Debatte ums Urheberrecht Liebe Leserin, lieber Leser,

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immer wieder kommen Kollegen zu uns ins Netzwelt-Ressort und berichten von alarmierten Teenager-Kindern: YouTube werde bald dichtgemacht, erzählen sie am Abendbrottisch, ob denn Mama oder Papa nichts unternehmen wollten gegen den fiesen Artikel 13?

Es geht dabei um einen Teil der geplanten EU-Urheberrechtslinie, und so trocken das klingt, so sehr ist es gerade Thema auf YouTube und auf den Schulhöfen. Das liegt vor allem an Web-Stars mit teils Millionen Abonnenten, die auf der Videoplattform Stimmung machen gegen besagten Artikel.

Der Artikel ist Firmen wie der Google-Tochter YouTube ein Ärgernis, denn er könnte sie haftbar für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer machen und dazu führen, dass sie die Inhalte schon beim Hochladen auf mögliche Rechteverletzungen filtern müssen. Solche sogenannten Upload-Filter sind fehleranfällig und umstritten - auch hier in der Netzwelt werden sie skeptisch gesehen.

Geburtstagsvideo von YouTuber Julien Bam
Julien Bam/ YouTube

Geburtstagsvideo von YouTuber Julien Bam

Vor dem Wochenende hat der YouTuber Julien Bam anlässlich seines 30. Geburtstags ein aufwändig gemachtes und bereits jetzt über eine Million Mal aufgerufenes Video veröffentlicht, in dem er sich von seinen jungen Zuschauern Protest gegen den Artikel 13 wünscht. Ähnlichen Widerstand gibt es schon: in Videos und sozialen Netzwerken, in Kommentaren und Demonstrationen und einer millionenfach unterzeichneten Petition zur "Rettung des Internets".

Alles Panikmache, beschwichtigen viele und empören sich: YouTube spanne die Idole der Jugendlichen für Lobbyarbeit ein. Tatsächlich konfrontiert YouTube seine Videomacher offensiv mit dem Thema, wie eine E-Mail zeigt, die Webstar LeFloidvergangene Woche veröffentlicht hat: "Kannst du dir ein Internet vorstellen, in dem niemand mehr deine Videos sehen kann?" heißt es darin, "ein Internet ohne deine Lieblings-YouTuber?" Auch auf Instagram schaltet YouTube gerade Anzeigen zum Thema.

Fakt ist: Auch wenn es unrealistisch ist, dass YouTube in Europa dicht macht, so weiß noch niemand genau, welche konkreten Auswirkungen die Änderungen und Upload-Filter haben werden. Was auch daran liegt, dass die Richtlinie noch gar nicht fertig ist. Deswegen wird ja lobbyiert.

Was also können Eltern ihren Kindern überhaupt antworten?

Am besten informiert man sich erst einmal gemeinsam: vielleicht bei Julien Bam oder dem Lieblings-YouTuber, aber auch bei Europaabgeordneten wie etwa Tiemo Wölken (SPD), der ein eigenes Video zum Thema gemacht hat - mit weniger Klicks, aber mehr Details. Bei der EU-Abgeordneten Julia Reda von den Piraten lässt sich nachlesen, was es im Detail mit diesem Artikel 13 auf sich hat. Für einen ersten Überblick sind Erklärvideos wie dieses von MrWissen2go sehenswert.

Mein Kollege Patrick Beuth hat bereits Anfang des Monats aufgeschrieben, was hinter der Aufregung steckt, den Artikel finden Sie hier. Schon damals hatten einige YouTuber Videos zum Thema ins Netz gestellt.

Gut informiert lässt sich dann offen und differenziert über das Thema sprechen - und zwar ohne, dass schon vorher ein Urteil feststeht. Viel Spaß also bei der familiären netzpolitischen Debatte und Meinungsbildung!

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Seltsame Digitalwelt: Bitcoin in Bayern
eine Anekdote von Patrick Beuth

REUTERS

Ein Hotel in den bayerischen Voralpen: Landhausstil, viel Teppich und Sitzpolster aus den Achtziger oder Neunzigerjahren. Am Empfang liegen Stadtpläne (ja, auf Papier!) und ein Stapel Aufkleber, darauf der Satz "Wir nehmen auch Bitcoin".

Mutig, dachte ich. Für Hoteliers ist die volatile virtuelle Währung sicher schwierig zu handhaben, und wie viele Gäste sich wohl darauf einlassen, ausgerechnet hier?

Auf meine Frage, was es mit dem Aufkleber auf sich hat, bekam ich eine vollkommen einleuchtende Antwort: "Ist nur ein Spaß."


App der Woche: easyUp
getestet von Tobias Kirchner

Great Bytes Software

Kommunikation innerhalb größerer Gruppen ist manchmal schwer zu organisieren. Die App easyUp macht es ein bisschen leichter und konzentriert sich auf Videos. In den erstellten Gruppen lassen sich Clips teilen, die anderen Mitglieder können dann direkt antworten. Dabei erinnert die App an die Stories von Instagram, nur bleiben die Clips einem ausgewählten Kreis vorbehalten.

Die Videos dürfen dabei bis zu fünf Minuten lang sein. easyUp fokussiert sich auf das Nötigste - so ist es leicht, die Übersicht zu behalten. Das Angebot richtet sich vorwiegend an Unternehmen, ist aber auch für Familien oder private Projekte interessant.

