YouTube-Hit "Hydraulic Press" Mach die Puppe platt

Handys, Barbie-Puppen, ein Mixer: Vor der hydraulischen Presse eines Finnen ist nichts sicher. Sein YouTube-Kanal feiert die Zerstörung - und Millionen Nutzer sehen fasziniert zu.

youtube/ Hydraulic Press Channe

Da sitzt sie und lächelt ihr bekanntes Lächeln. Doch das vergeht der Barbie-Puppe schnell, denn von oben schiebt sich gemächlich, aber stetig der Kolben einer hydraulischen Presse ins Bild. Es knistert und knackt, dann hat die Presse ihre Arbeit getan und von der Barbie-Figur bleiben nur ein paar platte Kunststofftrümmer übrig, lediglich ein von der Presse unversehrtes Bein streckt sie noch zur Seite heraus.

Damit es jeder mitbekommt, wird der ganze Vorgang noch einmal in Zeitlupe wiederholt. Der Video-Clip dauert keine zwei Minuten, aber seit seiner Veröffentlichung im Oktober wurde er schon weit über 700.000 Mal angesehen. Und Barbie ist nicht der einzige Gegenstand, der der Presse zum Opfer fällt, denn der "Hydraulic Press Channel" auf YouTube hat sich ganz einer einzigen Aufgabe verschrieben: Alltagsgegenstände werden mit einer hydraulischen Presse bei laufender Kamera zerstört.

Bei dieser Art von Pressen wird mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten Kolben ein hoher und gleichmäßiger Druck übertragen. Ein Druckkolben und ein Arbeitskolben sind dabei über eine gemeinsame Leitung voller Flüssigkeit verbunden. Mit einer kleinen Kraft am Druckkolben kann eine große Kraft am Arbeitskolben erzeugt werden. Dieser Arbeitskolben ist es, der in den YouTube-Videos sein Zerstörungswerk tut. Die Geräte sind weit verbreitet und tun in Hebebühnen, Bremspedalen oder Baggerarmen ebenso ihren Dienst wie in Werkzeugmaschinen.

Eine solche Presse hat auch der Betreiber des YouTube-Accounts daheim in seiner Werkstatt stehen, wo er die Videos aufnimmt. Über seine Identität ist nicht viel bekannt, außer dass er aus Finnland stammt. Auf Englisch mit starkem Akzent kommentiert er seine Videos, die er mit Heavy Metal unterlegt.

Zu Beginn versprach der Finne, jede Woche ein neues Plättungs-Video zu veröffentlichen. Doch der anfängliche Elan erlahmte bald, nach dem 31.10.2015 tat sich auf dem Kanal lange nichts mehr. Bis zum Mittwoch letzter Woche: Da meldete er sich zurück und stellt seither beinah in Tagesfolge neue Clips online.

Besonders beliebt: das Video vom geplätteten Nokia 3310

Besonders beliebt ist einer seiner aktuellsten Clips, in dem es einem Nokia 3310 an den Kragen geht. Den alten Handy-Knochen umweht der Mythos der Unzerstörbarkeit. Das macht so ein Gerät zum idealen Kandidaten für einen Haltbarkeitstest unter erschwerten Bedingungen. Bis zum Dienstagmittag hatten den Clip 2,5 Millionen Nutzer angesehen.

Neben anderen elektronischen Geräten wie einem Smartphone, einem Mixer, einer Digitalkamera oder einer Armbanduhr findet auch Bläschenfolie oder ein Eishockey-Puck ein flaches Ende. Der Puck verdankte seinen Auftritt einer Wette zwischen dem Besitzer der Presse und seiner Frau. Die glaubte nämlich, dass der Hartgummi-Puck gegen die Presse bestehen würde. Zu Unrecht, auch der jüngste Kandidat wurde am Ende zerquetscht.

