YouTube-Hype Drogentrip nach Zahnarztbesuch

Der siebenjährige David steht nach einem Zahnarztbesuch etwas neben sich. Sein Vater filmt den Drogentrip, das Video explodiert bei YouTube zum Videohit. Die ersten Remixe sind längst da. Und auch die Kritiker: Darf man so was?

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Der direkte Weg zum kleinen Internet-Ruhm verläuft nicht selten über großen Schmerz. Wer sich die Nasenhaare effektvoll abfackelt, sich todesmutig von Hausdächern stürzt oder seinen übellaunigen Freunden die Kontrolle über das eigene Wohlbefinden überlässt, hat es nicht mehr weit bis zum YouTube-Erfolg.

So ähnlich gilt das auch für all die zuckersüßen Momente, festgehalten auf Festplatte, die zum Internet-Renner werden: pfötchenhaltende Otter, einschlafende Katzen, herzergreifend kichernde Säuglinge. Zwischen Herzinfarkt und Herz in Fahrt findet sich in den Weiten der Online-Videos ansonsten vor allem Langeweile.

Bis jetzt ein kleiner Junge den Spalt zwischen Schmerz und Herz schließt: David. Im Sommer 2008 muss er zum Zahnarzt, ein Zahn muss raus. Damit das Zähneziehen nicht allzu schmerzvoll ist, verabreichte ihm der Zahnarzt ein Medikament. Es war das Elixier, mit dessen Hilfe David innerhalb weniger Tage zum schnellstwachsenden Internet-Erfolg in der Geschichte von YouTube wurde. David, das muss man wissen, sprach außergewöhnlich gut auf die Medizin an, erkundete vor der laufenden Kamera seines Vaters neue Welten, zeigte sich überrascht von neuen Eindrücken und Einblicken. In sich und in die Welt: "Is this real life?", ist das das echte Leben?

David, gerade einmal sieben Jahre alt, erlebte seinen ersten Drogenrausch. Vor laufender Kamera. Und die ganze Welt schaut zu, wie ein kleiner, reichlich illuminierter Junge mit gewaltigen Zahnlücken und wirrem Blick versucht, seinen Zustand und die Welt zu verstehen, die Worte zu ordnen und einfach mal so furchteinflößend wie ein Dinosaurier loszuschreien.

Knapp vier Millionen Mal wurde das Video bei YouTube innerhalb einer Woche angeklickt. Google listet bereits eine Viertel Millionen Suchergebnisse für den Titel des Videos: "David after Dentist". Zahllose Blogs verweisen auf den Clip. Schneller schaffte es wohl noch nie ein Internet-Video zu so viel Erfolg. Und überall, vor allem natürlich in den YouTube-Kommentarspalten geht jetzt die Frage um: Darf man das? Was für ein Vater ist das, der seinen berauschten, minderjährigen Sohn filmt und dem Internet-Pöbel zum Gespött überlässt?

Weniger kritische David-Fans haben sich das kuriose Video derweil vorgenommen und nach eigenem Ermessen umgestaltet. Einige der schönsten Mash-Ups zeigt SPIEGEL ONLINE auf den nächsten Seiten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
pompelmo 08.02.2009
1. pfui
Da hat es SPON mal wieder geschafft, das Verhalten des Vaters, der das Video ins Internet stellte, zu kritisieren und gleichzeitig das Video in allen Ausprägungen selbst zu verbreiten. Das nenne ich mal eine ausgeprägte Doppelmoral!
Roque Spiegel 08.02.2009
2. Angesichts
http://www.youtube.com/watch?v=N618fLxQP6w solcher Kreationen finde ich das verzeihlich. Ich habe mich jedenfalls sehr amüsiert.
mitbürger 08.02.2009
3. Im Gegenteil
Der Vater war sehr fürsorglich und ging auf die Fragen seines Jungen ein und verbat ihm, mit schmutzigen Händen die frische Wunde zu berühren. Da Jungs in diesem Alter alle gleich aussehen, bleibt hoffentlich die Privatsphäre einigermaßen geschützt. Warum soll man die Wirklichkeit nicht zeigen dürfen? Ich hätte es allerdings nicht gemacht, schon aus Angst, was mein Sohn in 10 Jahren dazu sagt. Außerdem gehört er in diesem Zustand meiner Meinung nach noch unter die Aufsicht des Arztes gestellt. Aus psychologisch medizinischer Sicht finde ich das Verhalten nicht so lustig.
Pablo alto, 08.02.2009
4. Have your cake and it eat
Zitat von pompelmoDa hat es SPON mal wieder geschafft, das Verhalten des Vaters, der das Video ins Internet stellte, zu kritisieren und gleichzeitig das Video in allen Ausprägungen selbst zu verbreiten. Das nenne ich mal eine ausgeprägte Doppelmoral!
Das ist so alt wie der Boulevard-Journalismus. Wenn ich mich recht entsinne, hat das Henri Nannen, der legendäre Stern-Tycoon, perfektioniert, indem er gerne riesige Bilderstrecken abdruckte unter dem Motto: "Solche Bilder wollen wir nicht sehen!"
Hans58 08.02.2009
5. Na und...
Zitat von sysopDer siebenjährige David steht nach einem Zahnarztbesuch etwas neben sich. Sein Vater filmt den Drogentrip, das Video explodiert bei YouTube zum Videohit. Die ersten Remixe sind längst da. Und auch die Kritiker: Darf man so was? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,606021,00.html
Meine Güte, da filmt ein Vater seinen Sohn, der weder Drogenkonsument ist noch berauscht, sondern unter Einfluss einer Lokalanästhesie nach einem Zahnarztbesuch steht und SpON macht daraus eine Story...... Augstein, falls er könnte, würde im Grabe rotieren.....
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