YouTube-Stars Blondes Klickwunder

Sie kennen Jenna Marbles nicht? Dabei ist die Amerikanerin ein Superstar: Mehr als eine Milliarde Mal wurden ihre YouTube-Videos geklickt: Witzige Flirt-Tipps, Schmink-Anleitungen für Betrunkene. Was aber ist der Reiz an der Sache?

Jenna Marbles (im Februar 2013): "Ich verdiene mehr Geld, als ich brauche"
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Jenna Marbles (im Februar 2013): "Ich verdiene mehr Geld, als ich brauche"


Jenna Marbles gehört zu den Teenie-Stars schlechthin. Geht man nach ihren Zuschauerzahlen, müsste sie als Superstar gelten. Doch den meisten Menschen über 30 dürfte die Dame gänzlich unbekannt sein. Anders als klassische Teenie-Idole wie etwa Justin Bieber oder Selena Gomez begegnet sie einem nicht zwangsläufig im Fernsehen oder in einer Zeitschrift. Jemanden wie Jenna Marbles muss man selbst finden, ihren Namen in ein Suchfenster eingeben, ein Video aufrufen - und klicken. Und geklickt wurde mittlerweile eine Milliarde Mal, berichtet die "New York Times" jetzt.

Jenna Marbles, die im richtigen Leben Jenna Mourey heißt, ist Alleinunterhalterin im Netz. Woche für Woche dreht sie einen kurzen Film, nur ein paar Minuten lang - zu sehen ist sie selbst, manchmal mit Hunden, manchmal ohne - aber meistens reicht es schon, wenn sie selbst vor die Kamera tritt und etwas Lustiges erzählt. Mehr als acht Millionen Menschen haben ihren YouTube-Kanal abonniert, um wöchentlich den neuesten Clip der 26-jährigen Amerikanerin sehen, der meistens Mitte der Woche erscheint.

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Angefangen hat sie 2010, als sie ein kurzes Video auf der Plattform hochlud. "How to trick people into thinking you're good looking", hieß es und zeigte sie Verwandlung von einer ungeschminkten Jenna in eine geschminkte Barbie in wenigen Minuten - mit Tipps und Anweisungen, wie man aus einer Person, die "hässlich geboren wurde wie ich" eine gutaussehende macht. "Schritt eins: Geh duschen. Denn du bist wahrscheinlich dreckig."

So schminkt man sich, wenn man betrunken ist

Innerhalb von einer Woche wurde auf diesen ersten Clip fünf Millionen Mal geklickt, mittlerweile zehnmal so oft. Es folgten Videos übers Schminken und Trinken, über Jungs und Mädchen, Banales und Lustiges aus dem Alltag einer jungen Frau. Die Filme heißen etwa "Dinge, die Jungs nicht verstehen", "Ich hasse es, erwachsen zu sein" oder "Dinge, die ich nicht kann".

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YouTube-Stars: Sternchen aus dem Internet
Eines ihre Kultvideos ist eine Anleitung, wie man sich schminkt, wenn man betrunken ist, die allein schon 14 Millionen Zuschauer fand - vermutlich überwiegend weiblich und der englischen Sprache mächtig. Denn anders als bei klassischen Film- und Fernsehstars gibt es im Netz keine Übersetzung frei Haus, die den Star quasi gleich bequem auch in deutsche Wohnzimmer bringt.

YouTube-Stars gibt es viele, oft werden sie durch ein einzelnes Video blitzlichtartig bekannt, weil das Filmchen zufällig einen Nerv trifft und sich über soziale Netzwerke rasant verbreitet. Danach hört meist keiner mehr von ihnen. Doch es gibt eben auch diese Alleinunterhalter, die ihr Geld mit regelmäßigen Clips verdienen und längst Manager engagieren und sich professionell vermarkten müssen. Andere, in Deutschland beispielsweise Gronkh und Sarazar, verdienen ihr Geld damit, einer großen Fangemeinde Computerspiele vorzuspielen - mit verblüffendem Erfolg. Meistens sind diese selbsterwählten Internet-Bespaßer junge Männer. Junge Frauen werden auf YouTube eher bekannt durch detaillierte Schminkanleitungen, die auf der Plattform als Dauerbrenner gelten.

