Kurzfilm zu Amazon-Rezension Grillin' me softly

Kann man durch einen Grill Job, Frau und die Lebenslust verlieren? Eine Amazon-Bewertung mit diesem Plot ist ein Klassiker. Sie stammt vom Autor des Blogs "Schlecky Silberstein" - jetzt wurde sie verfilmt.

Screenshot aus Kurzfilm "520015"
YouTube

Screenshot aus Kurzfilm "520015"

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Gerade ist der AEG 520015 bei Amazon gar nicht erhältlich. In der Kategorie "Garten" liegt der Barbecue-Grill auf einem unspektakulären Verkaufsrang: 63.146. Online-Shopping-Niemandsland, könnte man meinen, doch die Produktseite des 520015 dürfte derzeit wieder eine Menge Besucher bekommen.

Ihnen geht es vermutlich weniger um den Grill selbst, als um eine Fünf-Sterne-Rezension unter der Beschreibung: fünf Sterne von "Karsten" aus dem März 2012. 3.570 von 3.726 Kunden fanden die Bewertung hilfreich, in Wahrheit aber wohl eher lustig.

Der " Wie der AEG520015 mein Leben veränderte " betitelte Text erzählt, welche fatalen Folgen der Kauf eines Barbecue-Geräts haben kann. Die Beziehung von "Karsten" und seinem Grill beginnt harmlos mit einem perfekten Burger, intensiviert sich dann aber, bis seine Frau erst nicht mehr Vegetarierin und dann vom ihm geschieden ist.

"Der Grill wollte mehr von mir", heißt es, das Fan-Sein wird zur Obsession. "Nähe allein reichte nicht aus. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich kurz meine Handfläche auf das heiße Rost presste."

Mehr von der Handlung wollen wir hier nicht spoilern, vor allem, weil es seit Mittwoch einen neuen Weg gibt, das Grilldrama mitzuerleben. Unter dem Stichwort "520015" ist auf YouTube eine 11-minütige Verfilmung der Rezension hochgeladen worden , die die Amazon-Bewertung handwerklich überzeugend und inhaltlich eins zu eins ins Bewegtbild überträgt:

Hinter dem Projekt steckt ein dreiköpfiges Film- und Kreativteam, das aus Patrick Saleh-Zaki, Martin Mayntz und Timo Seidel besteht. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagt Regisseur und Kameramann Saleh-Zaki, die Idee zur Verfilmung sei aufgekommen, als Martin Mayntz ein Thema für seinen Bachelor-Abschluss gesucht habe. Beim Lesen der Bewertung habe man direkt Filmszenen im Kopf gehabt.

Das Team habe kaum Budget gehabt, berichtet Saleh-Zaki, "jeder von uns hatte einfach Bock auf die Nummer". Dank einer Anfrage bei AEG habe man zumindest drei Original-Grills zur Verfügung gestellt bekommen: "Wir haben sie alle verheizt."

Die Dreharbeiten haben rund eine Woche gedauert, hinzu kamen Szenen im Supermarkt und in einem Büro und vier Wochen Postproduktion, vom Schnitt bis zu den Soundeffekten.

Am Film wurde mehrere Wochen gearbeitet
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Am Film wurde mehrere Wochen gearbeitet

Bislang ist "520015" nur auf Festivals gezeigt worden, jetzt entschied das Trio, den Clip ins Netz zu stellen. Einen Link zum Video schickten sie an Christian Brandes, der das bekannte Unterhaltungsblog "Schlecky Silberstein" (ehemals "Spiegel Offline") betreibt. Die Filmemacher waren damals über ebenjenes Blog auf die Rezension aufmerksam geworden. Außerdem ist eine Erwähnung dort ein guter Weg, Besucher auf den eigenen YouTube-Kanal aufmerksam zu machen.

Mit ihrem Hinweis machten die Filmemacher offenbar auch Brandes glücklich: "Angeklickt. Ausgeflippt", schrieb dieser am Donnerstag in einem Blogbeitrag , denn er selbst habe die Rezension einst verfasst. "Für ein Buchprojekt hat Onkel Brandes 2012 als 'Karsten' Kurzgeschichten bei Amazon in Kommentarspalten, auf Ebay etc. verfasst", heißt es in dem Artikel. "Und jetzt - vier Jahre später - flattert hier ein Mail mit einem YouTube-Link rein."

So waren plötzlich beide Seiten überrascht. "Wir wussten nicht, dass er der Autor ist", heißt es vom Filmteam, genauso wenig hätte Brandes ihr Filmprojekt gekannt. "Tatsächlich haben wir sehr viel recherchiert und hatten die wildesten Fantasien, woher diese Geschichte stammen konnte. Aber den 'echten' Karsten haben wir nicht ausfindig machen können."

Auf YouTube ist "520015" schon auf einiges Interesse gestoßen, Stand Freitagnachmittag zählt der Clip rund 22.000 Klicks. Darunter finden sich Kommentare wie "Bitte verfilmt mehr solcher Amazon-Kundenbewertungen, da gibt es noch einige, die ich gern mal sehen würde".

Tatsächlich ist die Liste belletristisch wertvoller Online-Rezensionen lang, sie reicht von H. Schmidt, der über die sogenannte Akasha-Säule schreibt, bis zu P. Vogt, der das "MIG 29 fliegen" bewertet . Eine ganze Reihe höchst lesenswerter Besprechungen finden sich auch unter dem "Giant" genannten Schweizer Offiziersmesser , einem Klassiker des Bewertungsspaßes bei Amazon, ebenso wie das schon legendär zu nennende "The Mountain Three Wolf Moon Short Sleeve Tee" . Bei Amazon finden sich nicht nur im Buchshop lesenswerte Texte, sondern immer wieder auch auf den Produktbestellseiten.

Saleh-Zaki und seine Kollegen planen derzeit trotzdem keine weitere Bewertungsadaption. "Wir glauben, dass wir auch noch mehr können", sagen sie. Derzeit würden sie Drehbücher schreiben, für eine selbst produzierte Comedy-Serie für YouTube. Eine gute Abschlussnote soll Martin Mayntz übrigens auch bekommen haben.

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insgesamt 5 Beiträge
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dirkozoid 22.04.2016
1. Ich bin der Karsten
Schlecky Silberstein behauptet einfach so, er sei "Karsten". So ein Unfug! Ich habe diese Bewertung geschrieben und was daran witzig sein soll, wenn man seine Erfahrung mit einem Grill schildert, weiß ich bis heute nicht.
Nemesis Damotil 22.04.2016
2. Orgonakkumulator
Bitte einen Film zum Thema "Orgonakkumulator" und die entsprechenden Amazon-Rezensionen drehen - das großartige Gerät muss viel weiter bekannt gemacht werden...
Bernd R. 22.04.2016
3. Große Haufen
Da darf aber dann auch der alte Klassiker nicht fehlen: http://www.haustechnikdialog.de/Forum/t/19886/Grosse-Haufen
jj2005 29.04.2016
4. Professional gemacht!
Normalerweise sehe ich mir solchen Schwachsinn nicht an, aber ich musste eine Wartezeit überbrücken und siehe da, toll, es hat sich gelohnt! Witzig, überzeugend, tiefschürfend und wirklich professionell gemacht. Weiter so!
Hank-the-Voice 01.05.2016
5. Grüße aus der Marketing Abteilung von AEG
Begonnen wird mit einer Rezension und in einem "viralen" Spot weitergeführt. Es wird mich nicht wundern, wenn AEG bald einräumt, dass es eine eingefädelte Kampagne war.
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