichtenagentur Associated Press geht es um die Morde an sieben Polizisten, die im Februar für weltweite Schlagzeilen gesorgt hatten: Uniformierte waren damals kurz nacheinander in zwei Polizeistationen in Acapulco aufgetaucht, hatten die anwesenden Beamten entwaffnet und anschließend erschossen. In beiden Fällen starben auch die Stations-Sekretärinnen. Die Morde waren von den Tätern selbst auf Video aufgezeichnet worden - nun wird auch die Rache für die Taten wieder per YouTube öffentlich gemacht.

Laut Associated Press sieht man in dem jetzt aufgetauchten Video, wie der gefesselte Mann mehrmals geschlagen wird, bis er schließlich gesteht, an den Morden beteiligt gewesen zu sein. Dann wird dem Bericht zufolge gezeigt, wie der Gefesselte mit einem Würgedraht ermordet und ihm der Kopf abgetrennt wird.

Zu Beginn der Aufnahme sei der Aufruf "Sei ein Patriot, töte einen Zeta" zu lesen. Das neue Video ist das letzte in einer langen Reihe von Aufnahmen, mit denen Drogenkartelle und Sympathisanten ihren Kampf um die Vorherrschaft in Mexiko öffentlich austragen. Bei YouTube waren schon zahlreiche Videos von Morden oder mit den Bildern Ermordeter zu sehen. Die Clips verschwinden meist kurz nach ihrem Auftauchen wieder von der Seite.

Polka als Soundtrack für die Mordvideos

Andere Zusammenschnitte zeigen die Waffenlager und Luxusvehikel der Kartelle oder sind als explizite Drohungen "an meine Feinde" zu verstehen - steckbriefartig werden darin Bilder von angeblichen Kartellmitgliedern aneinandergereiht. Unterlegt sind die Videos oft mit der an Polka erinnernden Volksmusik aus dem Norden Mexikos. Narcocorridos werden die Lieder genannt, in denen es oft um Gewalt und Drogen geht.

Der aktuelle Fall hat insofern eine neue Qualität, als dass darin vorgeblich nicht Kartellmitglieder als Täter zu sehen sind, sondern Vigilanten, also selbsternannte Gesetzeshüter. Immerhin geht es um Rache für die Morde an Polizisten - auch wenn laut den mexikanischen Behörden gegen einige der ermordeten Polizisten wegen möglicher Kontakte zu Drogenhändlern ermittelt wurde. "So wird der Gerechtigkeit genüge getan!", schrieb ein Kommentator unter das YouTube-Video.

Mexikos Präsident Felipe Calderón hat den Kartellen offen den Krieg erklärt. Zehntausende Polizisten und Soldaten sind abgestellt, um Mohn- und Marihuanafelder abzubrennen und Drogenlabore aufzuspüren. Erst vor Kurzem wurden in einer Villa in Mexiko City mehr als 206 Millionen Dollar in bar sichergestellt. Daneben fanden die Beamten dort Utensilien zur Herstellung von Methamphetamin, sechs Mercedes-Limousinen und Waffen. Ein solcher Schlag gegen das organisierte Verbrechen war den Behörden in Mexiko zuvor noch nie gelungen.

Das Morden jedoch geht unvermindert weiter - mehr als 150 Menschen fielen dem Drogenkrieg seit Jahresbeginn zum Opfer. Am Freitag hatten der mexikanische Fernsehsender TV Azteca und die Zeitung "El Universal" ein Video veröffentlicht, in dem ein Mann sich als Auftragskiller des Golf-Kartells ausgab und die Namen von Komplizen, darunter Polizisten, nannte. Die Leiche des Mannes war am Mittwoch von Kugeln durchlöchert aufgefunden worden.

In der Region Acapulco führen das Golf-Kartell und das konkurrierende Drogenkartell Sinaloa einen gnadenlosen Machtkampf um die Kontrolle des Drogenhandels. Die Region an der Westküste Mexikos ist ein wichtiges Anbaugebiet für Drogen, ist aber auch für den Konsum und den Drogenhandel in Richtung USA bedeutend. Schätzungen über den Gesamtwert des Kokains, das von Mexiko in die USA geschmuggelt wird, reichen von knapp 7 bis 25 Milliarden US-Dollar.

cis/mak/AP/afp

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