Gratis von Great Bytes Software, ohne In-App-Käufe: iOS, Android


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Hacker Breaks Down 26 Hacking Scenes From Movies & TV" (Englisch, 21 Minuten Video)
    Wie viel haben Hacker-Szenen aus der Film- und Serienwelt mit der Realität zu tun? In diesem "Wired"-Video bespricht ein IT-Sicherheitsexperte 26 bekannten Szenen.

  • "Der beste Akkuspar-Tipp, den kaum jemand kennt" (fünf Leseminuten)
    "Die meisten Smartphone-Displays verbrauchen weniger Energie, wenn sie schwarze Pixel darstellen", erklärt die "Süddeutsche" in diesem Artikel: "Profitieren können Besitzer von Oled-Displays, die mittlerweile immer mehr Handy-Hersteller verbauen."

  • "Die Stasi spielte mit" (15 Leseminuten)
    Wie war das eigentlich damals, als Videospieler in der DDR? "Zeit Online" widmet sich hier der Gamerszene vor der Wende - und bevor man sich in den ausführlichen Text stürzt, kann man am Artikelanfang auch gleich ein wenig selbst spielen.

Ich wünsche eine anregende Woche,

Ihre Judith Horchert

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insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marvin__ 26.11.2018
1. Gut informiert lässt sich offen und differenziert über das Thema reden
Wohl war. Da stellt sich die Frage, warum die europäischen Institutionen maximale Unsicherheit schüren. Sei es mit dreisten Lügen ("es wird sich nichts ändern", EU-Kommission) mit Halbwahrheiten ("von Upload-Filtern steht nichts im Gesetz", Axel Voss, EU-Parlament) und arrogantem Abwimmeln ("Lesen Sie erst mal den Text" - einen Text, der leider nicht in lesbarer Form publiziert wurde oder wird, sondern nur als Zwischenfassung mit Änderungsvorschlägen). Wie wäre es, wenn die EU - also Kommission, Rat & Parlament - erst einmal kommuniziert, was eigentlich erreicht werden soll. Wenn sie dann sicherstellte, dass alle Betroffenen und Sachverständigen konsultiert würden und nicht nur Lobbyisten von einer Seite, mit tiefen Taschen und großzügigen Geschenken? Ein Beispiel zur Komplexität des Themas: Bis vor kurzem hat die Firma Warner Brothers für das Lied "Happy Birthday to you" Lizenzgebühren verlangt und kassiert. 50 Millionen Dollar. Obwohl - wie jetzt ein Gericht fest stellte - Warner gar keine Rechte an dem Lied hatte. Der Anwalt der Kläger, die am Ende Recht bekommen haben, hat übrigens für seine Bemühungen knapp 5 Millionen Dollar kassiert. Vielleicht können die EU-Experten mal erklären, wie Internetplattformen in solchen Fällen Lizenzen prüfen und einholen sollen. Jedem, der behauptet, Rechte zu haben, Gebühren zahlen? 5 Millionen Dollar locker machen und klagen? Oder doch lieber die Plattform schließen?
Mike-H 26.11.2018
2. 5 Millionen sind für YouTube Kleingeld.
Wenn jemand ein Urheberrechtliches Video, beispielsweise einen illegal mitgeschnitten Blockbuster, hochlädt, hat YouTube die locker verdient, eher der Rechteinhaber das mitbekommt und YouTube veranlaßt das von den Servern zu nehmen. Der Rechteinhaber kann dann den UpLoader verklagen, aber YouTube reibt sich die in Unschuld gewaschenen Hände. Nach dem neuen Gesetzt könnte der Rechteinhaber auch was von den Million von YouTube abkassieren, die YouTube ja mit dem illegalen UpLoad verdient hat.
Kurt Klaas 26.11.2018
3. Ein schöner Einzelfall...
...aber dann frage ich mich, warum Youtuber, deren einzige "künstlerische" Leistung darin besteht auf ein Musikstück zu reagieren - d.h. die sitzen mit aufgesetztem Kopfhörer da, lauschen einem bekannten Musikstück und geben ab und zu Kommentare dazu ab - keinerlei Urheberrechtsabgaben für die kommentierte zahlen müssen. Hier wird keine künstlerische Leistung erbracht, das Musikstück wird in voller Länge ohne Änderungen gespielt - und es kostet keinen Penny. Ja, ich finde auch, dass es bessere Wege geben sollte als so ein Gesetzesungetüm auf die Netzwelt loszulassen. Andererseits scheinen vor allem die großen und reichen Internetgiganten nicht bereit zu sein auch nur ein Fitzelchen ihres Kuchens anderen zu überlassen. Dann müssen sie leider damit leben, dass andere ihr Geschäftsmodell anzweifeln.
macstabi 26.11.2018
4. Ein Leben ohne YouTube?
Die Menschheit wird's verkraften! Die nächste überflüssige Quatschseite steht sicherlich schon in den Startlöchern ...
Herr Knigge 26.11.2018
5. Was man seinen Kindern antwortet?
Vielleicht folgendes: Weißt du, Mama/Papa arbeitet jeden Tag 8 Stunden und die Arbeit möchten wir bezahlt bekommen, damit du lieber Sprössling morgen früh Frühstück auf dem Tisch vorfindest. Leider funktioniert das nicht mehr, weil die Musik, die ich schreibe, auf YouTube geklaut wird anstatt bezahlt zu werden. Deswegen gibt es morgen halt keine Marmelade mehr, sondern nur noch Toast und Margarine. Aber wir werden schon dafür sorgen, dass YouTube weiter mit unserer Arbeit reich wird, mach dir keine Sorgen! Damit du beim Toast wenigstens weiter YouTube gucken kannst.
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