Bei einem Blatt Papier gibt es Schwierigkeiten

Es gibt aber auch eine Experiment-Anordnung, bei der die Presse nicht den gewünschten Effekt erzielt hat - bei einem Blatt Papier. Der YouTuber mit der Presse wollte überprüfen, was an der Behauptung dran ist, niemand könne ein Blatt Papier mehr als sieben Mal falten. Mit Hilfe der Presse sollte das eine leichte Übung sein, so der Gedanke. Die ersten fünf Faltungen wurden noch von Hand erledigt, Durchgang Nummer sechs und sieben dann mit der Presse. Doch der hohe Druck der Presse machte es schließlich unmöglich, das Unterfangen weiterzuführen, wie das Video zeigt:

Das Papierexperiment wurde seit Veröffentlichung über sieben Millionen Mal angeklickt. Am Ende steht auch hier die Zerstörung, genau wie in den anderen Clips. Vielleicht liegt daran der Reiz der Filmchen: Die Presse arbeitet langsam, aber unbeirrt, fast hat ihr Drücken etwas Meditatives. Und am Schluss gibt es keine Überraschungen, der Zuschauer weiß, was er bekommt.



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
naklar261 23.03.2016
1. lustig...menschen...
feiern solche Sachen. Aber solche Pressen eignen sich hervorragend als Spielzeug...da denkt man doch gerne an die Zeit als Maschinenbauer zurueck
Susanne Günther 23.03.2016
2. Vorsicht, knirscht: Analoge Kameras unterm 26-Tonner LKW (
Keine Hydraulikpresse, sondern ein voll beladener 26-Tonner: Schon 2014 hat Torsten Warmuth, ein Berliner Künstler, analoge Kameras überfahren und die "Überbleibsel" zu Objekten und Bildern arrangiert. Die Serie heißt The Silence Beyond, das Making-of gibt's auf VIMEO (das Knirschen ist schrecklich für Liebhaber alter Kameras!): https://vimeo.com/113437761
gustavsche 23.03.2016
3. Das kann man einmal machen, aber danach ist es nicht mehr lustig.
Mich erinnert das an meinem kleinen Bruder, der mit seinem "Kumpel" mehr als 50 Matchbox-Autos mit Hilfe eines Schraubstockes schrottete und leider waren da auch meine darunter. Da wurden für wenige Sekunden Spaß Werte vernichtet. Das ist in etwa so, als wenn man mit einem Dollarschein eine Zigarre anzündet. Selbst neu gekaufte Matchbox-Autos wurden im Schraubstock niedergemacht. Das war eine ganz schlimme Zeit. Weder mein Bruder noch der "Kumpel" hat es danach zu irgendwas in seinem Leben geschafft. Der "Kumpel" ist sogar Alkoholiker und hatte schon einige Entzüge hinter sich. Er ist noch nicht einmal 30. Wer materielle Dinge als Kind so wenig schätzt, ist ganz arg dran.
scharfekante 23.03.2016
4. Misogyn
Sorry, liebe Redaktion, aber die Vorstellung der "Puppe" mit Barbie-Figur, langen blonden Haaren, betonten Brüsten, auf dem Rücken liegend und mit geöffneten Beinen, als besonders spaßbringendes Zerstörungsobjekt kann nur als misogyn, also krankhaft frauenfeindlich, bezeichnet werden. Der Autor sollte sich vorsichtshalber psychiatrisch oder zumindest psychologisch untersuchen lassen, zumindest, um auszuschließen, dass auf seine frauenfeindlichen Darstellungen auch Taten folgen könnten.
globalundnichtanders 23.03.2016
5.
Zitat von scharfekanteSorry, liebe Redaktion, aber die Vorstellung der "Puppe" mit Barbie-Figur, langen blonden Haaren, betonten Brüsten, auf dem Rücken liegend und mit geöffneten Beinen, als besonders spaßbringendes Zerstörungsobjekt kann nur als misogyn, also krankhaft frauenfeindlich, bezeichnet werden. Der Autor sollte sich vorsichtshalber psychiatrisch oder zumindest psychologisch untersuchen lassen, zumindest, um auszuschließen, dass auf seine frauenfeindlichen Darstellungen auch Taten folgen könnten.
Ahahahahaha. Sie meinen das witzig, oder? Ernst meinen kann das niemand. Oder doch? Es gibt ja alle möglichen Facetten menschlichen Lebens. Ich bin verwirrt.
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