"Ich verdiene mehr Geld, als ich jemals brauchen werde"

Jenna Marbles allerdings ist längst in keiner solchen Nische mehr. Eine Milliarde Klicks, das spielt in der Liga von YouTube-Rekorden wie das Lied "Gangnam Style" von Psy, das mittlerweile gefühlt jeder kennt - auch wenn es sich dabei nur um ein einzelnes Video handelt und nicht um eine ganze Sammlung, wie bei Jenna. Trotzdem ist sie einer der größten weiblichen YouTube-Stars der Welt, und deshalb hat ihr die "New York Times" jetzt ein ausführliches Porträt gewidmet und versucht darin, das Phänomen zu erklären: Die Teenager könnten sich mit der jungen Frau identifizieren, mit ihrer Schimpferei über Sex, Jungs und Sport-BHs, mit ihren Witzen und ihrem Tonfall. Oft ist die Wortwahl derb, und deshalb finden sich unter dem ein oder anderen Video entrüstete Kommentare von besorgten Müttern, die solche Videos für ungeeignet für junge Mädchen halten.

Doch die wollen das offenbar ungefiltert hören, sie verteidigen ihren Star, der längst nicht mehr das Mädchen von nebenan sein dürfte, als das Marbles sich gibt. Die "NYT" hat einen Experten ausrechnen lassen, was sie mit ihren Clips wohl verdient: Fast 350.000 Dollar könnten es 2012 gewesen sein, heißt es, Marbles selbst kommentiert: "Ich verdiene mehr Geld, als ich jemals brauchen werde."

juh

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 13.04.2013
1.
Nichts gegen dieses Mädel & ihre Schminktips. Aber Youtube ist in diesem Punkt ein Gradmesser für den allgemeinen Verfall der Geisteskraft eines Großteils der Massen. Übrigens gucke ich mir diese "witzigen" Videos gar nicht erst an. Ich hab schon Oft genug aus Neugier diesen ganzen Mist angeklickt, der regelmässig in den Qualitätsmedien als Sensation angepriesen wird. Ich hab mich nicht mal dazu durchringen können, mich zum Ansehen dieses "Gangnam" Videos herabzulassen.
Deepthought42.0815 13.04.2013
2.
Zitat von neu_abNichts gegen dieses Mädel & ihre Schminktips. Aber Youtube ist in diesem Punkt ein Gradmesser für den allgemeinen Verfall der Geisteskraft eines Großteils der Massen. Übrigens gucke ich mir diese "witzigen" Videos gar nicht erst an. Ich hab schon Oft genug aus Neugier diesen ganzen Mist angeklickt, der regelmässig in den Qualitätsmedien als Sensation angepriesen wird. Ich hab mich nicht mal dazu durchringen können, mich zum Ansehen dieses "Gangnam" Videos herabzulassen.
What he said. In der Tat ein Gradmesser für die Degeneration dieser Gesellschaft - gilt für die meisten Videos und deren "clicker" auf yt. Aber das gilt ja auch für den Erfolg von RTL, Bild, TV Total, GNTM uvm.
Thyphon 13.04.2013
3.
Zitat von neu_abNichts gegen dieses Mädel & ihre Schminktips. Aber Youtube ist in diesem Punkt ein Gradmesser für den allgemeinen Verfall der Geisteskraft eines Großteils der Massen. Übrigens gucke ich mir diese "witzigen" Videos gar nicht erst an. Ich hab schon Oft genug aus Neugier diesen ganzen Mist angeklickt, der regelmässig in den Qualitätsmedien als Sensation angepriesen wird. Ich hab mich nicht mal dazu durchringen können, mich zum Ansehen dieses "Gangnam" Videos herabzulassen.
Kann ich nachvollziehen. Zumal es danach immer so schwierig ist, aufs hohe Ross zurück zu klettern... Mal im Ernst. Gebärst du dich im Alltag ähnlich Arrogant wie hier, oder hast du dich extra dafür bei SPON angemeldet, um der Menschheit mitzuteilen, wie überlegen du dich allen anderen fühlst?
Tahlos 13.04.2013
4. Nunja
dieser Gangnam-Mist wurde einem ja ohnehin schon an allen (un)möglichen Stellen ohne zu fragen "untergeschoben".. Allerdings wurde es dadurch auch nicht besser. Diese "Youtube-Stars" sind trotz allem eine Sache für sich, die wohl tatsächlich einer bestimmten Altersgruppe, die sie vermutlich auch gerne etliche Male anklicken, vorbehalten ist. Schön das sie dadurch "mehr Geld verdient als sie braucht", aber mein Ding ist es auch nicht.
klaustrofoby 13.04.2013
5.
@neu_ab erkenne ich denn da eine leichte Spur von Neid in dir ? Das ist auch nicht mein Ding aber schliesslich bin ich auch keine 14 mehr. Wäre ich das noch, würde mir das vielleicht gefallen, was die junge Dame da versucht zu übermitteln.
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